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Der Weiße Hai ist einer der Top-Räuber der Weltmeere © APA (AFP)
Der Weiße Hai ist einer der Top-Räuber der Weltmeere © APA (AFP)

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Fossiler Kindergarten des Weißen Hais entdeckt

22.05.2020

Weiße Haie sind lebendgebärend und bringen ihre Jungen in speziellen Aufzuchtgebieten zur Welt, wo sie vor anderen Räubern geschützt heranwachsen können. Wissenschafter des Instituts für Paläontologie der Universität Wien haben nun den ersten derartigen fossilen Kindergarten des Weißen Hais in Chile entdeckt, wie sie im Fachjournal "Scientific Reports" berichten.

Mit einer durchschnittlichen Länge zwischen drei und sechs Metern und einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen zählt der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) zu den Top-Räubern der Weltmeere. Dennoch gilt er als vom Aussterben bedroht. Neben der Verfolgung durch den Menschen zählen sein sehr langsames Wachstum und seine späte Reproduktion mit nur wenigen Nachkommen zu den Gründen dafür.

Aus diesem Grund wurde in den vergangenen Jahren die Suche nach den Kinderstuben der Weißen Haie verstärkt, um die Rückgänge der Art durch entsprechende Schutzmaßnahmen einzudämmen. Denn diese Aufzuchtgebiete, wo die Tiere so lange bleiben, bis sie keine natürlichen Feinde mehr fürchten müssen, sind wesentlich für die Aufrechterhaltung stabiler und reproduzierbarer Populationsgrößen, haben direkten Einfluss auf die räumliche Verteilung von Populationen und sichern das Überleben und den evolutionären Erfolg von Arten, betonen die Wissenschafter in einer Aussendung der Uni Wien.

Körpergrößen variieren stark

Das Wissen über diese "Kindergärten" des Weißen Hais sei jedoch noch sehr begrenzt, erklärte Jaime Villafaña, der mit Jürgen Kriwet die Untersuchung durchgeführt hat. Und Urzeit-Kinderstuben waren bisher noch völlig unbekannt. Die Paläontologen der Uni Wien haben in ihrer Arbeit fünf bis zwei Millionen Jahre alte fossile Zähne des Weißen Hais von mehreren Fundorten entlang der Pazifikküste Chiles und Perus statistisch untersucht. Sie wollten damit die Körpergröße der Tiere in der Vergangenheit rekonstruieren.

Es zeigte sich, dass zur damaligen Zeit die Körpergrößen entlang der südamerikanischen Pazifikküste erheblich variierten. So gab es in einer Fundstelle in Coquimbo im Norden Chiles den höchsten Anteil an Jungtieren, aber den niedrigsten Prozentsatz an "Teenagern". Geschlechtsreife Tiere fehlten völlig. Für die Wissenschafter handelt es sich dabei um die erste unzweifelhafte Paläo-Kinderstube des Weißen Hais.

Der Hai-Kindergarten stammt aus einer Zeit, als das Klima wesentlich wärmer war als heute. Daher könne man diese Zeit als Analogie zu der zu erwartenden Klimaerwärmung in der Zukunft betrachten. "Wenn wir die Vergangenheit verstehen, wird es leichter möglich sein, heute entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um das Überleben dieses für die Ökosysteme wichtigen Spitzenräubers zu gewährleisten", so Kriwet.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich durch die steigenden Temperaturen der Meeresoberfläche Aufzuchtgebiete der Haie verschieben werden. Dies hätte direkten Einfluss auf die Populationsdynamik des Weißen Hais und würde sich auch auf seinen evolutionären Erfolg in der Zukunft auswirken.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41598-020-65101-1

Gebisse eines heutigen und eines fossilen Weißen Hais

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