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Friederike Range, Leiterin des Wolf Science Center, mit einem Wolf © APA
Friederike Range, Leiterin des Wolf Science Center, mit einem Wolf © APA

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Wolfsforschungszentrum - Range: "Zeigen andere Perspektive des Wolfs"

24.04.2019

Seit zehn Jahren untersuchen Wissenschafter am Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn (NÖ) Wölfe und Hunde. Für die Leiterin des Wolfs Science Centers (WSC), Friederike Range, die die Forschungseinrichtung gemeinsam mit Kurt Kotrschal und Zsofia Viranyi gegründet hat, konnte in der bisherigen Arbeit "eine andere Perspektive vom Wolf aufgezeigt werden", wie sie im Gespräch mit der APA erklärte.

Frage: Wie hat sich das Wolfsforschungszentrum bisher entwickelt?

Friederike Range: Insgesamt sehr gut, sicherlich sehr viel besser, als wir uns je erhofft hätten. Wir haben uns international zu einer sehr anerkannten Forschungsinstitution entwickelt, wir sind weltweit einmalig und haben vom wissenschaftlichen her eine andere Perspektive vom Wolf aufgezeigt.

Frage: Was ist das "weltweit einmalige" am Wolfsforschungszentrum?

Range: Wir haben Wölfe und Hunde, die handaufgezogen sind. Das heißt, dass die Hunde genau die selbe Erfahrung haben wie die Wölfe. Sie leben in Gehegen mit Artgenossen zusammen und bilden Rudel. Dadurch können wir die Hunde und Wölfe miteinander vergleichen, weil sie einfach die selbe Erfahrung haben. Wenn wir Unterschiede im Verhalten finden, etwa wie sie Probleme lösen, dann hat es wahrscheinlich auch einen genetischen Hintergrund.

Frage: Wie ist ihre wissenschaftliche Bilanz nach zehn Jahren? Hat sich das Bild von Wolf und Hund durch Ihre Erkenntnisse geändert?

Range: Es hat sich sicherlich ein bisschen geändert. Als wir angefangen haben, hieß es eher, der tolerante, artige Hund und der - auch gegenüber Artgenossen - aggressivere Wolf. Was wir zeigen konnten ist, dass der Wolf ein sehr tolerantes Tier ist, vor allem gegenüber seinen Artgenossen, und er sehr kooperativ ist. Er kooperiert viel besser mit seinen Artgenossen als ein Hund mit einem anderen Hund zusammenarbeiten würde. Die Hunde verteidigen auch ihr Futter viel mehr, während der Wolf doch eher auch teilt, vor allem mit Rudelmitgliedern. Da gibt es viele Unterschiede, wo der Wolf sich als sehr intelligentes und soziales Tier erweist.

Unsere letzten Kooperationsversuche haben zudem gezeigt, dass der Wolf sehr gut mit dem Menschen kooperiert, allerdings auf Augenhöhe, er initiiert Verhalten, während der Hund eher derjenige ist, der eher folgt. Das macht ihn auch zum besseren Haustier. Aragorn hier (Aragorn ist der größte Wolf am WSC und seit elf Jahren am Zentrum, Anm.) hätte ich nicht so gerne zu Hause. Der würde wahrscheinlich interessiert sein, was im Kühlschrank versteckt ist, und es wäre ihm egal was ich sage.

Frage: Wie soll es nach zehn Jahren weitergehen, was sind aktuelle Projekte und Pläne?

Range: Wir arbeiten immer noch sehr stark am Thema Kooperation und werden das auch in den nächsten paar Jahren noch weitermachen. Ebenso bei den Fragen, was die Tiere verstehen, ob sie ein Rollenverständnis haben, ob sie verstehen, dass sie an einem Problem zusammenarbeiten und den anderen wirklich brauchen. Wir werden weiterarbeiten an der Mensch-Tier-Beziehung, da sind wir erst am Anfang, was diese Beziehung ausmacht. Wir werden auch ein bisschen in Richtung physikalisches Verständnis Forschung betreiben, also was die Tiere von ihrer Umwelt verstehen. Und wir verstärken auch die Freilandforschung: Wir arbeiten mit frei lebenden Hunden in Marokko, wo wir die soziale Ökologie dieser Tiere verstehen wollen, wie sie mit Artgenossen umgehen, wenn der Mensch nicht in der Umgebung ist. Zudem hoffen wir auch die Freilandforschung mit Wölfen auszubauen, um den Wolf ein bisschen besser zu verstehen.

Frage: Der Wolf im Freiland war zu Beginn ihrer Arbeit hierzulande kaum ein Thema, jetzt ist es ein großes. Können Sie hier am WSC Erkenntnisse über das Zusammenleben mit Wölfen gewinnen, bzw. bei den vielen Besuchern Verständnis für den Wolf erwecken?

Range: Wir können sicher Verständnis wecken, weil wir zeigen, dass das ein sehr soziales und intelligentes Tier ist - umso mehr Verständnis hat man dann vielleicht auch für sie. Natürlich ist es ein Raubtier und wird auch immer ein Raubtier bleiben, insofern wird es immer einen Konflikt geben mit dem Wolf. Aber wir sollten vielleicht ein wenig Verständnis für den Wolf aufbringen, es ist sein natürliches Verhalten, dass er jagt.

(Das Gespräch führte Christian Müller/APA)

Friederike Range mit einem Wolf

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