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Harsche Kritik an Putin © APA (AFP)
Harsche Kritik an Putin © APA (AFP)

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Coronavirus - Wirtschaftswissenschafter appellieren an Kreml

27.03.2020

Russlands führende Wirtschaftswissenschafter haben sich in einem dramatischen Appell an die russische Regierung gewandt und ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen. "Man darf aber für die Umsetzung keine Zeit verschwenden. Sonst kommt es zu einer massiven Schrumpfung der Wirtschaft und einem bedeutsamen Verlust an Menschenleben", erklärten sie im auf Facebook veröffentlichten Text.

Neben der Forderung, eine Ausgangssperre einzuführen, die Ausrüstung von medizinischem Personal sicherzustellen sowie keine Handelsbeschränkungen für Lebensmittel und Medikamente einzuführen, konzentrierten sich die prominenten Experten auf Wirtschafts- und Sozialpolitik.

"Koste es, was es wolle"

"Es ist notwendig zu verkünden, dass die Zentralbank die Liquidität des Bankensystems unterstützt, koste es, was es wolle", erklärten die Autoren, darunter der Rektor der privaten Moskauer Eliteuniversität New Economic School Ruben Jenikolopow und dessen ins Exil gedrängter Vorgänger Sergej Gurijew.

Die verkündete Stundung von Kreditrückzahlungen und ein Moratorium auf Insolvenzen sei vernünftig, betonten sie. Allerdings müssten diese Maßnahmen um angemessene staatliche Garantien für den Bankensektor ergänzt werden. Gefordert wurden auch Subventionszahlungen für besonders betroffene Unternehmen und Bevölkerungsgruppen.

Keine Ausgangsbeschränkungen

Kritik übten die Wirtschaftswissenschafter an Präsident Wladimir Putin, der am 25. März lediglich eine Urlaubswoche ab dem 28. März, aber keine Ausgangsbeschränkungen verkündet hatte.

Die Wirtschaftswissenschafter forderten zudem eine offene Kommunikationspolitik. "Das Verschweigen von Informationen, auch von negativen, kann zu Panik und noch schlimmeren Folgen führen", schrieben sie. Der Erfolg von Ausgangsbeschränkungen und ein Ausstieg aus der Krise setzten insbesondere ein bewusstes Verhaltens der Bürger voraus, hieß es in der Erklärung.

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