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Impakt-Experte Köberl hegt Zweifel an angeblichem Grönland-Krater

16.11.2018

Zweifel an einem kilometergroßen Einschlagkrater unter Grönlands Eisdecke, den ein Team um dänische Wissenschafter entdeckt haben will, hegt der Impakt-Experte und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Christian Köberl. Für ihn gibt es "einiges an Überinterpretation und viele Widersprüche", erklärte er gegenüber der APA.

Forscher um Kurt Kjaer vom Zentrum für GeoGenetics am Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen berichteten im Fachjournal "Science Advances" von einem 31 Kilometer großen Einschlagkrater unter dem Eisschild Grönlands. Eine 2015 am äußersten Rand der Eisdecke entdeckte kreisförmige Vertiefung und Eisradar-Aufnahmen aus dem Flugzeug bestätigten für die Wissenschafter die Struktur eines Einschlags. Zudem verwiesen sie auf aus dem Krater gespülten Quarzsand, der die für einen Einschlag typische Deformationsmerkmale aufwies.

Für Köberl zeigen nur auf Fernerkundung basierende Untersuchen nichts anderes als die mögliche Existenz einer kreisähnlichen Struktur unter dem Gletscher, "von einem Nachweis eines Einschlagkraters unter dem Eis zu sprechen, ist schlichtweg falsch". Welcher Natur die Struktur sei, könne man ohne Untersuchungen der Gesteine nicht nachweisen. Die Existenz einzelner loser Gesteinsstücke mit möglichen geschockten Quarzen als Beweis für einen Einschlag anzunehmen, "ist mehr als gewagt". Man könne nicht wissen, wo das Gestein genau herkomme, eine eindeutige Zuordnung sei keinesfalls möglich.

Die Wissenschafter betonten, dass sie den unter einem Kilometer Eis liegenden angeblichen Krater bisher nicht datieren konnten, vermuteten aber, dass er aus geologischer Sicht recht jung und möglicherweise erst vor 12.000 Jahren entstanden sein könnte. Für Köberl müsste ein so frischer Krater einerseits noch thermale Anomalien aufweisen. Andererseits fehle der für alle Krater mit einem größeren Durchmesser als vier Kilometer typische Zentralberg oder innere Ring. "Ein so junger Krater müsste erhebliche topographische Veränderungen zeigen, was sich am darüberliegenden Eis aber nicht abzeichnet", sagte der Impakt-Experte. Zudem müsste es bei einem jungen Krater dieser Größe fünf bis zehn Kraterdurchmesser entfernt die sogenannte "proximale Auswurflage" geben, die viele hundert Meter dick wäre - "aber die gibt es nicht".

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