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Jubiläum heizte Diskussion über Zukunft der US-Raumfahrt neu an © APA (Nasa)
Jubiläum heizte Diskussion über Zukunft der US-Raumfahrt neu an © APA (Nasa)

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USA feiern 50. Jahrestag der ersten Mondlandung

22.07.2019

Zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung ist in den USA an die historische Apollo-11-Mission erinnert worden. "Unsere Nation erweist den drei mutigen Astronauten heute die Ehre", sagte US-Vizepräsident Mike Pence bei einer Rede im Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Das Jubiläum heizte zugleich die Diskussion über die Zukunft der US-Raumfahrt neu an.

Die Mondlandung vor 50 Jahren sei "das einzige Ereignis im 20. Jahrhundert, das eine Chance hat, auch im 30. Jahrhundert weitreichend erinnert zu werden", sagte Pence. Am 20. Juli 1969 hatte der US-Astronaut Neil Armstrong im Zuge des Nasa-Programms Apollo 11 als erster Mensch den Mond betreten; ebenfalls an der Mission beteiligt waren Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins.

Der Fernsehsender der US-Weltraumbehörde Nasa strahlte am 20. Juli die damalige Live-Übertragung der Mondlandung erneut aus. Eine halbe Milliarde Menschen weltweit erlebten die entscheidenden Stunden der Apollo-11-Mission 1969 am TV-Schirm mit. Als Armstrong den Mond betrat, sagte er dann jenen Satz, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit."

Im Johnson Space Center in Houston versammelten sich tausende Menschen und feierten Armstrongs historischen Schritt um 22.56 Uhr (04.56 Uhr MESZ) mit einem Countdown - auf die Minute genau 50 Jahre, nachdem der Astronaut seinen Fuß auf den Mond setzte.

Seit dem Ende des Apollo-Programms im Dezember 1972 hat nie wieder ein Mensch den Mond betreten - und von den zwölf US-Astronauten, die auf dem Mond waren, leben heute nur noch vier. Armstrong starb 2012 im Alter von 82 Jahren.

Rückkehr für 2024 angepeilt

Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten Astronauten auf den Mond zurückkehren. Der von ihm angepeilte Zeitplan scheint jedoch unrealistisch und sorgte in der US-Raumfahrtbehörde für Turbulenzen.

Vizepräsident Pence bekräftigte aber das Ziel einer US-Mondlandung innerhalb von fünf Jahren. Trump erklärte, seine Regierung setze sich dafür ein, "die Dominanz und Führerschaft der USA im Weltall für die kommenden Jahrhunderte" zu zementieren.

Die Pläne für eine Rückkehr zum Mond sowie eine Mission zum Mars im Jahr 2033 seien zu "plötzlich" aufgekommen, beklagte hingegen der Weltraum-Ingenieur Pablo de Leon, der an der University of North Dakota ein von Nasa finanziertes Institut für bemannte Raumfahrt leitet. "Auf der einen Seite gibt es die Anordnung, bis zum Jahr 2024 auf den Mond zu kommen, auf der andere Seite haben wir seit 1977 keine neuen Raumanzüge mehr entwickelt."

Die Nasa konzentriert sich zunächst auf den Bau neuer Raketen, Weltraumkapseln und Landefahrzeuge. Um die Schutzanzüge will sie sich später kümmern. De Leon und sein Team haben dennoch bereits je einen Prototypen für Mond und Mars entwickelt. Diese müssten die Temperatur, den Außendruck und die Feuchtigkeit regulieren. Zudem sollen sie die Astronauten vor Strahlung schützen.

Trump gegen Zwischenetappe auf dem Weg zum Mars

US-Präsident Donald Trump lieferte sich unterdessen einen verbalen Schlagabtausch mit Nasa-Chef Jim Bridenstine über den geeigneten Weg zum Mars - unterstützt von den beiden noch lebenden Mitgliedern der Apollo-11-Mission, Michael Collins und Buzz Aldrin. Bei einem Empfang im Weißen Haus stellte Trump erneut die vor einer Landung auf dem Mars geplante Zwischenetappe auf dem Mond infrage.

"Sie sagen, um auf den Mars zu kommen, muss man auf dem Mond landen", sagte Trump. Bridenstine verteidigte den Plan der Wissenschafter. Auf dem Erdtrabanten könne die Technik perfektioniert werden, zudem sei er das Tor für andere, weiter in das Sonnensystem reichende Missionen.

Trump bat daraufhin Collins um eine Einschätzung. Der 88-Jährige antwortete ohne Zögern: "Direkt zum Mars." Trump wandte sich erneut an Nasa-Chef Bridenstine: "Es scheint mir, dass man direkt zum Mars soll. Wer weiß das besser als diese Leute?"

Später wollte der Präsident von Aldrin wissen, wie er den Stand der US-Raumfahrt bewerte. "Um ehrlich zu sein, ich war die vergangenen zehn oder 15 Jahre ein bisschen enttäuscht", sagte Aldrin. Trump ermahnte Bridenstine, auf die Einschätzungen der beiden Apollo-11-Veteranen zu hören. "Weil einige Leute würden es gerne anders machen."

Sojus-Rakete zur ISS gestartet

Während weltweit der historischen Mondlandung vor 50 Jahren gedacht wurde, sind drei Raumfahrer rund sechs Stunden nach ihrem Start an der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Das Sojus-Raumschiff MS-13 mit dem italienischen ESA-Astronauten Luca Parmitano, seinem amerikanischem Kollegen Andrew Morgan und dem Kosmonauten Alexander Skworzow dockte planmäßig am Sonntag um 00.48 Uhr MESZ am Außenposten der Menschheit an.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa übertrug das Andockmanöver live auf ihrer Website - ein "Bilderbuch-Andocken", wie ein Nasa-Kommentator sagte. Damit hat die ISS rund 400 Kilometer über der Erde wieder ihre Sollstärke von sechs Raumfahrern erreicht. Die beiden US-Amerikaner Christina Koch und Nick Hague sowie der Russe Alexej Owtschinin leben und arbeiten bereits seit rund 130 Tagen im All.

Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm 2011 eingestellt. US-Astronauten konnten seither nur noch mit russischen Sojus-Raketen zur ISS gelangen. Der Vertrag mit Russland läuft im November aus.

Das Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk will eine kostengünstige Alternative zu staatlichen Raumfahrtprogrammen bieten. Im Auftrag der Nasa hat die in Kalifornien angesiedelte Firma die ISS bereits mit Nachschub versorgt. Kern des Programms ist die mehrfache Verwendbarkeit der Trägerraketen, die nach ihrem Einsatz im All wieder auf der Erde landen können.

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