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Von grundlegenden Themen wie "Algorithmen" bis zu ethischen Fragen © Springer 2019
Von grundlegenden Themen wie "Algorithmen" bis zu ethischen Fragen © Springer 2019

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Forscher und Studenten zeigen in neuem Buch "Wie Maschinen lernen"

29.11.2019

Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der großen Themen unserer Zeit. Zwar wird das Buzzwort oft ventiliert, doch nicht jeder, der es mehr oder weniger gelassen ausspricht, könnte es auch erklären. Forscher und Studenten tun das nun gemeinsam unter dem Titel "Wie Maschinen lernen" in Buchform. Ko-Herausgeber Christoph Lampert ortet viel Bedarf für ein "alltagsverständliches Einführungsbuch".

Von der Verheißung der automatischen Erledigung unliebsamer Tätigkeiten durch "intelligente" Systeme, über das freihändige Fahren und die ultimativ passende musikalische Playlist bis zur Angst vorm Obsoletwerden des eigenen Jobs oder gar vor dem ums Eck wartenden "Terminator" reichen Bilder, die mit KI, Maschinellem Lernen oder Deep Learning verbunden sind. Mehr Wissen könnte den mitunter recht emotional geführten Debatten durchaus gut tun, so vielfach der Eindruck.

Für den Einstieg müsse man auch bei weitem kein Experte sein, denn die grundlegenden Mechanismen seien gar nicht schwer zu verstehen, so der am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) tätige Lampert vor Journalisten in Wien. Auch bei weitem nicht alle der 25 Studenten, die im Rahmen des von der Studienstiftung des deutschen Volkes unterstützten Buchprojekts im Tandem mit Wissenschaftern zu Autoren wurden, hatten davor umfassendes Vorwissen über KI und Co.

Verzicht auf Fachbegriffe und Formeln

Die Herausforderung für das Buch war, möglichst auf Fachjargon und Formeln zu verzichten und die Erklärungen trotzdem nicht zu verwässern. "Wir haben versucht, einen Mittelweg zu finden", sagte Lampert, der darauf hinwies, dass es bisher kein derartiges Sachbuch auf Deutsch gebe. Als Hauptperson in "Wie Maschinen lernen" fungiert die Studentin Lisa, die mit verschiedenen mehr oder weniger alltäglichen Situationen und Problemen konfrontiert ist, die mit dem Themenkreis zu tun haben.

So geht es von grundlegenden Themen wie "Algorithmen", "Daten" oder "Maschinelles Lernen" langsam in Richtung mathematischer Methoden oder um die momentan so präsenten "Künstlichen neuronalen Netzwerke" bis zu ethischen und gesellschaftlichen Fragen. Auch wenn all das in eher jugendlicher Sprache ausgeführt wird, "ist die Zielgruppe im Prinzip jeder, der sich auf einem gewissen Niveau von logischem Denken damit beschäftigen will", sagte Lampert, der am IST Professor für Computer Vision und Machine Learning ist.

"Was vor und hinter den Kulissen passiert"

Auch abseits der größeren philosophischen und gesellschaftspolitischen Fragen, die alleine schon der Terminus "Künstliche Intelligenz" mit sich bringt, täte eine Auseinandersetzung mit dem gut, was sich schon seit geraumer Zeit etwa im Bereich der personalisierten Werbung tut. Hier handelt es sich um den kommerziell mit Abstand größten Anwendungsbereich mit weltweiten Jahresumsätzen rund um 350 Milliarden Dollar. Alleine in Österreich geht man laut Lampert von einem derzeitigen Marktvolumen von rund einer Milliarde Euro aus. Der Rohstoff dafür sind Daten über das Verhalten von realen Menschen im Internet, anhand derer Systeme maschinell lernen.

Mehr Mündigkeit im Umgang mit Daten und eine ungefähre Vorstellung davon, "was vor und hinter den Kulissen passiert", wäre laut Lampert daher wünschenswert. Sehr viele Menschen benützten das Internet momentan ein wenig nach dem Motto "das ist mein Gerät", aber die Mechanismen der Vernetzung dahinter seien meistens unbekannt, auch weil man sie nicht sieht. Ein gewisses Verständnis dafür, wie Algorithmen funktionieren und wie sie aus diesen ungeheuren Datenmengen sehr spezifische Schlüsse ziehen, würde hier helfen. Ein Stück weit brauche es einfach Bewusstsein dafür, "dass ein Computer keine magische Kiste ist".

Davon ist auch KI noch weit entfernt, so der Experte. Ein System, das tatsächlich so weit entwickelt und flexibel ist, um sich autonom neuen Problemen zuzuwenden und vielleicht sogar eine Art Bewusstsein entwickelt, ist für Lampert noch tief im Bereich der Science Fiction anzusiedeln. Auch Visionen in Richtung einer künstlichen "generellen Intelligenz" oder "starken KI", die mitunter etwa von den Schöpfern der ob ihrer Go- und Schachfähigkeiten aufsehenerregenden Google-Software AlphaZero auch in wissenschaftlichen Arbeiten in den näheren Zukunftsraum gestellt werden, sieht der KI-Experte skeptisch. Hier werde momentan vieles versprochen - auch mit eindeutigen Marketing-Hintergedanken.

Service: Kristian Kersting, Christoph Lampert, Constantin Rothkopf (Hrsg.): "Wie Maschinen lernen", Springer Verlag, 259 Seiten, 20,55 Euro

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