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Versteigerung eines Dinosauriers verärgert Wissenschafter

12.06.2019

Wer zuletzt durch den Terminal fünf des Londoner Flughafens Heathrow gegangen ist, dem dürfte das Skelett von der Größe eines Omnibusses nicht entgangen sein. Bis unter das Dach ragten die Knochen, die dort womöglich das letzte Mal öffentlich zu sehen waren. Denn der etwa 155 Millionen Jahre alte Langhalssaurier, ein Verwandter der Gattung Diplodocus, wird am 13. Juni in Paris versteigert.

Experten schätzen, dass das knapp 13 Meter lange und zu 90 Prozent komplette Skelett für einen Millionenbetrag unter den Hammer kommt. Zum Ärger einiger Wissenschafter. Die amerikanische "Society of Vertebrate Paleontology" (SVP) - die Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie - äußert sich auf Anfrage eindeutig: "Wir sind entschieden gegen den privaten Verkauf von Wirbeltier-Fossilien."

Skelette wie die des Diplodocus-Cousins gehörten allen Menschen, nicht nur einigen Wohlhabenden, so der Einwand. Museen und Universitätssammlungen allerdings könnten finanziell nicht mit privaten Sammlern mithalten. Auch nicht bei der anstehenden Versteigerung in Paris. "Wir werden dieses Exemplar daher verlieren."

Der letzte SVP-Präsident David Polly empfindet den Verkauf von Fossilien durch Privatpersonen an öffentliche Einrichtungen bis zu einem gewissen Grad in Ordnung. Doch was nun in Paris geschehe, sei etwas Anderes: "Es in einer privaten Auktion anzubieten, die darauf ausgelegt ist, den größtmöglichen Preis zu erreichen, ist unserer Meinung nach unethisch."

Tatsächlich werden immer wieder Saurierskelette für Hunderttausende oder sogar Millionen Euro verkauft. Die Sorge der Wissenschafter ist, dass die oft spektakulären Stücke dann nicht mehr öffentlich zugänglich sind, bevor sie ausreichend untersucht wurden.

Rückschlüsse auf die Haut

Und auch "Skinny", wie das Auktionshaus Aguttes den 2012 in Wyoming entdeckten Langhalssaurier nennt, scheint wissenschaftlich bedeutsam. Das Skelett lasse Rückschlüsse auf die Haut des Dinosauriers zu. "Das wurde niemals zuvor bei einem Diplodocus entdeckt, so dass es diesem Skelett einen einmaligen Wert verleiht", heißt es in einer Mitteilung.

Für besonderes Aufsehen - und besondere Entrüstung - sorgte vor einigen Wochen ein Eintrag beim Online-Auktionshaus Ebay. Dort hatte ein Verkäufer das Skelett eines Tyrannosaurus rex für den Festpreis von 2,95 Millionen Dollar (2,61 Mio. Euro) eingestellt, angepriesen als "der wahrscheinlich einzige Baby-T-Rex der Welt". Bisher wurde offenbar noch kein Käufer gefunden. Immerhin: Der Versand würde den Angaben zufolge kostenlos erfolgen.

In den vergangenen Jahren zeigten neben einigen kaufkräftigen Museen in Nahost oder Asien nach Aussagen von Verkäufern auch Hotelketten oder Einkaufszentren Interesse an echten Dinos. Und auch Privatleuten mit dem nötigen Kleingeld gehe es häufig nicht um den wissenschaftlichen Wert, sondern um das Angeber-Potenzial. Statt dem Sportwagen in der Garage oder dem Picasso an der Wand setzen einige Schwerreiche demnach auf Dinoskelette.

So schreiben US-Magazine darüber, dass Schauspieler wie Leonardo DiCaprio und Nicolas Cage Schädel und Knochen erstanden und das Skelette-Sammeln damit zum Trend gemacht hätten. Was an den Berichten wahr ist und wie viele Villen Hollywoods Saurier enthalten, bleibt indes unklar.

Eric Mickeler jedenfalls, der sich beim Auktionshaus Aguttes mit Dinosauriern beschäftigt, frohlockt: "Skinny" sei einfach "einzigartig". Das Skelett sei von einer Gruppe Paläontologen eines staatlichen Museums in Nordeuropa untersucht worden. Diese Analysen könnten womöglich auch nach der Versteigerung noch weitergehen.

Mickeler ist sich sicher, dass der Käufer seine Freude an dem Stück haben wird. Dieser könne den Saurier mitunter dafür nutzen, sein Geschäft zu präsentieren: "Sei es für Hotels, eine Attraktion in einem Freizeitpark, aber auch, um diesen Dinosaurier als modernen Markenbotschafter weltweit – von Flughafen zu Flughafen - auszustellen."

(Von Benno Schwinghammer/dpa)

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