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Bei den Tieren waren die Dentin-Oberflächen stark ausgehöhlt © APA (Ivo Machatschke)
Bei den Tieren waren die Dentin-Oberflächen stark ausgehöhlt © APA (Ivo Machatschke)

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Wenn Meerschweinchen Bambus fressen

09.10.2019

Beim Kauen werden die Zähne von Pflanzenfressern ständig abgerieben. Zürcher Forschende haben festgestellt, dass ihre Zähne für Abrieb unterschiedlich anfällige Bereiche haben. Und was passiert, wenn Meerschweinchen Bambus fressen.

Eigentlich ist Zahnschmelz härter als die in Pflanzennahrung vorkommenden Teile, die Zähne abschleifen, schrieb die Universität Zürich in einer Mitteilung. Dazu gehören beispielsweise "Blattsteinchen", Silikateinlagerungen in Gräsern. Darüber, wie diese Blattsteinchen Zahnschmelz angreifen können, seien sich Fachleute noch uneins, erklärte Jean-Michel Hatt von der Uni Zürich gemäß der Mitteilung.

Anfälliger für den Abrieb ist weicheres Zahngewebe, das sogenannte Zahnbein oder Dentin, das sich zwischen den Schmelzleisten befindet. Durch die unterschiedlichen Härten von Zahnschmelz und Zahnbein entwickelt sich auf der Kaufläche eine raspelartige Oberfläche: eine Harte Zahnschmelzleiste ragt aus weicherem Zahnbein heraus. Wie aber das Dentin auf Abrieb reagiert, wurde bisher wenig untersucht.

Effekt auf Zähne

Dies haben Hatt und sein Team mit deutschen Kollegen nachgeholt: Sie fütterten Meerschweinchen mit drei verschiedenen Futterarten, die kein, wenig oder viel Silikateinlagerungen enthalten. Den Effekt auf die Zähne untersuchten sie mittels Mikro-Computer-Tomographie und stellten die Resultate im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" vor.

Die Ergebnisse waren überraschend eindeutig: Tiere, die Futter mit einem hohen Anteil Blattsteinchen bekommen hatten, nämlich Bambus, hatten drastisch kürzere Zähne, erklärte Studienautorin Louise Martin. Und das, obwohl bei Meerschweinchen auch die Backenzähne ständig nachwachsen.

Bei den bambusfressenden Tieren waren insbesondere die Dentin-Oberflächen stark ausgehöhlt. Die Schmelzleisten standen dadurch besonders weit hervor und waren deshalb ebenfalls weniger stabil. Die Folge war auch stärkerer Abrieb am Schmelz.

Bambus gehört zwar zu den Gräsern, wird Haustieren aber in der Regel nicht als Futter angeboten. Das sei auch gut so, betonte Hatt. Das Gebiss von Pferden, Meerschweinchen und Kaninchen ist dafür nicht gewappnet. Anders sieht es bei Tieren aus, die typischerweise Bambus fressen, wie Pandas. "Die Pandabären besitzen als Angehörige der Raubtiere keine typischen Pflanzenfresser-Raspelzähne", so Hatt. Ihre Zähne seien komplett von Zahnschmelz überzogen.

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