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Badelt (l.) und Kocher wollen klare Regeln © APA (Jäger)
Badelt (l.) und Kocher wollen klare Regeln © APA (Jäger)

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IHS und Wifo: Auftragsstudien grundsätzlich veröffentlichen

07.10.2020

Auftragsstudien sollen grundsätzlich immer veröffentlicht werden. Darauf haben sich das Institut für Höhere Studien (IHS) sowie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einem gemeinsamen Memorandum verständigt. Etwaige Ausnahmen müssten begründet und dokumentiert werden - und sobald Ergebnisse "geleakt" werden, soll die gesamte Studie der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. IHS und Wifo hoffen nun, dass sich andere Institute anschließen.

In dem Memorandum werden 15 Prinzipien der wissenschaftlichen Integrität für Auftragsstudien festgehalten. Neben der Veröffentlichungspflicht sind unter anderem auch die Offenlegung möglicher Interessenskonflikte, die Nennung aller finanzierenden Auftraggeber sowie die Pflicht zur Speicherung von Daten zur Nachvollziehbarkeit enthalten. Außerdem sollen sich weitere Teilnehmer an der Initiative auch zur Mitgliedschaft in der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) verpflichten, welche die Einhaltung der Standards überprüft.

Einen konkreten Anlassfall gebe es nicht, betonten IHS-Chef Martin Kocher und der Wifo-Leiter Christoph Badelt bei einer Online-Pressekonferenz. "Es ist nicht so, dass irgendwo ein Skandal aufgetreten wäre und wir jetzt ein Papier schreiben müssen, um das in Zukunft zu verhindern", so Badelt.

"Wir brauchen aber klare Regeln, wenn wir in politiknahen Bereichen forschen", betonte Badelt. "Gerade bei Veröffentlichungen ist die politische Praxis in Österreich - sagen wir einmal so - ein bisschen kontrovers." Es spiele dabei durchaus eine Rolle, ob, wann und wo Auftragsstudien veröffentlicht werden.

Ausnahmen möglich

Natürlich müssten Ausnahmen möglich sein - etwa wenn Ministerien für ihre interne Planung Berechnungen anstellen lassen. "Man muss Gedankenspiele machen können mit experimentellem Aspekt", meinte Kocher. "Das muss möglich sein, ohne dass es etwa heißt: 'Warum macht das Finanzministerium jetzt eine Studie zu Ökosteuern?' Das könnte sonst vom politischen Gegner abgeschossen werden." Diese Ausnahmen von der Veröffentlichung müssten bereits bei Beauftragung begründet und seitens der Institute dokumentiert werden. "Es ist legitim, dass ein Ministerium eine Studie in Auftrag gibt, um etwas austesten zu lassen", meinte auch Badelt. "Aber in dem Moment, wo man sich drauf beruft, muss sie offengelegt werden."

Der gängigen Praxis des "Hinausleakens" von Studienergebnissen wollen IHS und Wifo ebenfalls entgegenwirken. "In dem Augenblick, in dem öffentlich berichtet wird, muss es auch möglich sein, die Studie zu bekommen - etwa um Ergebnisse nachvollziehen zu können, denn Wissenschaftlichkeit steht und fällt mit der Überprüfbarkeit der Ergebnisse", so Badelt. "Es geht nicht, dass sich ein Politiker einfach hinstellt und sagt:'Wir haben da eine Studie' und sich darauf bezieht - in dem Moment muss es möglich sein, dass die Studie in die Öffentlichkeit getragen wird."

Ziel der Initiative sei es auch, dass sich Auftraggeber wie Journalisten an klare Regeln gewöhnen, meinte der Wifo-Chef. Außerdem sollen auch andere außeruniversitäre Institute einbezogen werden, um zu einem Bewusstseinswandel einzuladen, ergänzte sein Stellvertreter Jürgen Janger. An Auftraggeber appellierte er, Werkverträge so zu gestalten, dass Studien veröffentlicht werden. "Derzeit ist es immer ein gewisser Bittprozess, dass ein Ministerium die Zustimmung gibt." Besser wäre es zu sagen: "Wenn eine Studie den Auftrag erfüllt, muss veröffentlicht werden können."

Über einen möglichen Verlust an Aufträgen durch die Initiative wollte Badelt nicht spekulieren. "Es gibt immer wieder Konstellationen, wo Sie beim Auftraggeber bei der Vergabe merken, dass es Schwierigkeiten geben könnte. Der Auftraggeber lässt etwa durchblicken, was herauskommen soll oder es werden seltsame Regeln zur Veröffentlichung angeregt. Da gibt's nur einen Weg: Stay Away."

Service: http://go.apa.at/rff4LD9b

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