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Eva Wanzenböck, Leiterin der Romer Labs Division Holding GmbH © Daniel Hinterramskogler
Eva Wanzenböck, Leiterin der Romer Labs Division Holding GmbH © Daniel Hinterramskogler

Kooperationsmeldung

Die Wichtigkeit der Bestimmung von Lebensmittelallergenen

06.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit Ecoplus

Eva Wanzenböck ist seit Jänner 2015 Leiterin der Romer Labs Division Holding GmbH, verantwortlich für das operative Geschäft und die strategische Ausrichtung. Zuvor war sie von 2011 bis 2014 Geschäftsführerin der Regionalen Business Unit Romer Diagnostic. Sie studierte Molekularbiologie an der Universität Wien - in ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit Pflanzengenetik. Das Thema ihrer Masterthesis an der Donau-Universität Krems war "Allergenmanagement - Herausforderung für die Lebensmittelindustrie und Chance für Anbieter von diagnostischen Testsystemen". Zu ihren Forschungshighlights zählt sie ihre Dissertation, die publiziert wurde und aus der sich ein Patent ergab, sowie das Füllen der Romer Labs Pipeline mit innovativen Produkten.

Zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden an einer Lebensmittelallergie. Nimmt die Zahl der Allergiker zu?

Eva Wanzenböck: Viele Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der Allergiker zunimmt.

Was sind die Gründe dafür?

Wanzenböck: Die Spekulationen reichen von unseren Essgewohnheiten bis hin zu falscher Ernährung während der Schwangerschaft. Wissenschaftlich fundierte Beweise gibt es nicht.

Welche sind die häufigsten Allergien?

Wanzenböck: Nussallergien bei Erwachsenen.

Was beinhaltet die EU-Verbraucherinformationsverordnung zur Lebensmittel-Kennzeichnung? Wird sie in ausreichender Form umgesetzt?

Wanzenböck: Ja. Der europäische Gesetzgeber hat für zahlreiche Zutaten in verpackten Lebensmitteln mit einer Kennzeichnungsschrift reagiert: Allergene wie Krebstiere, Eier, Fische, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen, Weichtiere und auch Gluten müssen im Zutatenverzeichnis genannt werden.

Wie können Lebensmittelhersteller über sämtliche Prozesse hinweg - vom Anbau in der Landwirtschaft bis zum verpackten Produkt - eine allergenfreie Produktion sicherstellen?

Wanzenböck: Lebensmittelhersteller sind bemüht, die gesamte Supply Chain unter Kontrolle zu haben. Viele Betriebe testen "in house", bevor Produkte im Regal landen oder beauftragen Labors, Untersuchungen durchzuführen. Allergenfrei müssen nur jene Produkte sein, die als "allergenfrei" im Regal landen. Wenn z. B. ein Nudelproduzent Spaghetti als "free from egg" vermarktet, muss sichergestellt sein, dass keine Spuren von Eiproteinen im Produkt vorliegen. Rohwaren und Produktionslinien müssen in diesem Fall frei von Ei-Rückständen sein.

Wie wichtig ist Transparenz? Ist eine mehr oder weniger weltweite Lebensmittelsicherheit in der Industrie (jemals) möglich?

Wanzenböck: Das Qualitätsmanagement ist in den meisten Betrieben für die Dokumentation verantwortlich. Ich gehe davon aus, dass Betriebe sich ihrer Verantwortung bewusst sind und Produktionsprozesse unter Kontrolle haben. Totale, weltweite Lebensmittelsicherheit ist unmöglich, da Fehler nie ausgeschlossen werden können.

Welche Schwierigkeiten kommen da auf Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu?

Wanzenböck: Allergenfreie Lebensmittel herzustellen ist eine Herausforderung für die Industrie. Rohware muss allergenfrei sein, Produktionslinien müssen penibel sauber sein und die Produktion erfordert eigens geschultes Personal. Ein implementiertes Allergenmanagement ist Voraussetzung. Lebensmittelproduzenten erarbeiten ein Konzept, von der Warenanlieferung bis zur Auslieferung des Produkts, in dem Produktionsprozesse beschrieben sind. Die Mitarbeiter haben sich an die Vorschriften zu halten.

Wie kann bzw. wird Romer Labs auf künftige Entwicklungen reagieren?

Wanzenböck: Romer Labs bietet der Industrie diagnostische Lösungen, um Lebensmittelallergene zu detektieren. Mittels Streifentests oder ELISAs (Enzymelinked Immunosorbent Assays) können in wenigen Minuten Lebensmittelallergene im Produkt oder auf Oberflächen, z. B. Produktionslinien, nachgewiesen werden.

Welche Forschungsschwerpunkte gibt es derzeit in Tulln?

Wanzenböck: Die Forschungsabteilung in Tulln beschäftigt sich mit diagnostischen Lösungen für die Detektion von Mykotoxinen und Bakterien.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie noch im Zusammenhang mit "Landwirtschaft 4.0"?

Wanzenböck: Automatisierung, Digitalisierung und Blockchain sind wichtige Themen, die in den nächsten Jahren nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Lebensmittelindustrie beschäftigen werden.

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