Natur & Technik

Auch eventuelle Wachstumsschäden sollen festgestellt werden © APA (dpa)
Auch eventuelle Wachstumsschäden sollen festgestellt werden © APA (dpa)

APA

Spuren von Kunststoff und Quecksilber auch im alpinen Raum zu finden

27.05.2020

In welchem Ausmaß alpiner Raum und insbesondere die dort lebenden Insekten von Chemikalien aller Art beeinflusst werden, untersucht ein Projekt mit österreichischen und bayerischen Partnern. Erste Untersuchungen zeigten etwa Spuren von Flammschutzmittel aus Kunststoffen und Quecksilber. Das ergaben Messung am Sonnblick Observatorium der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

In detaillierteren Untersuchungen werden diese Analysen derzeit abgesichert, hieß es in einer Aussendung. Spuren von problematischen Chemikalien finden sich auf jeden Fall auch in den entlegenen Regionen: Über hundert potenziell problematische Chemikalien in der Luft und im Niederschlag wurden nachgewiesen. Dies zwar in äußerst niedrigen Konzentrationen - aber trotzdem ausreichend, um sich in Lebewesen anzureichern.

Das EU-Projekt "protectAlps" soll nun klären, ob diese Chemikalien auch Auswirkungen auf Insekten haben. Im Rahmen des Projekts untersuchen Forscher aus Österreich und Bayern Insekten im Bereich des Sonnblick Observatoriums in den Hohen Tauern in Salzburg und an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) an der Zugspitze in Bayern. Hintergrund ist das sogenannte Insektensterben, das der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden zugeschrieben, aber auch abseits landwirtschaftlich genutzter Flächen beobachtet wird. Ein möglicher Grund dafür sind weltweit verbreitete Schadstoffe, insbesondere schwer abbaubare, chemische Stoffe, berichtete die ZAMG.

Ergebnisse für 2021 geplant

Für das Projekt wurde festgelegt, dass ausreichend Insekten vorhanden sein und die Entnahme deren Population nicht beeinflussen darf. Hummeln, Ameisen und Totengräber-Käfer erfüllen diese Bedingungen. Noch liegen zu wenige Daten vor, um zu beurteilen ob und wie die Chemikalien auf die Insekten und die Ökosysteme wirken. Zur Klärung dieser Fragen werden im Projekt protectAlps auch die Körperstrukturen der Insekten vermessen. So lassen sich Wachstumsschäden feststellen, da beispielsweise keimschädigende Chemikalien Deformationen an Flügeln bewirken können, hieß es. Ausführliche Ergebnisse liegen am Ende des Projekts im Februar 2021 vor.

Ein weiterer Faktor, der selbst über große Entfernung auf Insekten in Schutzgebieten wirkt, ist der atmosphärische Eintrag von reaktivem Stickstoff, wie er in Ammoniak oder Stickoxiden enthalten ist. Sie entstehen bei der Verbrennung fossiler Energieträger im Verkehr und in Industrieanlagen. Stickstoff wirkt als Dünger und führt zu einer Veränderung der Pflanzengesellschaften. Dadurch verlieren viele Insekten ihre Wirtspflanzen. Deshalb werden an den beiden genannten Stationen zudem verschiedene Messverfahren zum Nachweis von reaktiven Stickstoffarten in der Luft verglichen. Damit sollen, ähnlich der CO2-Konzentrationsmessungen beim Klimawandel, langfristige Aussagen zu Änderungen der Stickstoffeinträge ermöglicht werden.

Partner in dem EU-INTERREG-Projekt protectAlps sind das Bayerische Landesamt für Umwelt, die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus, der Lehrstuhl Molekulare Ökologie der Universität Innsbruck und das Sonnblick Observatorium der ZAMG. Die Projektdauer ist von 1. März 2018 bis 28. Februar 2021.

STICHWÖRTER
EU  | Luftverschmutzung  | Forschung  | Wien  | Deutschland  | Berlin  | Umwelt  | Umweltverschmutzung  | Wissenschaft  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung