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Zwei Arten von Umweltkosten betrachtet © APA (dpa/zb/Pleul)
Zwei Arten von Umweltkosten betrachtet © APA (dpa/zb/Pleul)

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Globaler Kohleausstieg fördert auch Gesundheit und Artenvielfalt

23.03.2020

Ein globaler Kohleausstieg nützt nicht nur dem Klima, sondern dient auch der Verbesserung der Gesundheit der Menschen und der biologischen Vielfalt. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam in einer am Montag veröffentlichten Studie. Der Ausstieg rechne sich "bei weitem", erklärte Leitautor Sebastian Rauner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Neu an der maßgeblich auf Computersimulationen gestützten Studie ist demnach, dass auch unabhängig vom Kampf gegen die Erderwärmung die Schäden an Mensch und Umwelt, die Kohleverbrennung verursacht, in Geld ausgedrückt und so mit den Kosten für den Klimaschutz vergleichbar werden: "Insbesondere haben wir zwei Arten von Umweltkosten betrachtet: Die Kosten für die menschliche Gesundheit, maßgeblich verursacht durch Atemwegserkrankungen, und den Verlust an biologischer Vielfalt, gemessen an den Kosten für die Renaturierung derzeit bewirtschafteter Flächen."

Die Kosten des Klimaschutz bestehen demnach hauptsächlich aus einem möglicherweise verringerten Wirtschaftswachstum und zusätzlichen Investitionen in das Energiesystem. "Die Kosteneinsparungen durch verringerte Schäden an Gesundheit und Ökosystemen überkompensieren die direkten wirtschaftlichen Kosten eines Ausstiegs aus der Kohleverstromung deutlich", erklärte dazu der Leiter der PIK-Energieforschungsgruppe, Gunnar Luderer.

Nettoersparnis für 2050 errechnet

Für das Jahr 2050 errechneten die Experten eine netto Ersparnis von etwa 1,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung oder "370 Dollar für jeden Menschen auf der Erde". In vielen Ländern, beispielsweise in Indien und China, könnte ein Großteil der Vorteile demnach bereits 2030 spürbar werden.

Die Experten wiesen darauf hin, dass China und Indien nicht nur einen Großteil ihrer Energienachfrage mit Kohle abdecken, sondern beide auch gleichermaßen unter massiver Luftverschmutzung leiden. "Für die Bürgerinnen und Bürger einer indischen oder chinesischen Millionenmetropole macht es einen großen Unterschied, welche Luft sie atmen, und für die Bauern, wie intakt die Ökosysteme sind. Diese Vorteile sind direkt und vor Ort spürbar", erklärte Rauner.

Es sei daher "nicht unwahrscheinlich, dass der Ausstieg aus der Kohleförderung die Unterstützung der Bevölkerung und schließlich Wahlen gewinnen kann". Daher lohne es sich für Staaten auch dann, aus der Kohle auszusteigen, wenn Nachbarländer dies nicht täten.

"Enorme Vorteile"

"Regierungen sollten in internationalen Klimaverhandlungen den Kohleausstieg als eine günstige Möglichkeit erkennen, die globalen Treibhausgasemissionen erheblich zu reduzieren und gleichzeitig im eigenen Land enorme Vorteile zu erzielen", betonten die Forscher. Die Studie zeige, "dass nationale und globale Interessen nicht notwendigerweise Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen können".

Die Experten bekräftigen auch die Notwendigkeit des Kohleausstiegs, um die Erderwärmung zu bremsen. Klar sei, "dass die Welt nicht unter der Zwei-Grad-Grenze bleiben kann, wenn wir weiterhin Kohle verbrennen." Die Forscher beziehen sich dabei auf die bisher vorliegenden nationalen Verpflichtungen zur Verringerung der Emissionen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens.

"Wenn jedoch alle Länder den Kohleausstieg einleiten würden, kämen wir dem Ziel weltweit um 50 Prozent näher", heißt es weiter. Für kohleintensive Volkswirtschaften wie China und Indien würde ein Ausstieg aus der Kohle die Lücke bis 2030 sogar um 80 bis 90 Prozent schließen. Dabei müsse allerdings ein Ausweichen auf andere fossile Brennstoffe wie Öl oder Erdgas vermieden werden. Dafür seien neben dem Kohleausstieg weitere flankierende Maßnahmen notwendig.

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