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Landwirtschaft wird mit immer größeren Maschinen praktiziert © APA (dpa/Strobel)
Landwirtschaft wird mit immer größeren Maschinen praktiziert © APA (dpa/Strobel)

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Österreichische Vogelbestände im Agrarland drastisch zurückgegangen

26.06.2019

In den vergangenen 20 Jahren sind 42 Prozent der heimischen Vogelbestände im Agrarland verloren gegangen. Dieses Beispiel unter vielen für die weltweite Abnahme der Biodiversität hänge maßgeblich mit der landwirtschaftlichen Erzeugung und dem Konsumverhalten zusammen, machte Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehrens, auf einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam.

Der Rückgang an heimischen Vogelbeständen sei an die mit immer größeren Maschinen praktizierte Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und die Zerstörung von Lebensräumen gekoppelt, erklärte Gabor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Laut dem von der Organisation herausgegebenen "Farmland Bird Index" sind 22 der häufigsten in Österreich heimischen Feldvogelarten von alarmierenden Verlusten betroffen. So verschwand in den vergangenen 20 Jahren etwa jede zweite Feldlerche. Die Lage der Rebhühner ist noch düsterer: Neun von zehn gingen in den vergangenen zwei Jahrzehnten verloren. Die einstmals weitverbreiteten Vögel wären nur noch in einem Gebiet in der Steiermark anzutreffen, sagte Wichmann.

Fokus auf Biodiversitätsschutz

Um den drastischen Rückgang an Vogel-, aber auch Insekten- und Amphibienbeständen zu verhindern, müsse einerseits das Verständnis der Landwirte für Biodiversitätsschutz geschärft werden und andererseits Fördermittel verstärkt an ökologisch verträgliche Bewirtschaftungsformen ausgeschüttet werden, meinte Wichmann. Eine biologische Landwirtschaft habe aber nicht nur Vorteile für die heimischen Tierbestände, sondern auch für das Klima, zeigte Bohrn Mena auf: "Biobetriebe erzeugen im Durchschnitt 25 Prozent weniger an Treibhausgasen. In Österreich werden dadurch bereits jetzt pro Jahr etwa 180. 000 Tonnen an CO2 eingespart."

Er forderte die Förderung einer vitalen, tier- und umweltgerechten Landwirtschaft, um Klima und Artenvielfalt zu schützen. Aber auch Konsumenten müssten ausreichend aufgeklärt werden, um mit ihrem Konsumverhalten Veränderung bewirken zu können. So sollen laut Bohrn Mena auch Lebensmittel in Gastronomie und öffentlichen Küchen verpflichtend gekennzeichnet werden. Die öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln müsse ebenfalls transparenter und nach heimischen Tierschutzstandards erfolgen. Schließlich könne die heimische Landwirtschaft nach noch so hohen Standards produzieren, wenn sie durch Billigimporte ausgehebelt werde, würde sie trotzdem zerstört werden, meinte Bohrn Mena.

Das Tierschutzvolksbegehren sammelt noch bis Ende 2020 Unterstützungserklärungen. Bisher wurden über 30.000 Unterschriften gesammelt. Der Fokus des 14 Punkte umfassenden Programms liegt auf einer tiergerechten und zukunftsfähigen Landwirtschaft, einer Umschichtung der Förderungsmittel der öffentlichen Hand und einer erhöhten Transparenz für Konsumenten.

Service: www.tsvb.at

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