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EU-Vergleich: 60 Prozent geringere Klimabelastung bei Chemieproduktion in Österreich

03.09.2019

Ob bei der Herstellung von hochwertigen Kunststoffen, lebensrettenden Medikamenten oder beim Einsatz von innovativen Technologien zur Energieeffizienz. Österreichs chemische Industrie gehört im internationalen Vergleich zu den Vorreitern bei der klimafreundlichen Produktion. In Österreich werden lediglich 37,46 Tonnen CO2 pro Terajoule (TJ) Energieverbrauch in der Herstellung von Produkten der chemischen Industrie freigesetzt. Damit liegt Österreich auf Platz 3 im EU-Vergleich. Weniger Treibhausgase in der chemischen Produktion emittieren nur Litauen und Schweden. Der EU-Schnitt liegt bei 61 Tonnen CO2/TJ. Das entspricht etwa einer 60 Prozent höheren Treibhausgasbelastung als in Österreich. Große Produktionsländer wie Deutschland oder Großbritannien schneiden mit knapp 70 Tonnen CO2/TJ sogar noch schlechter ab. Zu den Schlusslichtern bei den Ländern mit bedeutender Chemieproduktion in der EU gehört Polen mit 108,92 Tonnen CO2/TJ. Das ergibt die Auswertung einer aktuellen Studie des Instituts für Industrielle Ökologie*, bei der unter anderem die Emissionsintensität in der Chemieproduktion untersucht wurde. "Die chemische Industrie ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, weshalb wir uns neben der Entwicklung von Umwelt- und Zukunftstechnologien auch eine möglichst klimafreundliche Produktion als Ziel gesetzt haben. In diesem Bereich haben wir schon große Fortschritte erzielen können, wie der internationale Vergleich bei den CO2-Emissionen eindrucksvoll zeigt. Wichtig ist jetzt, dass die zukünftige Regierung auf Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel setzt, die diese Erfolge befördern und nicht durch populistischen Aktionismus zerstören", mahnt Hubert Culik, Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) eine sachorientierte Politik im Umweltbereich ein.

Moderne Technologien, Effizienz und Energiemix entscheidend

Die Gründe für die niedrigeren CO2-Emissionen bei der Produktion in der chemischen Industrie in Österreich liegen vor allem im Einsatz modernster Technologien bei der Herstellung von Chemikalien und Gütern und beim Energiemix in der Stromproduktion. Ein entscheidender Faktor sind die Bemühungen der Unternehmen, ihren Rohstoff- und Ressourceneinsatz ständig zu optimieren. Ebenso die Entwicklung von innovativen Materialien und die Verbesserung von Prozessen, um weniger Energie zu verbrauchen. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Minimierung der Treibhausgasemissionen bei der Produktion ist der Energiemix bei der Stromerzeugung. Hier gibt es klare Standortvorteile für Österreich. Mit einem Anteil von etwa 75 Prozent Erneuerbarer Energie durch Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie ist die Produktion von chemischen Gütern weitaus klimafreundlicher möglich als in Ländern mit einem hohen Anteil fossiler Brennstoffe bei der Stromerzeugung.

Hohe Treibhausgasemissionen bei der chemischen Produktion in Asien und den USA

Dies zeigt sich insbesondere, wenn man über den europäischen Tellerrand blickt. Vor allem in asiatischen Schwellenländern ist die Klima-Belastung bei der Produktion sehr hoch. Mit 134,46 Tonnen CO2/TJ liegt der Wert der Emissionen in Indien mehr als dreimal so hoch wie in Österreich. Eine entscheidende Ursache dafür ist der Anteil an Kohle bei der Stromproduktion. Dieser liegt am indischen Subkontinent bei etwa 75 Prozent**. Noch bedeutender ist dieser Faktor in China auf Grund der globalen Bedeutung der chinesischen Chemieindustrie. Bis 2030 wird diese wahrscheinlich für mehr als die Hälfte der globalen chemischen Produktion verantwortlich sein. In der aufstrebenden Supermacht liegen die Treibhausgasemissionen bei 104,36 Tonnen CO2/TJ. Auch hier ist eine der Hauptursachen ein sehr hoher Anteil von Kohle bei der Stromproduktion, der in China knapp 70 Prozent ausmacht. In den Vereinigten Staaten von Amerika, der dritte große Player im Chemiebereich neben Europa und China, liegen die Emissionswerte der chemischen Industrie ebenfalls deutlich über denen Österreichs. Mit 70,82 Tonnen CO2/TJ ist die Lage zwar weniger dramatisch als in Asien, die Treibhausgase bei der Produktion sind aber immer noch fast doppelt so hoch wie in der Alpenrepublik. Generell zeigen die Ergebnisse der Studie, dass pro emittierter Tonne CO2 in der chemischen Industrie in Österreich etwa 1,8 Tonnen CO2 global eingespart werden könnte. "Die Belastung für das Klima durch die Industrie ist in Fernost und den USA deutlich höher als in Europa. Wenn man die Produktion chemischer Güter von Österreich nach China oder Indien verlagert, würde eine zusätzliche Belastung von mehreren Millionen Tonnen CO2 jedes Jahr entstehen. Wer ernsthaft Klimaschutz will, muss auch dafür eintreten, die industrielle Produktion im chemischen Bereich in Österreich zu halten", so Hubert Culik zu den Ergebnissen der Studie.

Politische Rahmenbedingungen entscheidend für den Produktionsstandort

Um am Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, braucht die chemische Industrie Rückenwind von Seiten der Politik. Ein zentraler Punkt dabei ist die Verwendung der Einnahmen durch den Emissionshandel. Die Erlöse aus den Zahlungen der heimischen Industrie sollten für Low-Carbon-Projekte zur Verfügung stehen, wie es in anderen europäischen Ländern längst Realität ist. Die Rückführung der Einnahmen könnte man für klimafreundliche Investitionen und für einen Technologiewechsel verwenden. Ebenso wichtig wäre der Einsatz für eine weltweite, einheitliche CO2-Bepreisung. Nur so kann verhindert werden, dass industrielle Produktion aus emissionsarmen Hochtechnologieländern in Regionen abwandert, wo für klimaschädliche Emissionen keine oder geringere Kosten anfallen. "Wer Klimaschutz möchte, muss auch für den Erhalt der heimischen Industrie eintreten. Eine Abwanderung würde nicht nur massive Wohlstandsverluste in Österreich bewirken, sondern auch einen deutlichen Anstieg der globalen Treibhausgase verursachen. Die Politik ist daher gefordert, vor allem auch solche Maßnahmen zu entwickeln, die auf eine weltweite CO2-Reduktion abzielen", so Culik.

Eine grafische Aufbereitung zu den Detailergebnissen der EU-28 finden Sie unter: http://www.fcio.at/aktuelles/aktuelles/eu-vergleich-60-prozent-geringere-klimabelastung-bei-chemieproduktion-in-oesterreich

*"climApro – Welche Effekte kann eine Veränderung der industriellen Produktionsstrukturen in Österreich für den globalen Klimaschutz bewirken? Eine Potenzialanalyse", August 2019

** IEA Renewables Information 2018 (Daten zum Energiemix bei der Stromproduktion für Indien und China)

Über den FCIO:

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessensvertretung der chemischen Industrie in Österreich. Derzeit vertritt der Verband etwa 250 Unternehmen aus der chemischen Industrie, welche neben der Kunststoff- und Pharmaindustrie auch die Produktion von organischen und anorganischen Chemikalien, Chemiefasern und Lacken umfassen. Mehr als 45.000 Beschäftigte in der chemischen Industrie haben 2018 Waren im Wert von über 16 Milliarden Euro hergestellt. Der FCIO setzt sich für einen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen und attraktiven Chemiestandort Österreich mit einem forschungs- und technologiefreundlichen Umfeld ein. www.fcio.at

Rückfragehinweis:
   FCIO - Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs 
   Mag. Andreas Besenböck 
   Tel.: +43(0)5 90 900-3372 
   Mobil: +43 (0)664 8179057 
   besenboeck@fcio.at 
   www.fcio.at

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