Politik & Wirtschaft

In ihrer Forschungsarbeit entwickelt Elisabeth Mertl In-vitro Testmethoden, damit Hersteller von Medizinprodukten für ihre Zulassungsverfahren auf Tierversuche verzichten können © OFI
In ihrer Forschungsarbeit entwickelt Elisabeth Mertl In-vitro Testmethoden, damit Hersteller von Medizinprodukten für ihre Zulassungsverfahren auf Tierversuche verzichten können © OFI

Partnermeldung

ACR Woman Award: Elisabeth Mertl entwickelt tierversuchsfreie Testmethoden

09.10.2019

Die Biotechnologin Elisabeth Mertl, 27, ist seit 2011 beim ACR-Institut OFI tätig, wo sie sich vor allem auf Mikrobiologie und Zellkultur spezialisiert hat. In ihrer Forschungsarbeit entwickelt sie In-vitro Testmethoden - so nennt man Versuche an Zellen - damit Hersteller von Medizinprodukten für ihre Zulassungsverfahren auf Tierversuche verzichten können. Für ihre Leistungen im Projekt "BioRelation" wurde sie am 8. Oktober mit dem ACR Woman Award 2019 ausgezeichnet.

Elisabeth Mertl kam 2011 während ihres Studiums der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur zum OFI, zuerst geringfügig, später in Vollzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Mittlerweile hat sie ihre Dissertation eingereicht und steht kurz vor dem Sprung zum Senior Scientist. In ihrem Fachgebiet Mikrobiologie und Zellkultur beschäftigt sie sich hauptsächlich mit der Hautverträglichkeit von Medizinprodukten. Gerade im medizinisch-pharmazeutischen Bereich ist es wichtig, die Belastung von medizinischen Produkten für Patientinnen und Patienten so gering wie möglich zu halten. Dafür sind toxikologische Untersuchungen und Risikobewertungen unumgänglich. Zur Bestimmung der sensibilisierenden und irritierenden Eigenschaften von immer komplexer werdenden Medizinprodukten sind Tierversuche jedoch nach wie vor State-of-the-art. Der gesellschaftspolitische Druck, diese Testmethoden durch In-vitro Modelle zu ersetzen, führt aber nach und nach zur Entwicklung neuer Prüfstrategien, so auch im Projekt "BioRelation". "Unser Ziel war es, dass Hersteller von Medizinprodukten für ihre Geräte und Materialien eine Zulassung bekommen, ohne auf Tierversuche, die noch in den Regelwerken verankert sind, zurückgreifen zu müssen", erklärt Elisabeth Mertl.

Besser als Tierversuche

Im ersten Schritt haben Elisabeth Mertl und ihr Team eine geeignete Extraktionsmethode entwickelt. Anschließend haben sie verschiedene 3D-Hautmodelle (MatTek) herangezogen, diese auf unterschiedliche Extrakte getestet und die Ergebnisse verglichen. Im dritten und letzten Schritt hat Mertl zur Detektion von Hautsensibilisierung drei in-vitro bzw. in-chemico, also rein chemische, Tests etabliert. Mit Hilfe der generierten Daten aus diesen Tests und Literaturdaten aus Tierversuchen, konnte sie schließlich eine sehr hohe Sensitivität der In-vitro Alternativen bestätigen. "Durch unsere alternativen Methoden kommt kein Tier mehr zu Schaden", zeigt sich Mertl erfreut. Mehr noch: "Wir haben in unterschiedlichen Versuchen gezeigt, dass unsere In-vitro Methoden ähnliche oder sogar sensitivere Ergebnisse liefern als die gängigen In-vivo Tests, sprich Tierversuche", ergänzt die Forscherin.

Großes Interesse

Die Ergebnisse dieses Projekts haben nicht nur wissenschaftlich Aufmerksamkeit erregt, auch Unternehmen haben großes Interesse gezeigt, ihren Kunden Produkte anbieten zu können, die tierversuchsfrei geprüft wurden. "Nun führen wir laufend Prüfungen für Unternehmen durch und konnten in Zusammenarbeit mit Medizinprodukteherstellern auch einige Produktentwicklungen und -optimierungen erzielen", so Mertl zum Erfolg dieser Methode. Nun kämpft sie dafür, dass die tierversuchsfreie Methoden in Regelwerke aufgenommen werden. Die Chancen stehen gut, da die Normen zurzeit umgestaltet werden und sich ein Trend zu In-vitro Methoden bemerkbar macht. "Es motiviert mich sehr zu wissen, dass das, womit ich mich täglich beschäftige, ein aktuell brandheißes Thema ist, zu dessen Lösung ich aktiv beitragen kann", sagt Mertl.

Erfolg auf ganzer Linie

Durch das von der FFG geförderte Projekt konnte das OFI nicht nur neue Wege in der tierversuchsfreien Untersuchung von Materialien beschreiten, sondern auch viel Know-how aufbauen. "In den letzten fünf Jahren haben zehn Studierende ihre Bachelor- und Masterarbeiten im OFI zu dem Thema absolviert, fünf neue Mitarbeiter_innen fanden im OFI einen Arbeitsplatz", fasst OFI Geschäftsführer Udo Pappler zusammen. Gleich zwei weitere Forschungsprojekte bauen auf dem bereits etablierten Testsystem auf. Im Projekt "Orthoflex.c" soll eine Knochenplatte entwickelt werden, die aus Epoxidharz besteht und den Vorteil hat, im Röntgenbild "durchsichtig" zu sein. Bei komplizierten Brüchen hat der Arzt so die Möglichkeit, den Verlauf und Erfolg der Heilung besser verfolgen zu können. In einem zweiten Projekt "Meditex" werden gemeinsam mit Partnern aus der Industrie medizinische Textilien bzw. Gewebe entwickelt. In beiden Projekten hat Elisabeth Mertl die Projektleitung übernommen.

Rückfragehinweis:
Mag. Rita Kremsner
Öffentlichkeitsarbeit
ACR - Austrian Cooperative Research
Haus der Forschung, Sensengasse 1, 1090 Wien
Tel. 01 219 85 73-12, kremsner@acr.ac.at

_________________________________________________

Der ACR Woman Award wird an eine Forscherin in einem naturwissenschaftlich-technischen Gebiet vergeben, die an einem ACR-Institut arbeitet. Ziel ist es, mit diesem Preis die individuelle Leistung der ausgezeichneten Wissenschaftlerin sichtbar zu machen und Frauen zu motivieren, eine Karriere in Naturwissenschaft und Technik einzuschlagen. Die eingereichten Anträge werden hinsichtlich Entwicklungspotenzial der Wissenschaftlerin, Innovationsgehalt des Projekts und praktische Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse beurteilt. Die Jury setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern folgender Stellen zusammen: Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, KMU Forschung Austria, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Rat für Forschung und Technologieentwicklung, Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich. Die Forscherin erhält ein Preisgeld in der Höhe von 2.000 Euro.

ACR - Austrian Cooperative Research ist ein Netzwerk von privaten Forschungsinstituten, die Forschung & Entwicklung für Unternehmen betreiben. Ihr bedarfsorientiertes Angebot richtet sich speziell an KMU, um sie an Innovationen heranzuführen bzw. sie in ihren Innovationsbestrebungen zu unterstützen, ihnen das nötige Know-how zu vermitteln und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dazu kommen Prüfen, Inspizieren und Zertifizieren sowie Technologietransfer und Wissenstransfer. 2018 erwirtschafteten die ACR-Institute einen Gesamtumsatz von 64 Millionen Euro. www.acr.ac.at

Das OFI ist der Experte für Werkstoffanwendungen und Bauwerkserneuerung und aktiv an der Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Produktlösungen beteiligt. Als größte private Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle Österreichs bietet das OFI seinen Kunden langjähriges interdisziplinäres Experten-Know-how für die Qualitätssicherung von bestehenden sowie die Entwicklung von neuen Produkten und Lösungen. www.ofi.at

STICHWÖRTER
Wien  | Technologie  | Forschung  | Auszeichnung  | Frauen  |
Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung