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Instabile Regierungen ergreifen weniger umweltschützende Maßnahmen © APA (dpa)
Instabile Regierungen ergreifen weniger umweltschützende Maßnahmen © APA (dpa)

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"Failed States" versagen auch beim Klimawandel

28.10.2019

Für die Erreichung der Klimaziele sind auch die politischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Staaten von Bedeutung. Das zeigt eine im Fachjournal "Nature Sustainability" veröffentlichte Studie mit Beteiligung österreichischer Forscher. Im schlimmsten Fall könnte in 50 Jahren fast ein Drittel der Weltbevölkerung in politisch instabilen Ländern leben.

"Wir haben Evidenz, dass Länder mit instabilen, korrupten Regierungen mit wenig Rechtsstaatlichkeit weniger anpassungsfähig in punkto Klimawandel sind und damit auch weniger umweltschützende Maßnahmen ergreifen", so Jesus Crespo Cuaresma, Professor an der Wirtschaftsuniversität (WU) sowie Forscher am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien, in einer Aussendung.

Die Umsetzung von Maßnahmen gegen den Klimawandel hängt entscheidend von der politischen Situation in einem Staat ab. Ständige Regierungswechsel, Korruption und mangelnde Rechtssicherheit behindern bzw. verunmöglichen effektive Klimaschutzpolitik. Dazu kommt noch, dass Staaten mit besserer Governance eher auf Hilfsgelder und Spenden hoffen können, weil die Geldgeber davon ausgehen, dass ihre Mittel effizienter eingesetzt werden, heißt es in der Studie.

Fünf Szenarien

Der Weltklimarat hat fünf Szenarien, sogenannte Shared Socio-economic Pathways (SSPs) entwickelt, um die Konsequenzen globaler Entwicklungen auf den Klimawandel zu prognostizieren. Ausschlaggebende Faktoren sind dabei etwa die Bevölkerungsentwicklung (nach Alter, Geschlecht und Bildung) oder die Entwicklung der Wirtschaft (BIP). Im besten Fall (SSP1) treffen dabei eine effektive Governance auf hohes Einkommen, Bildungsniveau und Geschlechtergerechtigkeit, im schlechtesten (SSP3) eine ineffektive Governance auf eine sehr ungleiche Einkommensverteilung sowie niedriges Bildungsniveau und mangelnde Geschlechtergerechtigkeit.

Für entwickelte Länder wie Deutschland oder Japan ist es dabei nicht so erheblich, welchen der insgesamt fünf SSP-Pfade sie einschlagen, heißt es in der Studie. Ihre Werte bei den Governance Scores bleiben ohnehin hoch. Anders ist es in Entwicklungsländern wie Nigeria oder Somalia: Setzen sie auf ein "Green-Road"-Szenario (SSP1) mit hohen Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie Reduktion von Ungleichheit bzw. Ressourceneinsatz, ist das mit einer deutlichen Stabilisierung der politischen Bedingungen verbunden.

Gleichzeitig sind in den schlechtesten Szenarien (SSP3; "Rocky-Road-Szenario" mit regionalen und globalen Konflikten aufgrund von Ungleichheit) die Prognosen für Regierungen in Entwicklungsländern besonders dramatisch. "Wenn keine wesentliche globale Verbesserung der institutionellen Qualität stattfindet, könnte bis zum Jahr 2050 rund 30 Prozent der Welt von instabilen politischen Verhältnisse, Korruption und Konflikten betroffen sein", so Crespo Cuaresma.

Selbst wenn sich die politischen Bedingungen eines Landes verbessern, dauert es aber bis zum Umdenken in Sachen Umwelt- und Klimaschutz: "Die Anpassungsfähigkeit ist von der institutionellen Qualität der Regierungen in den jeweiligen Ländern abhängig und wird global auch in den optimistischen Szenarien erst ab 2050 in den Szenarien signifikant besser", betont Crespo Cuaresma.

Service: https://doi.org/10.1038/s41893-019-0405-0

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