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Wälder konnten sich wieder natürlich entwickeln © APA (dpa)
Wälder konnten sich wieder natürlich entwickeln © APA (dpa)

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Keine Forstwirtschaft: Buche im Nationalpark Kalkalpen am Vormarsch

28.11.2019

Die Buche holt sich im Nationalpark Kalkalpen ihren natürlichen Lebensraum zurück, die Fichte verliert an Terrain. Das zeigt eine Studie der Österreichischen Bundesforste und der Nationalparkverwaltung. Das Tempo, mit dem sich Wirtschaftswälder wieder in eine Wildnis verwandeln, überrascht selbst Experten. Eine Rolle spielt dabei auch der Klimawandel, der noch weitere Veränderungen bringen dürfte.

Seit der Gründung des Nationalparks 1997 haben sich die Wälder dort wieder natürlich entwickeln können. Um festzustellen, welche Auswirkungen das auf die Artenzusammensetzung hat, wurde eine umfassende Waldkartierung in der knapp 21.000 Hektar großen und etwa 30 Baumarten zählenden Wald-Wildnis durchgeführt. "Durch das detaillierte historische Datenmaterial ist es gelungen, die natürliche Metamorphose zur Wildnis im Nationalpark genau nachzuvollziehen", schilderte Nationalpark-Direktor Volkhard Maier erfreut.

Binnen 20 Jahren, in denen nicht mehr aufgeforstet wurde, ist der Anteil der Fichte von 49 auf 45 Prozent gesunken. Auch die Lärchen werden weniger. Im Gegenzug erobert die Rotbuche ihren natürlichen Lebensraum zurück. Sie hat mittlerweile einen Anteil von 38 Prozent am Baumbestand, vor 20 Jahren waren es 31 Prozent. Diese Tendenz entspreche den natürlichen Verhältnissen, sagte Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste. "In ein paar Jahrzehnten wird die konkurrenzstarke Rotbuche zulasten von Fichte und Lärche noch weiteren Boden gutmachen und die Hauptbaumart im Nationalpark-Wald werden", prognostizierte er. Der Buche traut man sogar 50 bis 60 Prozent zu, da sie, was Boden und Klima betrifft, optimale Bedingungen vorfindet.

Anteil an Weißtannen unter einem Prozent

Schwer tut sich noch die heimische Weißtanne, die weniger als ein Prozent Anteil hat: Sie sollte von Natur aus in der Nationalparkregion zumindest zehnmal so häufig vorkommen. Dass sie dennoch so selten ist, hängt damit zusammen, dass junge Tannen nur im Schatten alter Bäume wachsen können. Verursachte in früheren Jahrhunderten die Holztrift großflächige Kahlschläge, so entstehen heute durch den Klimawandel - etwa durch Sturmschäden - große Schad-Flächen, hieß es bei den Bundesforsten. Diese sind der Tanne zu offen, sie kann dort nicht an Boden gewinnen.

Generell spielt der Klimawandel laut Bundesforsten eine Rolle bei der überraschend schnell voranschreitenden Metamorphose des Waldes: Denn Wetterextreme sorgen für Windwurf oder Schneebruch, dadurch entstehen freie Flächen, an denen das Licht den Boden erreicht. Das wiederum fördert den natürlichen Nachwuchs der Rotbuche, die im Gegensatz zur Weißtanne von dieser Situation profitieren kann.

Experten gehen zudem davon aus, dass sich bei einer Erwärmung der Jahresdurchschnittstemperatur um 2,5 Grad die Vegetationsgürtel um 400 bis 700 Meter nach oben verschieben können. Dann würde sich die Rotbuche auch in höheren Lagen weiter ausbreiten. Auch Baumarten wie Eiche, Hainbuche oder Kiefer, die bis dato nur vereinzelt in den Nationalparkwäldern zu finden sind, würden vermehrt aufkommen. Die Fichte hingegen, die mit Trockenheit weniger gut zurecht kommt, würde weiter Lebensraum verlieren, so die Prognosen.

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