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Stefan Alexander Jenzowsky, Manfred Tscheligi, Moderatorin Birgit Dalheimer © FWF/Michèle Pauty
Stefan Alexander Jenzowsky, Manfred Tscheligi, Moderatorin Birgit Dalheimer © FWF/Michèle Pauty

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Die Zukunft ist schon da

30.10.2019

Selbstfahrende Autos werden künftig unseren Alltag prägen. Wo diese technologische Entwicklung am weitesten vorangeschritten ist, warum Europa Aufholbedarf hat und wie sich die Zukunft der Mobilität gestalten wird, darüber haben der Unternehmer Stefan Jenzowsky und der Grundlagenforscher Manfred Tscheligi bei der Veranstaltung AM PULS des Wissenschaftsfonds FWF diskutiert.

Noch erinnern Automobile ohne Fahrer an Science Fiction. Tatsächlich sind sie bereits Realität, nicht nur, was die technologische Entwicklung betrifft. So ist etwa in manchen Staaten Amerikas autonomes Fahren heute bereits erlaubt, und in europäischen Pilotversuchen kommen Busse oder LKWs inzwischen ohne Lenkerin und Lenker aus. Fest steht, dass autonome Fahrzeuge in den kommenden Jahrzehnten das klassische Straßenbild grundlegend verändern werden, in etwa so wie die Digitalkameras ab den 1990er-Jahren die Fotografie revolutionierten. Die Fachwelt spricht in diesen Fällen von disruptiven Technologien. Gemeint sind Entwicklungen, die das Bestehende herausfordern, allmählich ersetzen oder es schließlich ganz vom Markt verdrängen.

USA und China auf der Überholspur

Solche Innovationen passieren oft unbemerkt, bevor sie im Mainstream ankommen. Aus kleinen Ideen einzelner Personen entstehen große und irgendwann springen die Unternehmen auf - oder auch nicht. Einer der diesbezüglich große Bedenken äußert, ist der deutsche Start-up-Experte und Mitbegründer von Kopernikus Automotive, Stefan Jenzowsky. Er zählt zu den Pionieren im Bereich des autonomen Fahrens und seine Geschichte beginnt mit dem Hacking eines VW Golfs, wie er bei der Veranstaltung AM PULS am 14. Oktober 2019 im Wiener Theater Akzent erzählt. Jenzowsky fürchtet, dass die europäische Autobranche und Politik die Digitalisierung schlicht verschlafen werde. Ohnedies hätten Amerika und China längst die Nase vorne, wie der Unternehmer am Beispiel der Forschungsinvestitionen dieser Länder darlegt. "Während Deutschland rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz auf dem Sektor investiert, treiben die USA diese mit 80 Milliarden pro Jahr an." Unternehmen wie Waymo, eine Google-Tochter, oder Uber würden schon jetzt riesige Flotten von Autos aufkaufen und umrüsten. Europa sei da nicht dabei, gibt Jenzowsky zu bedenken.

Das Fahren von morgen sieht anders aus

Dass im autonomen Fahren großes Potenzial steckt, bestätigt der Grundlagenforscher und Experte für die Interaktion von Mensch und Computer, Manfred Tscheligi, bei der Podiumsdiskussion des FWF. Besonders im öffentlichen Verkehr sehen beide Podiumsgäste in naher Zukunft Modelle, die das Thema Mobilität zum Vorteil aller Beteiligten einen großen Schritt weiterbringen könnte. Ihre Vorstellung davon sieht in etwa so aus: Haltestellen werden obsolet, private Autoflotten passen sich verstärkt an individuelle Bedürfnisse an und fahren umweltschonend und zudem günstig oder gar kostenlos. Auch das private Fahrerlebnis wird laut den Experten eine Disruption erfahren. Fahrschulen werden bald nur mehr in der Erinnerung existieren, und wer noch im Besitz eines Führerscheins ist, und mit einem Auto ohne Lenkrad und Pedale so gar nichts anfangen kann, wird an seinem freien Tag seinen "Oldtimer" hervorholen und eine Runde nach altem Stil drehen.

Wie sicher sind selbstfahrende Fahrzeuge?

Diese Szenarien werden nicht von heute auf morgen Realität werden. Tscheligi sagt, er könne sich einen Mischbetrieb mit traditionellem Verkehr und autonomem sowie semi-autonomem Fahren in rund zehn Jahren in Europa vorstellen. Bleibt noch die Frage zur Sicherheit offen, die viele beschäftigt, wie auch die Diskussion mit dem Publikum bei der Veranstaltung zeigt. Laut Stefan Jenzowski sind autonome Fahrzeuge deutlich sicherer und präziser als Fahrzeuge mit Menschen. Die Basis dafür bildet eine Technologie, die vom menschlichen Verhalten lernt, die aber letztendlich mehr kann als Menschen. Manfred Tscheligi, der das Center for Human-Computer Interaction an der Universität Salzburg sowie das Center for Technology Experience am Austrian Institute of Technology (AIT) leitet, spricht vom Stellenwert des Vertrauens und der gesellschaftlichen Akzeptanz. "Neue Technologien werden von Menschen entwickelt und gesteuert", betont der Experte. Dabei müssten Fragen zu Kooperation, zu gemeinsamen Zielen, zu Design und Transparenz im Zentrum stehen. Autonome Fahrzeuge sollten beispielsweise deutlich erkennbar sein. "Oder werden Fehler gemacht, so müssen diese offen angesprochen werden, das sei eine Form, Vertrauen aufzubauen", nennt Tscheligi Beispiele.

So viel scheint nach den Ausführungen des Start-up-Experten und Grundlagenforschers festzustehen: Künstliche Intelligenz wird neue Formen der Kooperation von Mensch und Maschine erfordern, je mehr Roboter zu sozialen Akteuren der Gesellschaft werden. Und das Auto der Zukunft wird jedenfalls anders sein.

Im Dialog mit der Öffentlichkeit

Die Veranstaltungsreihe AM PULS ist eine Initiative des Wissenschaftsfonds FWF. Das Wissenschaftsformat lädt seit 2007 die Bevölkerung zum Dialog mit der Wissenschaft. Renommierte Forscherinnen und Forscher berichten bei AM PULS aus ihrem Arbeitsalltag, über neue Methoden und Erkenntnisse und vermitteln dabei die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft. Die Themen der Reihe spiegeln die Vielfalt der vom FWF geförderten Projekte aus der Grundlagenforschung wider und reichen von der Weltraumforschung über Krebstherapie bis zu Datenschutz und Archäologie.

Terminvorschau:

Die nächste AM-PULS-Veranstaltung zum Thema "50 Jahre Mondlandung" findet am Mittwoch, den 4. Dezember 2019 im Theater Akzent in Wien statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldung erforderlich: bauder@prd.at

Weitere Informationen unter: https://www.fwf.ac.at/de/news-presse/veranstaltungsrueckblick/einzelansicht/eventreview/die-zukunft-ist-schon-da/eventpid/921/back/256/

Quelle: FWF

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