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Neuartige Energiepflanze ersetzt Torf und Kokosfaser

13.03.2019

Neben der Forschung am und mit dem Roh- und Werkstoff Holz widmet sich das ACR-Institut Holzforschung Austria (HFA) auch anderen Materialien und Themenbereichen, die sich mit Nachhaltigkeit und der Energiewende beschäftigen. Eines dieser Vorzeigeprojekte untersucht die Energiepflanze Sida im hauseigenen Biomassetechnikum. Durch heimischen Anbau weist die Pflanze einen geringen CO2-Fußabdruck auf und trägt durch ihre Nährstoffarmut zur Verbesserung des Bodens bei.

Zuletzt befasste sich das Bioenergie-Team unter anderem in dem dreijährigen Projekt SIDecA (Sida: Intelligent Densified Energy Carriers for Austria) mit der Pelletierung einer ganz besonderen Pflanze: Sida hermaphrodita, der Virginiamalve. Hierbei zeigten sich vielfältige Vorteile, die dieser in Österreich noch nahezu unbekannte Rohstoff mit sich bringt.

Im hauseigenen Biomassetechnikum wurde Sida aufgeschlossen und zu Pellets umgeformt. Meist geht dies bei krautigen, Ein- oder Mehrjahrespflanzen mit erhöhtem Energieaufwand und Verschleiß, sowie geringerer Produktionskapazität einher. Manchmal bedarf es bei solchen Rohstoffen auch der Zugabe weiterer Additive, etwa um ein ungünstiges Mineralien-Verhältnis auszugleichen und somit die Ascheschmelztemperatur anzuheben. Nicht so mit Sida! Sida weist exzellente Eigenschaften bei der Verarbeitung auf, geringe Leistungsaufnahme, keinen nennenswerten Verschleiß, hohen Durchsatz und auch die brennstofftechnischen Eigenschaften sind überraschend gut. Somit verwundert es auch nicht, dass Sida der SCM Produktions- und Vertriebs GmbH den Durchbruch bei der Entwicklung ihrer mobilen Pelletiereinheit "Schaider Pelletec D 8.0" bescherte. Gerade dieser Kooperation verdanken SCM und Holzforschung Austria auch den ACR-Kooperationspreis 2018. Den krönenden wissenschaftlichen Abschluss erlangte die Projektkooperation aus SIDecA durch die Veröffentlichung eines peer-Review Artikels im hochkarätigen Fachmagazin Biomass & Bioenergy Mitte Jänner 2019.

Sida verbessert den Boden

Erfolgreiche Projekte führen zu neuen Ideen. Der öffentliche Projektabschluss von SIDecA brachte interessante Gespräche in Gang, die weiterführende Anwendungsszenarien in den Fokus der Forschung rückten. Auffallend war zum Beispiel der sehr geringe Nährstoffgehalt von Sida und, dass kaum nennenswerte Schwermetallmengen aus dem Boden mobilisiert werden. Das ist der entscheidende Faktor, wodurch Sida zur Bodenverbesserung beitragen kann. Diese ist in Bereichen der Kulturpflege, Landschaftsgestaltung, Gartenbau und konventioneller Landwirtschaft gang und gebe. Für Laien unbemerkt kommen hierbei bisweilen Rohstoffe zum Einsatz, deren Herkunft zu hinterfragen ist.

Zum Beispiel Torfarm oder Kokosfaser. Dass der Torfabbau einen erheblichen Einschnitt in ein sensibles Ökosystem bedeutet, ist vielleicht manchem bewusst. Vermutlich gibt es sogar ein gewisses Bewusstsein dafür, dass Kokos eher nicht aus heimischer Produktion stammt und somit lange Transportwege einen erheblichen CO2-Ausstoß verursachen. Beide Rohstoffe sind demnach aus ökologischer Sicht zu hinterfragen und ein heimisch kultivierter, nachhaltiger Substituent wäre da sehr willkommen. Hier kommt abermals Sida ins Spiel.

Im geförderten Projekt "Sida als Torfersatz" mit dem südsteirischen Unternehmen Baumpflege Robier wurde genau dieses Potenzial erhoben. Kokosfaser wird bereits als Torfersatz eingesetzt. Sie ist nährstoffarm, was zu einem hohen Organik Anteil führt. Ihre Struktur lockert den Boden auf und da sie nicht sehr leicht benetzt, dauert es auch lange, bis sie biologisch zersetzt wird. Nährstoffe müssen bei einer derartigen Bodenverbesserung von Anfang an hinzugegeben werden. Sida wurde demnach parallel zu Kokos einer Reihe verfahrenstechnischer Schritte unterzogen, um seine Nährstoffaufnahmekapazität zu untersuchen. Beide Rohstoffe wurden chemisch analysiert und die nachträgliche Nährstoffabgabe wurde verifiziert.

Das Fazit: Sida kann was Kokos kann; aber Sida kann zusätzlich in Österreich kultiviert werden. Für die Weiterentwicklung zu einem marktreifen Produkt, wird eine sehr hohe Chance gesehen. Derzeit läuft die Suche nach einem idealen Konsortium, um dieses Vorhaben umzusetzen.

Biomassetechnikum Am Standort Stetten

So passt es auch sehr gut, dass die Übersiedlungsarbeiten des Biomassetechnikums der Holzforschung Austria bereits nahezu abgeschlossen sind. Somit können ab Frühjahr neue Wege eingeschlagen werden: Wege für neue Rohstoffe, Wege für neue Verfahrensweisen, Wege zu neuen Anwendungen, aber auch Wege auf bekanntem Terrain, denn selbst diese sind noch lange nicht ausgetreten.

Martin Weigl

Projektinformation

Forschungsprojekt SIDecA

Projektlaufzeit: 2014-2017

Projektpartner:

- Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

- Bioenergy 2020+ GmbH

- Holzforschung Austria

- Universität für Bodenkultur Wien

- Gilles Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co KG

- Ing. Aigner Wasser-Wärme-Umwelt-GmbH

- SCM Produktions- und Vertriebs- GmbH

- Gartenbau Michael Höller

unterstützt durch: Klima- und Energiefonds, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft; e!MISSION.at

Quelle: ACR Newsletter

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