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Hauptaugenmerk soll auf wirtschaftlichen Kreisläufen liegen © APA (Pfarrhofer)
Hauptaugenmerk soll auf wirtschaftlichen Kreisläufen liegen © APA (Pfarrhofer)

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Experte: Bioökonomie soll ländlichen Raum aufwerten

24.08.2019

Seit März hat Österreich eine Bioökonomie-Strategie. Damit sei man im internationalen Vergleich zwar spät dran, vor allem der ländlichen Bereich könne von der möglichst erdölfreien Art des Wirtschaftens profitieren, zeigte sich der ehemalige Rektor der Universität für Bodenkultur, Martin Gerzabek, gegenüber der APA überzeugt. Die Alpbacher Technologiegespräche widmen sich dem Thema.

Bei der Bioökonomie geht es darum, dass sich Wirtschaft und Industrie die Natur mit ihren Energie- und Stoffwechselkreisläufen zum Vorbild nehmen und nachhaltig sowie möglichst energie- und ressourcenschonend haushalten. Nachwachsende Rohstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft sollen statt Erdöl die nötigen Rohmaterialien und erneuerbare Energie liefern. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf wirtschaftlichen Kreisläufen und weniger auf dem simplen Verbrennen von Biomasse liegen. Ziel ist dabei vor allem, höherwertige Stoffe aus den Rohmaterialien zu erzeugen, was eine enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlicher Technologieentwicklung bedingt.

"Policy Paper" 2013

Der lange Anlauf zu einer übergeordneten nationalen Bioökonomie-Strategie begann bereits 2013 mit einem "Policy Paper". Die Boku hatte damals eine Veranstaltung mit dem "Vater der Bioökonomie" in Europa, Christian Paterman, organisiert. Auf Initiative des Vereins BIOS-Science Austria wurden erste Schritte gesetzt, schlussendlich wurde die Strategie im März im Nationalrat verabschiedet. Eckpunkte für einen konkreten Aktionsplan wurden im Juni im Rahmen eines Workshops erarbeitet.

Er sei "sehr froh, dass es die Strategie gibt", so Gerzabek, der auch im Rahmen von BIOS-Science Austria einer der Hauptinitiatoren dazu war. Nun seien alle wichtigen politischen Akteure an Bord, trotzdem ist man in Deutschland bereits ein gutes Stück weiter. Die dortige Strategie habe einen Finanzierungspfad, "der im Milliarden-Bereich angesiedelt ist", so Gerzabek, der seit kurzem als Präsident der Christian Doppler-Gesellschaft (CDG) fungiert. Auch im Alpbacher Plenum werden mehrere Experten aus Deutschland ihre Sicht der Dinge darlegen.

Die österreichische Strategie hat zwar auf sich warten lassen. Er habe aber mittlerweile etwa auch von Christian Patermann die Rückmeldung erhalten, dass das nunmehrige Papier das bisher beste seiner Art sei. Mit zahlreichen einschlägig arbeitenden Unis und Forschungsinstitutionen stehe die Bioökonomie in Österreich auch auf einem guten Forschungs-Boden. Wichtig sei, dass der Fokus nicht nur auf der Land- und Forstwirtschaft liege, sondern u.a. auch der Klimaschutz oder die ländliche Entwicklung beachtet werden.

Bioökonomie-Modellregionen nötig

"Wir sollten besonders darauf schauen, dass wir benachteiligte Regionen mit einbeziehen", sagte Gerzabek. Eines der größten Probleme vieler Gegenden sei das Fehlen hochqualitativer Arbeitsplätze und Wertschöpfung, obwohl diese oft in der land- und forstwirtschaftlichen Produktion stark sind. Hier bräuchte es "dezentrale Bioraffinerien", mit denen vor Ort jene Biomasse in Grundstoffen für die chemische Industrie verarbeitet oder etwa höherwertige Futtermittel hergestellt werden können, die bisher einfach verbrannt wird. "Hier gibt es unglaublich viele Möglichkeiten und Ideen", zeigte sich Gerzabek überzeugt.

Das ergebe letztendlich Wirtschaftssysteme mit relativ kurzen und daher umweltfreundlichen Wegen und hoher Wertschöpfung. Konkret bräuchte es mittelfristig die Einrichtung von Bioökonomie-Modellregionen mit fixer Finanzierung und Verbindung in Richtung Forschung und Entwicklung (F&E). "Ich glaube, wir haben großes Potenzial, das von der Wissenschaftsseite zu unterstützen und auch tolle Betriebe, die schon sehr viel können", so Gerzabek.

Dass aktuell die Auswirkungen des Klimawandels stark spürbar sind, zeige auch, wie wichtig die Verbindung der Bioökonomie mit dem Nachhaltigkeitsgedanken sei. Dabei dürfe es sich nicht um ein "Verzichtskonzept" handeln, laut dem Wissenschafter sollte es vielmehr als Entwicklungskonzept mit ökonomischen Mehrwert für die Regionen betrachtet werden.

Service: https://www.bioeconomy-austria.at/

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