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Eines der drei Fossilien, das als Platte und Gegenplatte erhalten ist © Giuseppe Marramà
Eines der drei Fossilien, das als Platte und Gegenplatte erhalten ist © Giuseppe Marramà

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Wiener Forscher fanden 50 Millionen Jahre alten Rochen mit neuer Form

02.10.2019

Einen Stachelrochen, der vor rund 50 Millionen Jahren durch Korallenriffe im heutigen Norditalien geschwommen ist, beschreiben Wissenschafter der Universität Wien im Fachblatt "Scientific Reports". Weil sich sein Körperbau stark von heutigen Verwandten unterscheidet, taufte das Team das urtümliche Tier "Lessiniabatis aenigmatica" oder übersetzt "bizarrer Rochen aus Lessinia".

Nachdem die Ära der Dinosaurier als dominante Spezies zu Wasser und zu Lande vor rund 66 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag beendet wurde, waren zahlreiche ökologische Nischen frei, die es anderen Tieren ermöglichten, sich weiterzuentwickeln. So auch in einer einstigen Küstenregion des Urmeeres Tethys, die heute im nordöstlichen Italien liegt. Die Gegend dort erinnerte vor ungefähr 50 Millionen Jahren eher an das heutige Great Barrier Reef im Nordosten Australiens, heißt es in einer Aussendung der Uni Wien.

In der Region Lessinia unweit von Verona finden sich zwar keine Korallenriffe, aber eine sehr ergiebige Fundstelle für Fossilien. Bisher wurden dort die Überreste von über 230 Fischarten entdeckt, die im Erdzeitalter des Eozäns lebten. Eine weitere entdeckte das internationale Forschungsteam unter der Leitung von Giuseppe Marrama vom Institut für Paläontologie der Uni Wien.

Der Fund entpuppte sich einerseits als überaus gut erhalten und andererseits als recht eigentümlich: So hat etwa der eindrucksvollste heutige Vertreter der Rochen, der bis zu sieben Meter lange Mantarochen, einen stromlinienförmigen Körper inklusive beeindruckender, an Schwingen erinnernde Brustflossen, sowie einen langen, peitschenartigen Schwanz.

Flacher Körper und sehr kurzer Schwanz

Der "bizarre Rochen" aus dem Urmeer hingegen hatte einen flachen Körper, seine Brustscheibe und die Brustflossen waren eiförmig. Auffällig anders als bei den meisten der ausgestorbenen und heutigen Verwandten ist auch, dass das Tier einen sehr kurzen Schwanz hatte. Alles in allem sei der exotische Bauplan mit keinem bekannten Stachelrochen (Myliobatiformes) vergleichbar, so die Forscher.

Das Team sieht den neu entdeckten Ur-Rochen als Beleg dafür, wie die Evolution nach dem Massenaussterben nach dem Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren die freigewordenen ökologischen Nischen mit neuen Arten mit durchaus eigentümlichen Körperformen füllte. Nicht nur bei Knorpelfischen, zu denen die Rochen und Haie gehören, hätten sich damals neue anatomische Merkmale herausgebildet. "Lessiniabatis aenigmatica kann daher als ein kurzfristiges Experiment der Evolution in einer Zeit angesehen werden, als sich das Leben nach dem Aussterbeereignis am Ende der Kreidezeit langsam wieder erholte", so Marrama.

Service: https://www.nature.com/articles/s41598-019-50544-y

Zwei heutige Stachelrochen: a) Taeniura lymma; b) Neotrygon sp.

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