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Junge Kune Kune können viel über ihr soziales Umfeld lernen © Vetmeduni Vienna
Junge Kune Kune können viel über ihr soziales Umfeld lernen © Vetmeduni Vienna

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Kune Kune-Ferkel lernen nachhaltig von Mutter und Tante

11.10.2017

Landläufig gelten Schweine zwar nicht unbedingt als besonders intelligente Tiere - das könnte aber daran liegen, dass bisher nicht so genau hingesehen wurde. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien fanden heraus, dass sich junge Kune Kune-Schweine rasch und nachhaltig Verhalten von ihrer Mutter oder Tante abschauen, wie es im Fachblatt "Animal Behaviour" heißt.

Kognitionsforscher des Messerli Forschungsinstituts an der Vetmed wollten in ihren Versuchen mit Jungtieren der neuseeländischen Schweinerasse herausfinden, ob die Ferkel für sie interessante, komplexe Handlungen älterer Verwandter verstehen und imitieren können. Da Schweine eigentlich äußerst soziale Tiere sind, gab es bereits Vermutungen, dass sie auch ein gewisses soziales Lernvermögen besitzen. Wissenschaftliche Studien dazu kamen jedoch zu unterschiedlichen Schlüssen, wie die Uni kürzlich mitteilte.

Die Forscher um Ludwig Huber interessierten sich für die sogenannte "vertikale Informationsweitergabe" - sprich, die Übertragung von Wissen zwischen Generationen. Dazu ließen sie einen Teil der Ferkel dabei zusehen, wie ihre Mutter oder Tante eine Futterkiste mit Schiebetür öffnete, um an für die Tiere attraktives Futter zu gelangen. Die Tür konnte mit dem Rüssel an drei Positionen - links, rechts oder in der Mitte - sowohl nach rechts als auch nach links geschoben werden.

Ferkel beobachten aufmerksam

Zwei Gruppen zu je sechs Ferkeln hatten die Möglichkeit zur Beobachtung. Eine dritte Gruppe versuchte sich an der Lösung, ohne vorher Hinweise zu bekommen. Dabei wurde klar, dass die Kleinen von der Mutter oder einer Tante vorgezeigte Aufgaben aufmerksam beobachten und anschließend selbst gezielt ausführen konnten. Die Kontrollgruppe ging hingegen nicht so strukturiert an die Aufgabe heran.

Am besten merkten sich die Ferkel die ideale Vorgehensweise sogar, wenn sie erst einen Tag nach der Beobachtung zur Tat schritten. Diese beachtliche Merkleistung wurde bisher erst selten bei Tieren beobachtet, berichten die Wissenschafter, für die sich daraus auch eine Neueinordnung der Schweine in der Kognitionsforschung aufdrängt.

Noch erstaunlicher war die Erkenntnis, dass jene Ferkel aus der Kontrollgruppe, die sich die passende Lösung sozusagen selbst erarbeiten mussten, auch ein halbes Jahr nach dem Erlernen die zielführende Strategie mühelos wieder anwenden konnten. "Das deutet auf ein gut funktionierendes Langzeitgedächtnis hin", sagte Huber.

Der Wissenschafter und sein Team vermuten, dass diese Fähigkeit durch die speziellen Lebensumstände der Tiere gefördert wird: "Es scheint, als hätte die Gruppenhaltung im Freiland und die dadurch mögliche Etablierung einer natürlichen Schweinegemeinschaft eine bestehende Anlage dieser Tiere für soziale Intelligenz zutage gefördert. Es wäre lohnend, die positiven Effekte des Lernens von älteren Tieren in Zukunft auch in der kommerziellen Schweinehaltung zu bedenken und bei zukünftigen Verbesserungen der Haltungsbedingungen zu berücksichtigen", so der Forscher.

Service: https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2017.08.004

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