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Gämsen, die Hauptwildart im Nationalpark Hohe Tauern © Markus Lackner
Gämsen, die Hauptwildart im Nationalpark Hohe Tauern © Markus Lackner

Partnermeldung

Kitz, Geiß & Bock - Neues vom Gamswild in Heiligenblut!

14.06.2019

Das Gamswild ist die Hauptwildart im Nationalpark Hohe Tauern und das Wappentier der Kärntner Jägerschaft. Im Jahr 2013 wurde ein Forschungsprojekt mit dem Ziel gestartet, den Gamswildbestand in der Nationalparkgemeinde Heiligenblut am Großglockner zu erfassen und zu analysieren.

Das Projekt

Einer der Hintergründe für die Projektumsetzung lag und liegt in der Tatsache, dass das Gamswild im Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie angeführt ist und somit gilt es, den Erhaltungszustand dieser beeindruckenden Wildart regelmäßig nachzuweisen.

Ungeachtet der zahlreichen Detailfragen, die es im Projekt zu beantworten galt, können die wichtigsten Fragen im Wesentlichen zu drei Punkten zusammengefasst werden:

• Analyse des Ist-Zustandes des Gamswildbestandes in Heiligenblut hinsichtlich Dichte, Struktur, Lebensraumnutzung und Gesundheitszustand

• Analyse der Bejagung des Bestandes in der Vergangenheit und Auswirkungen auf den Ist-Zustand

• Erarbeitung von jagdlichen Maßnahmen um den Gamswildbestand über gezielte Abschussplanung erforderlichenfalls artgerecht strukturieren zu können

Methodik

Die Daten zum Gamswild stammen von jährlich durchgeführten Zählungen. Grundsätzlich wurde versucht, die Tiere während der Erfassung vor Ort, der im Bundesland Kärnten vorgegebenen Alterseinteilung, zuzuordnen. Aufgrund der großen Entfernungen war das nur teilweise umsetzbar. Die zählenden Jäger wurden angehalten, nur tatsächlich, hinsichtlich Geschlecht und Alter, ansprechbare Gämsen exakt zuzuordnen. Ansonsten waren Tiere nur nach Geschlecht oder als "nicht definierbar" in die vorgegebenen Zählblätter einzutragen.

Zusätzlich wurden für den Untersuchungszeitraum die Ergebnisse der Altersbewertung der erlegten Gämsen vom Hegering Heiligenblut zur Verfügung gestellt und für den Zeitraum von 1998 bis 2013 stammen die Daten von den Abschussmeldungen an die Kärntner Jägerschaft. Für Flächenberechnungen im Gebiet wurden Daten der ÖK und des KAGIS verwendet. Die Klimadaten stammen von verschiedenen Wetterstationen, welche von der ZAMG zur Verfügung gestellt wurden. Die Daten zum Raumverhalten lieferten besenderte Tiere, die in Lebendfallen gefangen wurden.

Ergebnisse

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Gamswildbestand im 19.000 ha großen Hegering Heiligenblut mit 1.250 Stück stabil ist, jedoch von den ca. 300 Kitzen im Durchschnitt nur 34 % das Jährlingsalter erreichen und es wesentlich mehr Geißen als Böcke gibt.

Die Größe der Streifgebiete hängt grundsätzlich von den darin verfügbaren Ressourcen ab. Das Gamswild in der Region Heiligenblut findet größtenteils alpine Lebensräume vor. Viele von ihnen bleiben ganzjährig über der Waldgrenze oder suchen nur unter widrigen Bedingungen Witterungsschutz im Wald. Insbesondere im Winter werden steile Areale aufgesucht, wo die Äsungsfläche durch kleinere Rutschungen des Schnees oder Lawinenabgänge leicht erreichbar ist. Zusätzlich ist das Freischlagen von Nahrung im steilen Gelände begünstigt.

Auch der Klimawandel wird dem Gamswild zukünftig zu schaffen machen. In den letzten Jahren sind hochgradige Parasitosen bereits in immer höheren Lagen feststellbar, was auf die steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen zurückgeführt wird. In diesem Zusammenhang kann Gamswild von Parasitenarten infiziert werden, mit denen sie sich seehöhenbedingt in Jahrtausende langer Koevolution noch nicht auseinandergesetzt haben. Dadurch ist die körperliche Abwehr gegen diese Parasitenarten noch nicht sehr effizient. Diesbezügliche Hinweise gibt es aus dem Projektgebiet.

Ruhegebiete

Der Nationalpark kann in den von ihm betreuten Revieren langfristig einen möglichst naturnahen Bestand aufbauen, die Böcke alt werden lassen und als Ruhezone einen Beitrag zum Wohlbefinden des Gamswilds in der Region leisten.

Die Studie "Entwicklung, Analyse und Zukunft des Gamswildes in Heiligenblut am Großglockner" können Sie hier http://www.parcs.at/nphtk/mmd_fullentry.php?docu_id=38036 downloaden.

Rückfragehinweis:
Klaus Eisank
nikolaus.eisank@ktn.gv.at
0664 6202 356
Aussender:
Elfriede Oberdorfer-Wuggenig, MBA
Öffentlichkeitsarbeit | Assistenz der Geschäftsführung 
Nationalpark Hohe Tauern | Nationalparkverwaltung Kärnten
Döllach 14 | 9843 Großkirchheim | Austria
Tel +43 (0) 4825 / 6161 - 812
Fax +43 (0) 4825 / 6161 - 16
Mobil +43 / 664 / 6202 395
E-Mail  elfriede.oberdorfer@ktn.gv.at
www.hohetauern.at
www.facebook.com/hohetauern

Gämse nach der Besenderung und kurz vor der Freilassung aus der Lebendfalle

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