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Zuzug auf westliche Mittelmeerinseln aus vielen Richtungen © David Caramelli
Zuzug auf westliche Mittelmeerinseln aus vielen Richtungen © David Caramelli

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Woher die frühen Siedler Siziliens, Sardiniens und der Balearen kamen

24.02.2020

Woher die Bewohner der Balearen, Siziliens und Sardiniens in prähistorischer und antiker Zeit kamen, analysierte ein internationales Team um Forscher der Uni Wien anhand von alter DNA. Heraus kam ein Einwanderungs-Mosaik aus Menschen mit Vorfahren aus asiatischen Steppen, aus dem heutigen Iran oder auch aus Nordafrika, wie sie im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution" zeigen.

Mit der alljährlichen touristischen Völkerwanderung auf die westlichen Mittelmeerinseln sind die teilweise drei Jahrtausende vor Christus zurückliegenden Ereignisse nicht vergleichbar, die die Wissenschafter im Rahmen der bisher größten DNA-Studie für dieses Gebiet untersuchten. Aber schon in prähistorischen Zeiten spielte das Mittelmeer und seine Inselwelt eine wichtige Rolle in Wanderbewegungen, im Handel oder bei kriegerischen Auseinandersetzungen, heißt es in einer Aussendung der Uni Wien.

Aufgrund früherer groß angelegter Studien eines Forschungsverbundes um David Reich von der Harvard Medical School (USA) haben sich die Schleier rund um die Besiedlungsgeschichte von Festland-Europa in den vergangenen Jahren ein gutes Stück weit gelichtet. Über besagte Inseln war bisher jedoch wenig bekannt.

Erbgut von 66 Menschen untersucht

Die aktuelle Untersuchung umfasst des Erbgut von 66 Menschen, die vor bis zu 7.000 Jahren auf einer der Inseln gelebt haben und deren Überreste dort gefunden wurden. Sie wurde von einem Team um Ron Pinhasi und Daniel Fernandes von der Abteilung für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien geleitet, mitbeteiligt war u.a. auch Maria Teschler-Nicola vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien. Sieben der untersuchten Proben stammen aus der "Buffa II Höhle" auf Sizilien. Diese wurden bereits in den Jahren 1876 und 1877 auf Initiative des Begründers der Wiener Gesellschaft für Anthropologie, Ferdinand Andrian-Werburg (1835-1914), geborgen und befinden sich seither in der Sammlung der Anthropologischen Abteilung des NHM.

Bereits bekannt ist, dass in vielen Teilen Europas in der Bronzezeit Menschen aus den Steppengebieten der heutigen Ukraine und Russlands zuwanderten. Nun zeigte sich deren Einfluss auch auf den Balearen und Sizilien. Zur Überraschung der Wissenschafter kamen diese Menschen aber nicht nur aus dem Osten Europas, sondern "zumindest teilweise aus dem Westen, nämlich von der iberischen Halbinsel", so Reich. "Demnach fungierte die iberischen Halbinsel nicht nur als wichtiger Zielort für Ost-West-Wanderungen, sondern war auch ein wichtiger Ausgangspunkt für West-Ost-Bewegungen", schreiben die Wissenschafter in der Arbeit.

In der mittleren Bronzezeit vor rund 3.500 Jahren kamen offenbar vermehrt Menschen aus dem östlichen Mittelmeerraum in Sizilien an, deren Vorfahren wiederum einst aus den Gebieten des heutigen Irans stammten. Dieses Ergebnis passe gut dazu, dass sich zu jener Zeit die mykenisch-griechische Kultur von den griechischen Inseln her Richtung Westen ausbreiteten.

Sarden behielten Abstammungsprofil großteils bei

In dieser Periode fanden sich dagegen keine Hinweise auf Zuzug aus dem östlichen Mittelmeerraum auf den Balearen oder Sardinien. Obwohl Sardinien in den damaligen Handel im Mittelmeerraum eingebunden war, behielten die alten Sarden bis zum Ende der Bronzezeit ihr typisches jungsteinzeitliches Abstammungsprofil offenbar bei. Und selbst unter den modernen Bewohnern der Insel liege der Anteil der Gene, die auf die neolithischen Bauern zurückgehen, die Europa vor rund 8.000 Jahren erreichten, zwischen 56 und 62 Prozent.

Interessante "Ausreißer" identifizierten Wissenschafter auf Sardinien aber trotzdem: So trug eine Person, die zwischen 2.345 und 2.146 vor Christus verstarb einen großen Erbgut-Anteil nordafrikanischen Ursprungs. Auch eine Person, die offenbar von der iberischen Halbinsel stammte, verzeichneten die Forscher dort. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Seewanderungen aus Nordafrika lange vor der Ära der Seefahrerzivilisationen des östlichen Mittelmeers begannen und darüber hinaus in mehreren Teilen des Mittelmeers stattfanden", so Pinhasi. Ab der beginnenden Eisenzeit (rund 800 vor Christus) beeinflussten dann die Griechen und Phönizier durch ihre Kolonien auf den westlichen Mittelmeerinseln die Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung.

Service: https://doi.org/10.1038/s41559-020-1102-0

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