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"Von Anfang an ein revolutionäres Konzept für Energiespeicher" © APA (dpa)
"Von Anfang an ein revolutionäres Konzept für Energiespeicher" © APA (dpa)

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Chemie-Nobelpreis - Vergabe für Wiener Forscher "lange verdient"

09.10.2019

"Begeistert" zeigte sich Markus Valtiner von der Technischen Universität (TU) Wien angesichts der Vergabe des diesjährigen Chemie-Nobelpreises an die Entwickler der Lithium-Ionen-Batterien. Die Technologie liege auch im Hinblick auf den Klimawandel am Puls der Zeit, sagte er zur APA. Als "lange verdient" bezeichnete Nuno Maulide von an der Universität Wien die Zuerkennung.

Die breitere Anwendung in Elektro-Kraftfahrzeugen oder als leistungsfähige Energiespeicher seien "genau die Dinge, die wir jetzt brauchen", so Valtiner, der am Institut für Angewandte Physik der TU in dem Bereich forscht. Man sehe aber auch, wie lange es in der Wissenschaft mitunter braucht, bis Erkenntnisse anwendbar werden. Trotzdem habe man sich in Fachkreisen bereits gefragt, "wann diese Entdeckung einmal anerkannt wird", sagte Maulide, der an der Uni Wien Professor für Organische Synthese ist.

Preisträger bald 100

Das lag vor allem auch daran, dass der Auslöser der Entwicklung, der 97-jährige US-Forscher John Goodenough, auf den 100. Geburtstag zusteuert. Bei den Lithium-Ionen-Akkus handle es sich um eine jener Innovationen, die vielleicht schon derart selbstverständlich geworden sind, dass ihnen die höchste Anerkennung dann fast verwehrt blieb, so Maulide.

Wenn man aber an Laptops, Smartphones oder an die E-Mobilität denke, sei die Technologie natürlich nicht mehr wegzudenken. Nachdem die prinzipielle Funktionsweise laut Maulide nicht extrem schwierig umzusetzen gewesen sei, lag der Clou vor allem darin, die richtigen Materialien und Kombinationen zu finden, die das System stabil und vor allem wiederaufladbar machten.

"Revolutionärer" Energiespeicher

"Seit fünf bis sieben Jahren findet sich die Technologie schlussendlich auch in KFZ", sagte Valtiner. Der Ansatz war jedoch "von Anfang an ein revolutionäres Konzept für Energiespeicher", da in den Akkus eben Lithium-Ionen hin- und hertransferiert werden, ohne chemische Reaktion. Ab den 1990er Jahren sei der Fortschritt dann breit bemerkbar gewesen, weil Laptops plötzlich deutlich länger ohne Aufladen liefen. Valtiner: "Ich persönlich habe den Preis schon länger erwartet - auch weil die Batterien einen merkbaren Fortschritt für die Menschheit bedeuten."

Das Forschungsgebiet selbst ist mittlerweile stark gewachsen. Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der Hinwendung in Richtung Energiewende gebe es "Riesenschwung in dem Bereich". Dieser könnte nun durch den Preis nochmals ein Stück weit stärker ausfallen - auch angesichts der Klimawandeldiskussion.

Interessant sei laut Maulide der Aspekt, "dass es sich hier um eine wirtschaftsorientierte Entwicklung" handle - Ko-Preisträger Stanley Whittingham war etwa lange Jahre beim US-Konzern Exxon, Akira Yoshino ist bei dem Chemiekonzern Asahi Kasei Corporation tätig. Dass ein derart angewandtes Forschungsgebiet in der Wissenschaftsgemeinde vielleicht nicht immer die höchste Reputation genieße, sei möglich: "Es könnte sein, dass man das als reine angewandte Forschung angesehen, und daher so lange gewartet hat. Die grundlegende Relevanz dieses Preises kann man aber gar nicht unterschätzen", betonte Maulide.

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