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Projekt wurde mit dem WINTEC-Preis ausgezeichnet © TU Wien
Projekt wurde mit dem WINTEC-Preis ausgezeichnet © TU Wien

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Eine Smartphone-Tastatur für Blinde

30.09.2019

Ein mobiles Spezial-Keyboard, entwickelt an der TU Wien, ermöglicht blinden Menschen, Texte am Smartphone zu tippen. Das Projekt wurde mit dem WINTEC-Preis ausgezeichnet.

Beim Warten auf die Straßenbahn schnell mal eine Textnachricht ins Smartphone tippen - das ist für viele Leute ganz normal. Menschen mit Sehbehinderung haben es dabei deutlich schwerer. Zwar gibt es eigene Braille-Schrift-Tastaturen für den Computer, eine einfache, tragbare Lösung für das Smartphone gab es bisher nicht. Durch eine Bachelorarbeit der TU Wien ist das nun anders: Johannes Strelka-Petz (Forschungsbereich Multidisciplinary Design & User Research) hat eine Braille-Tastatur entwickelt, die ganz einfach auf der Rückseite eines Smartphones angebracht werden kann. Das mobile Braille-Keyboard "Oskar" ermöglicht rasches Tippen unterwegs. Dafür wurde Johannes Strelka-Petz mit dem WINTEC-Preis für Inklusion durch Naturwissenschaft ausgezeichnet, der vom österreichischen Sozialministerium vergeben wird.

Acht Tasten fürs Smartphone

Die Braille-Schrift stellt jeden Buchstaben als Kombination von Punkten dar. Es gibt sechs Positionen, an denen sich entweder eine ertastbare Markierung befindet oder nicht. Um auch Spezialzeichen unterzubringen, kann das Braille-System auf acht mögliche Punktpositionen erweitert werden. "Eine Braille-Tastatur besteht daher aus acht verschiedenen Tasten", erklärt Johannes Strelka-Petz. "Ähnlich wie man am Klavier mit mehreren Fingern gleichzeitig einen Akkord spielt, produziert man auf dieser Tastatur einen Buchstaben, indem man die entsprechenden Tasten gleichzeitig drückt."

Wenn eine solche Tastatur mit einem Computer verbunden wird, liegt sie normalerweise genau wie eine Standard-Tastatur auf dem Tisch. Für das Smartphone drehte Johannes Strelka-Petz dieses Tastensystem um: Eine Vorrichtung mit acht Tasten wird auf die Rückseite des Smartphones geklebt. "Man bedient das Smartphone also von hinten, die Handhaltung ist daher anders als bei einer gewöhnlichen Tastatur, aber die Tasten sind so angeordnet, dass dieselben Finger trotzdem noch für dieselben Punkt-Positionen zuständig sind", erklärt Strelka-Petz. "Daher ist es für Leute, die an eine gewöhnliche Braille-Tastatur gewohnt sind, kein Problem, sehr schnell die Verwendung unserer Smartphone-Tastatur zu erlernen."

Schon nach wenigen Minuten erreichten die Versuchspersonen mit dem neuen Gerät eine Schreibgeschwindigkeit von etwa 20 Wörtern pro Minute - mit einer herkömmlichen Braille-Tastatur auf dem Tisch sind etwa 30 Wörter pro Minute üblich. "Dass schon mit so wenig Übung eine solche Geschwindigkeit erreicht werden kann, vergleichbar mit gewöhnlichem Braille-Schreiben, ist für uns ein großer Erfolg", sagt Strelka-Petz. Dass nicht genau dieselbe Schreibgeschwindigkeit erreicht wird, ist nicht überraschend - auch Sehende tippen am Display deutlich langsamer als auf einer vollwertigen Computertastatur.

Die Tastatur kann auf der Rückseite des Smartphones angeklebt oder mit Magneten befestigt werden. Über eine Low-Energy-Bluetooth-Verbindung kommuniziert das Gerät mit dem Smartphone.

Beim mobilen Braille-Keyboard "Oskar" handelt es sich um ein Open-Source-Projekt, die Pläne und der Programmcode sind frei online verfügbar. Betreut wurde die Bachelorarbeit von Johannes Strelka-Petz von Roman Ganhör am Institut für Visual Computing und Human-Centered Technologie.

WINTEC-Preise

Bei der Vergabe des WINTEC-Preises, vergeben vom Sozialministerium am 24. September 2019, wurde die mobile Braille-Tastatur der TU Wien mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Auch die Plätze zwei und drei gingen an Forschungsprojekte der TU Wien: Über Platz zwei konnten sich Peter Mayer und Paul Panek freuen, prämiert wurde ihr Projekt "iToilet", eine Toilette die individuell angepasst beim Hinsetzen und Aufstehen hilft. Auf Platz drei kam das Projekt "Phobility" von Georg Hauger, bei dem untersucht wird, welche Probleme Menschen mit Phobien beim Benützen öffentlicher Verkehrsmittel haben.

Mehr über das Projekt Oskar: https://oskar.ddns.mobi/

Fotodownload: https://www.tuwien.at/tu-wien/aktuelles/news/news/eine-smartphone-tastatur-fuer-blinde/#media-1

Kontakt:
Johannes Strelka-Petz
Technische Universität Wien
T +43 68120373047
johannes@oskar.ddns.mobi

Aussender:
Dr. Florian Aigner
PR und Marketing
Technische Universität Wien
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