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"Farm-to-Fork"-Strategie - Uneinige Reaktionen der EU-Parlamentarier

20.05.2020

Unterschiedliche Stimmen waren aus der österreichischen EU-Delegation im Europaparlament zum "Farm-to-Fork"-Plan zu hören. Die ÖVP-EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber und Simone Schmiedtbauer sind der Ansicht, dass neue Maßnahmen für die Landwirtschaft im Rahmen des Green Deals "realistisch" sein und finanziell abgegolten werden müssen. SPÖ, Grüne und NEOS begrüßten die Strategie mit Vorbehalten.

"Die Hauptlast des Klimaschutzes darf nicht von der Landwirtschaft getragen werden", teilten die Europaparlamentarier mit. Der ÖVP-EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber schlug in dieselbe Kerbe und forderte "innovative und wirksame Ansätze der EU-Kommission, die alle Sektoren in die Pflicht nehmen".

Forschungsstrategie für wirksame Alternativen zu Umweltgiften nötig

Der SPÖ-EU-Abgeordnete Günther Sidl begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission, sieht aber noch Verbesserungsbedarf. "Hochrisiko-Pflanzengifte sollten aber überhaupt keine Zulassung mehr bekommen", rät Sidl. Darüber hinaus brauche es in der EU eine Forschungsstrategie für wirksame Alternativen zu herkömmlichen Umweltgiften, damit auch "die Landwirtschaft endlich ein konstruktiver Partner" sein werde. "Bereits in den letzten Jahren hat die Agrar-Chemie-Lobby wirksame Maßnahmen immer wieder verzögert", so der EU-Abgeordnete. "Leider sind wir immer noch davon entfernt, das Bienensterben in Europa zu stoppen. Dabei hängen 84 Prozent der Pflanzenarten und ein Großteil der Lebensmittelerzeugung von der Bestäubung durch Bienen ab."

Die EU-Abgeordnete Sarah Wiener begrüßte die "ambitionierten Vorschläge der Kommission" und forderte deren konsequente Umsetzung. "Die Corona-Krise ist ein Aufschrei für mehr Artenschutz, Artenschwund ein Treibstoff für Pandemien", so Wiener. "Der Schritt der EU-Kommission hin zu weniger Pestiziden auf den Feldern ist richtig, jetzt muss die EU-Kommission Hochrisikopestizide wie Neonicotinoide aus dem Verkehr ziehen." Die Reduzierung der Antibiotikanutzung in der Tierhaltung sei ein wichtiger Schritt, um Resistenzen in Zukunft zu vermeiden. Wiener freute sich zudem, seit dem heutigen Tag Schattenberichterstatterin der Grünen für die "Farm-to-Fork"-Strategie im Umweltausschuss zu sein.

Die NEOS teilten ebenfalls mit, "über die klaren Ziele der 50 Prozent Reduktion beim Pestizideinsatz sowie der 50 Prozent beim Düngemitteleinsatz" erfreut zu sein. "Extrem wichtig ist, gerade im Kontext der Seuchenvermeidung, die Reduktion des Einsatzes von Antibiotika um das Risiko von Resistenzen zu verringern", hieß es in einer Aussendung. Wichtig wird auch ein "langfristiger Wandel der Esskultur" angesehen, "hin zur Förderung von gesunden, qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln".

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