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Moderne Gletschermessung im Nationalpark Hohe Tauern © Nationalpark Hohe Tauern/Jurgeit
Moderne Gletschermessung im Nationalpark Hohe Tauern © Nationalpark Hohe Tauern/Jurgeit

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Nationalpark Hohe Tauern: Forschungsgeschichte als wichtige Basis für heutige Wissenschaft - Datenüberflutung die neue Herausforderung?

04.07.2019

Forschung hat in den Hohen Tauern eine lange Tradition. Die spektakuläre Hochgebirgslandschaft hat den Menschen schon seit jeher fasziniert und bereits vor mehr als 200 Jahren zu ersten naturwissenschaftlichen Studien angeregt. Der Großglockner hat zahlreiche Naturwissenschaftler wie Helmut Gams, David Heinrich Hoppe oder Sigismund von Hohenwart in seinen Bann gezogen - im Mittelpunkt der Forschung standen dabei die Vielfalt der Arten und Lebensräume im Hochgebirge. Heute ist es möglich innerhalb weniger Stunden auch noch so weit entfernte Ziele zu erreichen. Damals war die Expedition in die Hohen Tauern ein wagemutiges, langfristiges, aber auch gefährliches Abenteuer.

Doch viele der damaligen Pionierarbeiten der mutigen Forscher bilden die Grundlagen und liefern wichtige Vergleichsdaten für die heutige Forschung. Für den Nationalpark Hohe Tauern ist, um ein Beispiel zu nennen, die Vegetationskarte des berühmten Botanikers Helmut Gams (1893 - 1976) von 1936 vom Glocknergebiet von unschätzbarem Wert. Auf Basis dieser Karte können die Auswirkungen des Klimawandels und des Gletscherrückgangs auf die Pflanzenwelt im Vergleich mit heutigen Aufzeichnungen nachverfolgt werden. Die Gletschervermessungsarbeiten an der Pasterze von Ferdinand Seeland (1821 - 1901) lieferten von 1856 bis 1882 exakte Daten. Die nach ihm benannte Seelandlinie gilt als Referenzlinie für heutige Vermessungsarbeiten. Sigismund von Hohenwart (1745 - 1825) veröffentlichte 1792 eine umfassende Beschreibung der Natur des Großglocknergebietes, in der er auch einige neue Schmetterlingsarten aus den Hohen Tauern wie den Schillernden Mohrenfalter oder das Hochalpen-Widderchen beschrieb.

Obwohl weltweit fast zwei Millionen Tierarten bekannt sind, werden jedes Jahr weitere 10.000 neue Arten entdeckt. Wissenschaftler rechnen damit, dass es auf unserem Planeten insgesamt mehr als 10 Mio. gibt. Auch heute noch werden im Nationalpark Hohe Tauern laufend neue Arten entdeckt und Ergebnisse unter sorgsamer Prüfung in die Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern eingearbeitet.

Das Nationalparkgebiet hat Forscher verschiedenster Fachdisziplinen in seinen Bann gezogen und auch heute ist der Nationalpark ein Forschungsraum von unschätzbarem Wert. Insbesondere die großteils vom Menschen unberührte Natur ist für Forschende von zentralem Interesse, da sie Rückschlusse auf natürliche Entwicklungen im Schutzgebiet zulässt.

Wissenschaft per Definition ist die systematische Erweiterung des Wissens durch Forschung und Monitoring nach bestimmten inhaltlichen und methodischen Kriterien, dessen Weitergabe und der dafür benötigte organisatorische Rahmen. Für den Nationalpark Hohe Tauern bedeutet dies, die Gesamtheit der erworbenen, überprüfbaren und dokumentierten Erkenntnisse über die wesentlichen ökonomischen und sozioökonomischen Eigenschaften, dynamischen Prozesse und kausalen Zusammenhänge des Schutzgebietes und dessen Wechselwirkungen mit seinem Umfeld. Neben den unschätzbaren Daten der vergangenen 200 Jahre ist es nach dem Forschungskonzept 2020 des Nationalparks Hohe Tauern weiterhin notwendig, den Zustand und die natürliche Entwicklung und Veränderung im Gebiet zu verstehen, zu dokumentieren und somit die Grundlagen für die effektive Erhaltung und nachhaltige Entwicklung des Nationalparks zu liefern.

Umfassende Grundlagenforschung sowie Langzeit-Monitoring Programme sind auch heute das Basisgerüst der Wissenschaft im Nationalpark Hohe Tauern. Neben diesen Fachdaten und Schlussfolgerungen soll die Nationalpark Forschung aber auch zunehmend zur Problemwahrnehmung und Lösungskompetenz, Erfolgskontrolle und Methodenentwicklung beitragen.

Waren einst die Forscher mit Stift und Papier 'bewaffnet' und wochen- bzw. monatelang auf Mission, so unterstützen heute modernste Technologien die Forschenden bei ihren Erhebungen im Feld. Mittels Radarmessungen, hochauflösenden Luftbildaufnahmen, automatisierten Messungen mittels Dataloggern werden eine Vielzahl an Daten in kurzer Zeit generiert. War damals die Datensammlung ein zeitintensiver und körperlich anstrengender Prozess, so steht die Forschung heute durch die immensen Datenmengen wieder vor neuen Herausforderungen. Komplexe Datensammlungen und deren Analysen erfordern ein angepasstes Datenmanagement.

Auch ein Schutzgebiet wie der Nationalpark Hohe Tauern bleibt von der aktuellen Problematik zu den immer mehr werdenden Daten nicht verschont und stellt sich durch die Einführung eines systematischen Datenmanagements für den Forschungsbereich dieser Thematik. Vorhandene und v.a. neu hinzukommende Daten aus dem Schutzgebiet sollen und müssen auch in Zukunft langfristig erhalten und verwendbar (Datenformate) bleiben. Zentrale und vergleichbare Geodatenhaltung und die Entwicklung von Standards für eine zielgerichtete, systematische Datenerhebung, sind wichtige Schwerpunkte in der Forschungsarbeit des Nationalparks Hohe Tauern.

Rückfragehinweis:
Helene Mattersberger
Öffentlichkeitsarbeit
Ratssekretariat
Nationalpark Hohe Tauern
Kirchplatz 2
9971 Matrei i. O.
Tirol, Österreich
Tel.: +43 (0) 4875 5112 - 806892
Fax: +43 (0) 4875 5112 - 21
h.matterberger@hohetauern.at
www.hohetauern.at
www.facebook.com/hohetauern
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