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126 Forststraßen-Abschnitte in unterschiedlichen Höhenlagen untersucht © APA
126 Forststraßen-Abschnitte in unterschiedlichen Höhenlagen untersucht © APA

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Forststraße als verstecktes Ökosystem

02.04.2020

Schon länger bestehende Forststraßen in Wirtschaftswäldern haben sich in einer Studie als verstecktes Ökosystem entpuppt. Die Böschungen und Grünstreifen entlang der Wege dienen als Rückzugsort für zahlreiche gefährdete Arten, zeigt ein Naturraummanagement-Projekt der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), wie diese in einer Aussendung mitteilten.

In dem Projekt haben Experten der Bundesforste gemeinsam mit Zoologen, Botanikern und Biostatistikern drei Jahre lang Begleitstreifen und Böschungen von 126 Forststraßen-Abschnitte auf einer Länge von jeweils 100 Metern in fünf Regionen Österreichs in unterschiedlichen Höhenlagen wissenschaftlich untersucht. "Zu unserer Überraschung entdeckten wir entlang der Waldstraßen ein perfekt eingespieltes Ökosystem, das bis jetzt noch kaum erforscht war", so ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager. 172 verschiedene Tierarten, von denen 48 auf der Roten Liste stehen, sowie 70 teils regional gefährdete bzw. geschützte Pflanzenarten wurden dabei dokumentiert.

Mehr Licht als im Wald

Viele gefährdete Insektenarten würden an den Böschungen mehr Licht und Wärme als in den angrenzenden Wäldern finden. Das begünstige vor allem licht- und wärmeliebende Schmetterlinge und Heuschrecken. So wurden die zehn häufigsten heimischen Schmetterlingsarten wie der C-Falter viermal so oft wie im angrenzenden Wald gesichtet. Auch gefährdete Exemplare wie der Feurige Perlmuttfalter wurden deutlich öfter nachgewiesen. Einige gefährdete Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Italienische Schönschrecke und mehrere Arten von Dornschrecken wurden ausschließlich entlang der Forststraßen und nicht im umgebenden Wald angetroffen.

Gefährdete Amphibien wie Grasfrosch oder Bergmolch profitieren der Studie zufolge von den kleinen Lacken in den Straßengräben und legen dort ihre Eier ab. Von den schützenswerten Pflanzen wachsen zum Beispiel Arnika, verschiedene Bärlapp-Arten, Schwalbenwurz-Enziane oder auch Schneerosen entlang der Wege.

Auch negative Beeinflussung festgestellt

Die Studie habe aber auch aufgezeigt, dass Arten durch Forststraßen negativ beeinflusst werden können. Die Wege können etwa für Kleinorganismen des Waldbodens wie Schnecken oder Weberknechte ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Als Beispiel wird etwa der in Österreich stark gefährdete Schneckenkanker, der zur Gruppe der wenig mobilen Bodenstreubewohner zählt, durch Forststraßen beeinträchtigt.

Um Maßnahmen dagegen zu setzen und den Lebensraum entlang von Forststraßen optimal zu gestalten haben die Bundesforste eine neue Broschüre "Aktiv für biologische Vielfalt an Forststraßen" veröffentlicht. Sie enthält Informationen zu Artenvielfalt und gibt Praxistipps zum achtsamen Umgang mit der Natur entlang der Forststraßen.

Service: Die Broschüre kann unter www.bundesforste.at/publikationen kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden.

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