Natur & Technik

Peebles brachte die Kosmologie auf die wissenschaftliche Landkarte © APA (AFP/SCANPIX SWEDEN/Gow)
Peebles brachte die Kosmologie auf die wissenschaftliche Landkarte © APA (AFP/SCANPIX SWEDEN/Gow)

APA

Physik-Nobelpreis: Preis an Peebles "angenehme Überraschung"

08.10.2019

Als "einen der wichtigsten lebenden theoretischen Kosmologen" bezeichnete Daniel Grumiller vom Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität (TU) Wien den Physik-Nobelpreisträger James Peebles, der sich den Preis mit Michel Mayor und Didier Queloz teilt. Die Zuerkennung sei aber "ein wenig überraschend", weil er viele seiner einflussreichen Arbeiten mit Kollegen verfasst habe.

Es sei eine "angenehme Überraschung", dass der Preis im Feld der Kosmologie vergeben wird. Der 1935 in Winnipeg (Kanada) geborene Wissenschafter habe etwa wichtige Vorarbeiten zu den heutigen Erkenntnissen über die rätselhafte Dunkle Energie und Dunkle Materie sowie zur kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung geleistet.

Besseres Verständnis des frühen Universums

Seine weiteren Arbeiten hätten ebenso dazu beigetragen, "das frühe Universum besser zu verstehen". Wichtig waren etwa seine Überlegungen zur Bildung der ersten Atomkerne nach dem Urknall. Daraus konnte die Verteilung der ersten Elemente abgeleitet werden, die wiederum experimentell überprüfbar war und auch in dieser Form nachgewiesen wurde.

Außerdem habe er auch dabei mitgeholfen, die Bildung von Sternen im frühen Universum besser zu verstehen. Das bilde gewissermaßen die Brücke in Richtung des Bereichs, in dem die beiden Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz mit der anderen Hälfte des Preises bedacht wurden. Sie ließen 1995 mit der ersten Entdeckung eines Exoplaneten aufhorchen.

"Schlüsselfigur" für Kosmologie

Für das Nobelpreiskomitte war Peebles eine "Schlüsselfigur" beim Übergang der Kosmologie von der Spekulation zur Wissenschaft in den 1960er Jahren. Seine entscheidenden Entdeckungen hätten die Kosmologie auf die wissenschaftliche Landkarte gebracht und das gesamte Forschungsfeld bereichert. Sein erstes Buch "Physical Cosmology" (1971) habe eine ganz neue Generation von Physikern inspiriert, zur Entwicklung des Themas beizutragen.

Als Beispiel für Peebles Leistungen nennt das Nobelpreiskomitee die Kosmische Hintergrundstrahlung. Diese 1964 von den beiden US-Forschern Arno Penzias und Robert Wilson entdeckte Strahlung, für die die beiden 1978 den Nobelpreis erhielten, entstand rund 400.000 Jahre nach dem Urknall und gilt als Beleg für die Urknall-Theorie. Peebles erkannte, dass die Temperatur der Hintergrundstrahlung (nahe dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius) Auskunft darüber geben kann, wie viel Materie beim Urknall gebildet wurde. Er verstand, dass die Freisetzung dieser Strahlung eine entscheidende Rolle spielte, wie sich die Materie später zu Galaxien und Galaxienhaufen formte.

Seit den 1930er Jahren weiß man, dass diese Galaxien, Galaxienhaufen und Sterne - also die sichtbare Materie - nicht die gesamte Masse und Energie des Universums ausmachen, sondern nur fünf Prozent davon. Woraus der große Rest - die Dunkle Materie und die Dunkle Energie - besteht, ist nach wie vor ungeklärt. 1982 schlug Peebles schwere, langsame Teilchen als Kandidaten für die Dunkle Materie vor, die nicht mit der bekannten Materie interagieren und rund 26 Prozent des Universums ausmachen. Entdeckt wurden diese Teilchen bisher noch nicht.

STICHWÖRTER
Auszeichnung  | Physik  | Schweden  | Stockholm  | Human Interest  | Leistung  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Nobelpreis  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung