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Ergebnisse sollen in einem 600 Seiten starken Atlas erscheinen © APA (JOSEF GELERNTER)
Ergebnisse sollen in einem 600 Seiten starken Atlas erscheinen © APA (JOSEF GELERNTER)

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Wissenschafter vermessen Europas Säugetier-Landkarte neu

26.02.2020

Wie es um die Verbreitung von Wolf, Bär und Co bestellt ist, wird hierzulande heiß diskutiert. Trotzdem kommt der Säugetierkunde in Österreich eine "stiefmütterliche Rolle zu", sagte Friederike Spitzenberger. Sie gehört dem Steuerungskomitee eines Großprojekts an, das Europas Säugetiervorkommen komplett kartiert. Verzeichnet werden 272 Arten, viele davon sind gefährdet.

Mit seinem Erscheinungsjahr 1999 hat der Vorgänger-Atlas ("Atlas of European Mammals - EMMA1") schon mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel. Damals umfasste das verzeichnete Gebiet rund 6,7 Millionen Quadratkilometer, diesmal ist es mit ungefähr 11,6 Mio. Quadratkilometern fast doppelt so groß. Im ersten Atlas endete Europa etwa an Polens oder Ungarns Ostgrenze oder den baltischen Staaten, erklärte Spitzenberger die vor ihrer Pensionierung die Säugetiersammlung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien leitete, im Gespräch mit der APA.

Atlas soll 2024 erscheinen

Umgesetzt wird das neue Großprojekt von einer Reihe von Wissenschaftern unter dem Dach der Stiftung Europäische Säugetiere (European Mammal Foundation). Neben der Steuerungsgruppe gibt es mehr als 70 nationale Koordinatoren in 42 Ländern. Die Ergebnisse sollen 2024 in einem rund 600 Seiten starken Atlas gesammelt erscheinen.

Hier handle es sich laut dem Biologen und Sekretär der Stiftung, Laurent Schley, um das weltweit größte Kartierungsprojekt für Säugetiere. Die Informationen zur Verbreitung seien vor allem wichtig, um die Arten besser schützen zu können. Ausgewiesen wird die Säugetierfauna jeweils in 50 mal 50 Kilometer-Rastern über den ganzen Kontinent verteilt - insgesamt 4.676 werden es sein, erklärte Spitzenberger: "Jeder Punkt auf der Karte muss entweder zu einem Exemplar in einem Museums oder einer wissenschaftlichen Publikation zurückverfolgbar sein."

Dass sich etwa Biber, Wolf und Goldschakal in Europa ausbreiten oder auch der Elch und der Braunbär da und dort wieder im Vormarsch sind, wird man in der Karte voraussichtlich ablesen können. Vielen anderen Tieren gelingt das aber nicht, so etwa dem Europäischen Nerz, und auch um einige Fledermausarten ist es deutlich schlechter bestellt.

Mehr Arten als vor 20 Jahren

Insgesamt hat man es diesmal aber mit deutlich mehr Arten als jenen 194 zu tun, die vor 20 Jahren verzeichnet wurden. Das liegt nicht nur am vergrößerten Einzugsgebiet sondern auch daran, dass aufgrund der Fortschritte in der Genomanalyse in manchen Fällen aus einer Art mehrere wurden. So erging es etwa der Fransenfledermaus, die sich mittlerweile in vier Arten aufgespalten hat. Das hat auch Österreich einen Artenzuwachs beschert, als in Kärnten vor kurzem ein Fledermaus-Exemplar untersucht wurde, das sich als Mitglied einer anderen Art entpuppte, so Spitzenberger, die auch an der zweiten Auflage der 2001 erschienenen "Säugetierfauna Österreichs" arbeitet.

Klar sei, dass das Gros der europäischen Säugetierarten in irgendeiner Form bedroht ist. "Wir werden sehen, ob sich das in den Verbreitungsbildern abzeichnet", sagte die Zoologin. Die Datenlage zu den verschiedenen Tieren sei auch nicht einheitlich, denn systematisches Monitoring wird seit einiger Zeit nur bei Arten durchgeführt, die laut EU-Rahmenrichtliniengesetzgebung etwa in Österreich auch geschützt sind. Vor allem bei kleinen Säugtieren, wie verschiedensten Mäusearten, führe das dazu, "dass sich um sie heutzutage fast niemand mehr kümmert. Das ist das große Problem in vielen europäischen Ländern".

Dazu komme, dass gerade in Österreich die Säugetierkunde ein Schattendasein fristet, sagte Spitzenberger. Immer noch gebe es keinen einschlägigen Lehrstuhl an einer heimischen Universität. Im Gegensatz zu den Vogelkundlern könne man sich in dem Bereich auch nicht auf eine Vielzahl an Laienforschern bei der systematischen Beobachtung verlassen. Trotzdem werde sich der Österreich-Teil von "EMMA2" auf Zehntausende Daten stützen.

Ausbreitung und Aussterben

Was die Situation der Säugetiere hierzulande betrifft, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten "schon etwas getan", so die Wissenschafterin. So legte seit 1990 beispielsweise die ursprünglich aus Südostasien stammende Brandmaus eine "fantastische flächige Ausbreitung in kurzer Zeit" hin. Anzutreffen ist das Tier mit dem markanten schwarzen Strich auf dem Rücken bereits von der Südoststeiermark bis an die Donau bei Wien.

Nahezu ausgestorben ist hingegen u.a. die Langflügelfledermaus in Österreich. Nicht gut sehe es auch für die beiden heimischen Igelarten aus: "Es gibt sie zwar noch fast überall, sie sind aber mittlerweile wahnsinnig selten geworden."

Service: www.european-mammals.org

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