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Greenpeace: Industrielle Tierhaltung blinder Fleck der EU-Kommission

20.05.2020

Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist der blinde Fleck der EU-Kommission in ihrer "Farm-to-Fork" genannten künftigen Lebensmittel- und Landwirtschaftsstrategie die industrielle Tierhaltung. Die EU-Behörde in Brüssel will am Mittwoch zwei wegweisende Papiere im Rahmen des "Green Deal" präsentieren, die sich mit dem europäischen Lebensmittelsystem und der Biodiversität beschäftigen.

Für Greenpeace zeichnet sich aber bereits ab, dass die EU-Behörde in Brüssel das aus ihrer Sicht "größte umweltpolitische Problem im Ernährungs- und Agrarbereich", die "massive Überproduktion von Fleisch in industrieller Massentierhaltung mit katastrophalen Auswirkungen auf Tier, Mensch und Klima", nicht anspricht. Um das Lebensmittelsystem umweltschonender zu machen, müsse jedoch eine Strategie eine Reduktion der Tierhaltung in Europa beinhalten.

"Es ist inzwischen wissenschaftlich vielfach belegt, dass der Überkonsum von Fleisch, Milch und Eiern schlecht für unser Klima und schlecht für unsere Gesundheit ist", heißt es in einer Aussendung der Umweltschutzorganisation von Dienstag. Zudem litten Nutztiere unter den schlechten Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung.

Fleischverzehr doppelt so hoch wie empfohlen

Greenpeace führt auch als Argument an, dass die Nutztierhaltung ineffizient sei. Den Tieren müssen deutlich mehr Kalorien gefüttert werden, als sie schließlich selbst in Form etwa von Fleisch wieder bereitstellen. Wenn pflanzliche Lebensmittel direkt für Menschen produziert werden und nicht als Futtermittel für Tiere, sei dies ressourcenschonender. In der Europäischen Union essen laut der Umweltschutzorganisation Menschen im Schnitt doppelt so viel Fleisch wie gesundheitlich maximal empfohlen, in Österreich sind es im Schnitt dreimal so viel.

71 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU werden demnach für Tierfutter verwendet. Gleichzeitig bestehe eine hohe Abhängigkeit von importierten Futtermitteln wie Soja, für deren Anbau oft Regenwald abgeholzt werde, so Greenpeace. Dies fördere den Klimawandel.

Der Umweltschutzorganisation zufolge gehen zwischen 28 Milliarden und 32 Milliarden Euro der europäischen Agrarsubventionen jährlich an Tierhaltungsbetriebe oder Betriebe, die Futtermittel für Tiere erzeugen. Das sind 69 bis 79 Prozent aller EU-Agrar-Direktzahlungen bzw. 18 bis 20 Prozent des gesamten EU-Budgets.

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