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Sektionsleiter Frauscher: "Wir müssen die Systeme umstellen" © APA
Sektionsleiter Frauscher: "Wir müssen die Systeme umstellen" © APA

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Forschung soll Tempo der E-Wirtschaft bei Energiewende beschleunigen

22.11.2019

Durch mehr Forschung und Innovationen soll die Elektrizitätswirtschaft auf dem Weg zur Energiewende Richtung Dekarbonisierung schneller unterwegs sein - wünscht sich die Branche und erhält dabei Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium und durch Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek. Österreich solle als Energie-Innovationsland weiter gestärkt werden, sagte die Ministerin bei einer Diskussion.

Europa solle bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein - und eine Grundvoraussetzung für das Erreichen der Klimaziele seien Forschung und Innovation, betonte Patek beim Trendforum von Oesterreichs Energie. Dazu verwies sie auch auf Wasserstoff-Projekte und Anwendungsmöglichkeiten für die Industrie und den Verkehrssektor. "Wir wollen 'grünen Wasserstoff' forcieren und Österreich zu einem Leader machen. Erneuerbarer Wasserstoff könne eine große Rolle für die Energiewende spielen.

Aus dem Wirtschaftsministerium sicherte Sektionsleiter Florian Frauscher Unterstützung für standortrelevante Forschung zu, "wo immer die Wissenschaft und Unternehmen zusammenarbeiten" und man hoffen könne, dass am Ende auch mehr Jobs und eine höhere Wertschöpfung stünden. Bei der Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft sei Österreich schon Nummer 1 in Europa, erinnerte der für Wirtschaftsstandort, Innovation und Internationalisierung zuständige Spitzenbeamte. "Die Klimaziele können wir nur erreichen, wenn wir ganz intensiv in Innovationen gehen. Wir müssen die Systeme umstellen", meinte Frauscher, denn es werde wohl nicht reichen, nur Fliegen oder Autofahren nur teurer zu machen. Sollte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wie erwartet bei ihrem "Green Deal" das CO2-Senkungsziel bis 2030 auf 50 bis 55 Prozent verschärfen, "wird uns das noch vor große Herausforderungen stellen", prophezeite er.

Strom als "Enabler" der Klimawende

Rodoula Tryfonidou, Leiterin des Referats Energieforschung im deutschen Wirtschaftsministerium, bezeichnete es als "die eigentliche Herausforderung", im Wärme- und Mobilitätssektor mehr fürs Klima zu tun. "2030 oder 2050 klingt so weit weg, aber was 2030 beitragen soll, müsste jetzt schon in die Erprobung kommen." Daher habe ihr Ministerium sogenannte "Real-Labore" geschaffen, in denen man Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte zusammenbringen könne, wie es etwa beim Ausstieg aus der Braunkohle nötig sei. Auch Tryfonidou billigte "grünem Wasserstoff" für die Zukunft eine bedeutende Rolle zu. Ein internationaler Wasserstoff-Markt deute sich bereits an - er werde sich dort ansiedeln, wo Wasser mit Erneuerbarer Energie am günstigsten hergestellt werden kann.

Leonhard Schitter, Präsident des E-Wirtschafts-Verbandes Oesterreichs Energie und Chef der Salzburg AG, verwies auf die Rolle, die Strom als "Enabler" der Energiewende und der Klimawende spielt. Das erfordere aber bis 2030 den Zubau von 30 Terawattstunden (TWh) an Erneuerbaren Energien, davon 6 bis 8 TWh Wasserkraft und je 11 bis 13 TWh PV und Windkraft. Das bedeute, dass alle drei Minuten eine Photovoltaik-Anlage installiert werden müsse, alle zwei Tage ein Windrad und alle zwei Jahre ein Wasserkraftwerk mit einem Leistungsvermögen wie die Anlage von Wien-Freudenau. Allein die für den Stromsektor geplanten Maßnahmen - mehr Erzeugung aus erneuerbaren Quellen und eine flottere Umstellung auf E-Autos - kann Österreichs gesamten CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Zehntel senken, ist Schitter überzeugt. 2018 betrugen die Emissionen laut Umweltbundesamt 79,1 Mio. Tonnen.

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