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"Farm-to-Fork"-Strategie - Umwelt-NGOs registrieren lückenhafte Pläne

20.05.2020

Um einiges kritischer äußerten sich Umweltschutzorganisationen zu den Empfehlungen. Laut Greenpeace blende die EU-Strategie etwa den "Klimakiller Massentierhaltung" aus, durch die auch die Zerstörung von Urwäldern vorangetrieben werde. Konträre Kritik kam von den Pflanzenschutzmittel-Herstellern: Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) ortete "ein falsches Signal in Zeiten der Krise".

"Solange die Europäische Kommission keinen Plan zur Reduktion der europäischen Massentierhaltung vorlegt, ist es unmöglich, die Ziele im Bereich Klimaschutz und Artenschutz zu erreichen", teilte Sebastian Theissing-Matei mit, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. Global 2000 wies hingegen auf die Notwendigkeit eines grundlegenden Systemwandels hin, der die Landwirtschaft "aus ihrer Abhängigkeit von chemischen Hilfsmitteln wie chemisch-synthetischen Pestiziden befreit", daher sei das Reduktionsziel der EU unausreichend.

"Die Kontrolle von Schädlingen ist eine Ökosystemleistung, die nur dann abrufbar ist, wenn die nötigen Strukturen geschaffen werden, um die biologische Vielfalt samt Nützlingen in das Agrarökosystem zurückzuholen.", sagte Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker der NGO - man müsse das Gift aus dem System entfernen.

Nachhofbedarf bei Finanzierung

Hinsichtlich der Finanzierung der Strategie sieht der WWF noch großen Nachholbedarf. "Die bisher genannten Summen reichen nicht annähernd aus. Dafür sind die Probleme der Klima- und Biodiversitätskrise viel zu groß", warnte WWF-Sprecherin Hanna Simons. Eine große Lücke sei auch die fehlende konkrete Verpflichtung zum Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten begrüßte die Ankündigung, EU-Recht zu Tiertransporten zu überarbeiten, dass die ursprünglich in der Strategie enthaltene Empfehlung zur Reduktion des Fleischkonsums in der Letztversion rausgeflogen ist, kritisiert Direktorin Eva Rosenberg scharf. "Hier scheint die Fleischindustrie erfolgreich interveniert zu haben", so Rosenberg. Greenpeace in Brüssel hielt fest, dass der in einem Entwurf vorgesehene Stopp für EU-finanzierte Fleischwerbung nicht in der veröffentlichten Version enthalten sei und führt dies ebenfalls auf Lobbying zurück.

Arche Noah, die Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt, fehlen konkrete Maßnahmen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. "Wir freuen uns, dass die EU-Kommission die zentrale Rolle von Saatgut in beiden Strategien anerkennt - leider folgen aus dieser Erkenntnis noch keine konkreten Maßnahmen", bedauert Dagmar Urban von Arche Noah. "Die Situation bleibt angespannt: Das Recht auf Saatgut wird aufgrund der Patentierung von Pflanzen gefährdet und regionale, nicht standardisierte Sorten werden weiterhin in bürokratische Nischen verdrängt."

Die Pflanzenschutzmittel-Hersteller wünschen sich hingegen eine stärkere Förderung von Innovation denn eine Verschärfung der Regeln. Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) sieht in der "Farm to Fork"-Strategie "ein falsches Signal in Zeiten der Krise". "Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die europäische Landwirtschaft darin unterstützt werden sollte, eine Eigenversorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Dazu bedarf es vor allem Maßnahmen im Sinne einer höheren Krisenresilienz", so Christian Stockmar, Obmann der IGP.

Die Innovation komme als ein wesentlicher Faktor zu kurz, heißt es in einer Aussendung. So habe dank verbesserter Formulierungen und Wirkstoffe die ausgebrachte Wirkstoffmenge pro Hektar sukzessive reduziert werden können. "Reduktionsziele werden von den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln zwar grundsätzlich im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes begrüßt, diese sollten aber wissenschaftsbasiert und realistisch sein und durch ein Impact Assessment gestützt werden", forderte die IGP.

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