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Nowotny: "Menschheit soll Mittelweg finden" © IST Austria
Nowotny: "Menschheit soll Mittelweg finden" © IST Austria

Kooperationsmeldung

Helga Nowotny: Die Zukunft mit weniger Hochmut gestalten

01.03.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem Institute of Science and Technology (IST) Austria

Die Menschen sind an einem kritischen Punkt in ihrer Evolution angelangt, erklärte die Wiener Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny APA-Science im Vorfeld eines Vortrags am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg. Durch ihre kulturelle Evolution haben sie die biologische überrannt. Dadurch veränderten sie die Erde massiv und bringen sie nahe an diverse "Kipp-Punkte".

"Wir sind heute weiter, als uns die biologische Evolution alleine erlauben würde und sind nun in einer besonderen Phase unserer Entwicklung angelangt", sagte sie. Die Menschen haben die Erde so stark geprägt, dass man deswegen ein neues geologisches Zeitalter ausruft: das Anthropozän. "Aus meiner Sicht ist die größte Herausforderung nun, mit den unbeabsichtigten Folgen unseres Handelns zurechtzukommen", so Nowotny: "Darin sind wir nicht besonders gut, weil wir diese nicht voraussehen können und teilweise auch nicht wollen".

Ein Blick auf die Evolution "von innen"

Außerdem stünde die Menschheit, die die einzige Spezies ist, die "die Evolution von innen her betrachten kann" inmitten der Digitalisierung, die ihr Leben spürbar verändert hat und dies weiterhin tun wird. Selbst die Experten seien sich uneins, wohin sie führen wird. "Die einen projizieren: Alles wird wunderbar und die vierte industrielle Revolution (Anm.: die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion) wird uns alle beglücken, andere warnen vor einem Überwachungskapitalismus", erklärte die Forscherin. Sowohl die Medien als auch die Wissenschafter würden hier rege spekulieren, doch was die Zukunft wirklich bringt, sei natürlich unbekannt.

Ihrer Meinung nach solle die Menschheit einen goldenen Mittelweg finden. "Wir müssen uns hüten, in Hybris, also Hochmut zu verfallen, und es täte uns gut, wenn wir uns bescheidener verhalten", sagte Nowotny. Außerdem sollte man mehr Augenmerk darauf legen, die digitalisierten Algorithmen als nützliches Werkzeug zu nutzen und nicht ihr Diener werden.

Auch nüchterne Algorithmen haben Makel

Genau so wie alles andere auf der Welt, seien auch die nüchternsten Algorithmen mit Fehlern behaftet, und man müsse damit umgehen lernen. Dass sie sich beim "maschinellen Lernen" (machine learning) selber weiterentwickeln und optimieren, sei gut und schön, aber um diese Prozesse besser zu verstehen, müsse man sich mehr mit den Ursachen und Wirkungen beschäftigen, erklärte sie: "Das erfordert zum Beispiel eine ganz neue Mathematik".

Service: Helga Nowotny spricht am Mittwoch, den 6. März, um 17 Uhr am IST Austria über "Einen bescheidenen Blick auf die Evolution von innen heraus: Wie wir uns die digitale Zukunft vorstellen" (A humble view from inside evolution: imagining our digital future). Informationen und Anmeldung unter: http://go.apa.at/d9LlwJq9

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