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Forschende der Universität Bern bei der Feldarbeit auf dem Moossee © Universität Bern
Forschende der Universität Bern bei der Feldarbeit auf dem Moossee © Universität Bern

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Pflanzenschutzmittel belasten auch die Seeböden

20.10.2020

Eine Studie der Universität Bern zeigt, wie Pflanzenschutzmittel nicht nur die Gewässer, sondern auch die Seeböden belasten. Die höchsten Werte wurden für die jüngsten Sedimentschichten ermittelt.

Zwar wurde der Einsatz verschiedener Produkte in den vergangenen Jahren verboten, was sich tatsächlich auch in den entsprechenden Sedimentschichten nachweisen lässt. Doch nach wie vor lassen sich laut der Berner Studie beispielsweise Herbizide nachweisen, die seit zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

"Wir finden diese Stoffe auch in den jüngsten Sedimentschichten – das zeigt, wie schwer abbaubar Pflanzenschutzmittel in Gewässern sind, und wie lange sie in der Umwelt verbleiben", so die Berner Umweltwissenschafterin Aurea Chiaia-Hernandez in einer Mitteilung der Universität Bern.

Chiaia-Hernandez und ihr Team nutzten für ihre Untersuchung Sedimentproben aus dem Moossee. Der kleine See in der Nähe von Bern ist typisch für viele Seen in der Schweiz, die durch die Landwirtschaft stark beeinträchtigt werden.

Werte nehmen stark zu

In einem 60 Zentimeter langen Sedimentkern fanden die Forscher 34 Pflanzenschutzmittel. Seit den 1960er Jahren nahmen sowohl die Anzahl wie auch die Konzentration stark zu. Bei den meisten Mitteln wurden die höchsten Werte zwischen Ende der 1990er Jahr und 2010 gemessen. Bei einem Viertel von ihnen stieg die Konzentration allerdings auch danach weiter an. Das gelte vor allem für Fungizide, wie die Universität schreibt.

Die Rückstände wirken sich unter anderem negativ auf das Leben am Boden der Seen aus. Sedimente dienen vielen Wasserorganismen als Lebensraum und Laichplatz und erfüllen essenzielle Funktionen im Nährstoffkreislauf. "Unsere Studie belegt, dass die Qualität der Sedimente als Lebensraum seit den 1980er Jahren permanent ungenügend ist", sagt Chiaia-Hernandez.

Die größten ökotoxikologischen Risiken gehen von Herbiziden und zunehmend von Insektiziden wie zum Beispiel Chlorpyrifos aus. Dieses Produkt wurde in der Schweiz im Juli 2020 verboten.

Die Studie wurde soeben in der Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology" veröffentlicht.

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