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James L. Green sieht Suche noch ganz am Anfang © APA (Jäger)
James L. Green sieht Suche noch ganz am Anfang © APA (Jäger)

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NASA-Chefwissenschafter würde vor allem auf Europa nach Leben suchen

21.06.2018

Mars, Venus, die Saturn-Monde Enceladus und Titan sowie der Jupiter-Mond Europa sind die heißesten Kandidaten dafür, dass es Leben außerhalb der Erde in unserem Sonnensystem gibt bzw. gegeben hat. "Wenn wir nach komplexem Leben suchen, hätten wir meiner Meinung nach die besten Chancen auf Europa", sagte der neue Chef-Wissenschafter der NASA, James Green, vor Journalisten in Wien.

Europa sei von einer Eiskruste bedeckt unter der sich ein Ozean befindet, der wahrscheinlich zwei Mal so viel Wasser enthält wie es auf der Erde gibt, sagte Green, der im April zum NASA-Chef-Wissenschafter bestellt wurde und aktuell an einer Konferenz der in Wien ansässigen UNOOSA (United Nation Office for Outer Space Affairs) teilnahm. Durch Sprünge im Eis würden nicht nur Geysire, sondern regelrecht Wände von Wasser bzw. Wasserdampf emporschießen.

Die Eiskruste Europas bewege sich, ähnlich der Plattentektonik auf der Erde. "Der Mond ist ein lebender Körper und das seit 4,5 Mrd. Jahren. Wir glauben, dass er neben Wasser alle Grundbausteine für Leben besitzt, viel Zeit hatte und daher eine exzellente Chance existiert, dass er Leben beherbergen könnte - nicht nur einfaches, sondern auch komplexeres Leben", so Green, der im Naturhistorischen Museum Wien vor und mit Schülern sprach.

An der Grenzfläche zwischen Eis und Wasser

Für die Suche nach Leben auf Europa müsste man zunächst auf der Oberfläche landen, eine der Eisspalten hinunterklettern, schließlich zum Wasser gelangen und vor allem an der Grenzfläche zwischen Eis und Wasser nach Leben suchen - denn wie man aus der Antarktis wisse, liebe das Leben genau solche Zonen. Möglich wäre auch nach Leben zu lauschen, denn komplexe Organismen würde in irgendeiner Form Geräusche erzeugen, die sich im Wasser gut ausbreiten. Weil Jupiter sehr hell im Infrarot-Bereich strahle, könnte es auch sein, dass mögliches Leben im Ozean gelernt habe, dieses Licht wahrzunehmen, das die Eiskruste durchdringe, spekulierte Green.

Doch noch steht man ganz am Anfang bei der Suche nach Leben auf Europa. Für die frühen 2020er-Jahre plant die NASA die Mission "Clipper" zu dem Mond. Sie soll bei der Umkreisung des Jupiters Dutzende Male an Europa vorbeifliegen, mit hochauflösenden Kameras die Oberfläche erfassen und so auch nach möglichen Landestellen suchen. Weiters soll die Sonde durch die Wassereruptionen fliegen und die chemische Zusammensetzung des ausgeworfenen Materials analysieren. Und mittels Radar soll die Eisdicke bestimmt werden. Es gebe aber auch schon Konzepte für einen Lander, der auf der Oberfläche aufsetzt, und für U-Boot-Missionen zur Erforschung des Ozeans unter dem Eis. Es werde aber wahrscheinlich bis in die 2030er-Jahre dauern, bis man unter das Eis gelange.

Nachweis von Methan am Mars

Auch der Mars hat bei der Suche nach Leben immer wieder Überraschungen zu bieten. So habe man erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass der Rover "Curiosity" Methan nachgewiesen hat, das aus dem Boden strömt, und zwar vor allem während Frühling und Sommer, wenn sich der Planet erwärmt. Methan könne abiotisch entstehen, oder eben durch Leben. "Auf der Erde entstehen 95 Prozent des Methans durch biologische Vorgänge, es könnte also auch Grundwasser mit mikrobiellen Leben auf dem Mars geben", sagte Green.

Leben muss aber nicht unbedingt in der Form existieren, wie auf der Erde. Ein Kandidat für völlig andere Lebensformen ist der Saturn-Mond Titan - neben der Erde der einzige Himmelskörper im Sonnensystem mit Flüssigkeit auf der Oberfläche. Das ist aber nicht Wasser, sondern flüssiges Methan. Ein ganzes Wissenschaftsfeld beschäftigte sich mit der Frage nach sogenanntem "Weird Life", also einer völlig unterschiedlichen Art von Leben auf Basis von Methan als Lösungsmittel. Noch habe man aber keine Konzepte für solch neue Versionen von Erbsubstanz, oder wie ein Stoffwechsel bzw. Zellen aussehen könnten. "Auch wenn das völlig andere Bedingungen sind, gibt es Titan seit 4,5 Mrd. Jahren, wenn also Leben angefangen hat, gab es genug Zeit, dass es sich entwickelt", sagte Green.

Auch wenn man immer wieder von Kürzungen hört - zuletzt hat das Weiße Haus das Programm Carbon Monitoring System (CMS) zur Überwachung des Klimawandels gekürzt - ist Green mit dem Budget äußerst zufrieden: "In dieser Administration ist das Wissenschaftsbudget der NASA besser als es je war seit Apollo." Die Mittel für die Planetenwissenschaften seien von 1,5 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro) in der Obama-Ära auf 2,2 Mrd. Dollar gestiegen, bei den Erdwissenschaften gebe es keine Kürzungen, sondern einen kleinen Anstieg.

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