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Gartengrasmücke © Biillyboy Flickr
Gartengrasmücke © Biillyboy Flickr

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Riskantes Schlafen mit verstecktem Kopf spart Energie bei nachtaktiven Zugvögeln

19.08.2019

Schlafen mit dem Kopf nach hinten ins Gefieder gesteckt ist eine verbreitete Verhaltensweise, die die meisten Vogelarten zeigen. Wissenschafter der Vetmeduni Vienna und der Universität Wien fanden nun heraus, dass das Verstecken des Kopfes während der Nachtruhe den Wärmeverlust bei Zugvögeln reduziert und deren Energiereserven dadurch geschont werden. Allerdings bedingt das Schlafen auf Sparflamme auch Risiken für die Vögel: Durch die gedrosselte Stoffwechselrate und Reaktionsgeschwindigkeit laufen sie Gefahr, leichte Beute zu sein.

Auch Pinguine mit modifizierten Federn, die den Kopf nicht bedecken, schlafen auf diese Art. Interessanterweise deuten Fossilfunde darauf hin, dass Vögel dieses Schlafverhalten von ihren gefiederten Dinosaurier-Vorfahren geerbt haben. Mehrere Studien zeigen, dass Vögel durch das Verstecken des schlecht isolierten Kopfes und Schnabels den Wärmeverlust reduzieren und damit Energie sparen.

Nachdem Energiesparen scheinbar immer eine nützliche Anpassung ist, scheint es paradox, dass Vögel manchmal mit aufrechtem, nach vorne gerichtetem Kopf schlafen. In einer eben veröffentlichten Studie konnte eine Gruppe von Wissenschaftlern, unter Koordination von Andrea Ferretti und Leonida Fusani vom Department für Kognitionsbiologie (Universität Wien) und dem Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (Veterinärmedizinische Universität Wien) zeigen, dass bei Zugvögeln die Wahl zwischen Schlaf mit verstecktem und aufrechtem Kopf einen Kompromiss zwischen gegensätzlichen Bedürfnissen widerspiegelt: Spare Energie oder vermeide gefressen zu werden.

Grasmücken während des Vogelzugs beobachtet

Nächtlich ziehende Singvögel, die das Mittelmeer überqueren, um den europäischen Kontinent zu erreichen, legen oft einen Zwischenstopp auf Inseln nahe der Küste ein, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Durch detaillierte Beobachtungen von Gartengrasmücken, die gerade auf einer dieser Rast-Inseln angekommen waren, fanden die Forscher heraus, dass die Schlafhaltung der Grasmücken von ihrer physiologischen Kondition abhängt. Vögel, die bereits die meisten ihrer Fettreserven aufgebraucht hatten, zogen es vor, mit verstecktem Kopf zu schlafen, während fette Vögel lieber mit aufrechtem Kopf schliefen. Messungen mit einem Respirometriesystem zeigten, dass Vögel in der versteckten Schlafposition ihren Energieverbrauch reduzierten. Die Wahl des Schlafs mit verstecktem Kopf hilft Vögeln, deren Reserven fast aufgebraucht sind, wertvolle Energie für ihre Weiterreise zu sparen. Aber warum sollten das nicht alle Vögel so machen?

Als die Wissenschaftler den Vögeln das Geräusch von knisterndem Laub vorspielten, um die Annäherung eines Beutegreifers zu imitieren, reagierten Vögel in der versteckten Schlafposition langsamer als jene, die in aufrechter Position schliefen. Die erniedrigte Stoffwechselrate und die langsamere Reaktionszeit weisen darauf hin, dass Vögel mit verstecktem Kopf tiefer schliefen. Grasmücken stecken also während ihrer Zwischenstopps in einem Dilemma: Schlafen sie mit verstecktem Kopf, sparen sie Energie, erhöhen jedoch ihr Risiko einem Beutegreifer zum Opfer zu fallen. Diese Erkenntnisse erlauben eine neue Sicht auf die Funktion der Schlafposition von Vögeln, sowie auf die ökologischen und physiologischen Herausforderungen denen Zugvögel ausgesetzt sind.

Service:

Der Artikel "Sleeping unsafely tucked in to conserve energy in a nocturnal migratory songbird" von Andrea Ferretti, Niels C. Rattenborg, Thomas Ruf, Scott R. McWilliams, Massimiliano Cardinale und Leonida Fusani wird heute in Current Biology veröffentlicht. Bitte Embargo beachten, der Link zur Publikation wird nach Ablauf der Sperrfrist um 17:00 Uhr MEZ auf der Website der Vetmeduni Vienna verfügbar sein.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2019 belegt sie den exzellenten Platz 5 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach "Veterinary Science". www.vetmeduni.ac.at

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Leonida Fusani PhD.
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077 - 947320
Leonida.Fusani@vetmeduni.ac.at

Andrea Ferretti MSc.
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
andrea.ferretti@vetmeduni.ac.at
Aussender:
Mag. Nina Grötschl
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1187
Nina.Groetschl@vetmeduni.ac.at
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