Politik & Wirtschaft

"Spin-off Austria" unterstützt mit bis zu 500.000 Euro © APA (dpa)
"Spin-off Austria" unterstützt mit bis zu 500.000 Euro © APA (dpa)

APA

Initiative soll Gründungen von Jungforschern unterstützen

07.09.2017

Gründungen von jungen Forschern an Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll die neue, von Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) nun vorgestellte Initiative "Spin-off Austria" unterstützen. Für drei Jahre stehen 15 Mio. Euro zur Verfügung. Auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) legte zeitgleich ein eigenes Spin-Off-Konzept vor.

Seit Jahren werde von Experten Kritik an den mangelnden Ausgründungen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen geübt, begründete Mahrer seine Initiative. Zudem stimme das Input-Output-Verhältnis nicht. Bei den Forschungsausgaben liege Österreich mittlerweile an zweiter EU-Stelle, doch der Output etwa bei Ausgründungen sei zu gering.

Als Vorbild für die neue Initiative nannte Mahrer das "Pioneer Fellowship"-Programm der ETH Zürich. Seit 2010 wurden dort 72 Wissenschafter mit jeweils 150.000 Franken (131.000 Euro) für maximal 18 Monate unterstützt, 43 davon haben gegründet, sagte Tomas Brenner von der ETH.

Intensive Betreuung der Forscher

In Österreich sollen Forscher durch die Initiative maximal 500.000 Euro für bis zu 18 Monate erhalten, um ihre Ideen und Ergebnisse bis zur Unternehmensgründung weiterzuentwickeln. Mahrer erwartet sich in den nächsten Jahren rund 50 Fellows in dem Programm, etwa 75 Prozent davon sollen tatsächlich gründen. Dies soll vor allem auch durch intensive Betreuung, Mentoring und Weiterbildung der Forscher erreicht werden.

Die neue Initiative biete den Vorteil, dass Fellows weiter die Infrastruktur ihrer Einrichtung nutzen können, aber durch das Programm finanziert werden, sagte Mahrer. "Neben Mentoring und Beratung ist der Zugang zu diesem wissenschaftlichen Netzwerk extrem wertvoll", sagte Iris Filzwieser, die 2005 aus der Montanuni Leoben kommend das Engineering-Unternehmen Mettop gegründet hat.

Auch die Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien, Sabine Seidler, sieht in dem Programm eine "große Chance für Forscher und Unis". Bisher hätte die Möglichkeit gefehlt, als Wissenschafter unbelastet von universitären Betrieb seine Idee in Richtung Wirtschaft zu entwickeln.

Für die Anschlussfinanzierung will Mahrer ab kommenden Jahr einen Risikokapitalfonds auflegen, der international ausgeschrieben werden soll, um "mächtige Konsortien nach Österreich zu holen". Im Idealfall müsste ein solcher Fonds mit einem mindest dreistelligen Millionenbetrag dotiert sein, starten werden man aber sicher kleiner.

Großes Ressort für Bildung

Gedanken über eine bessere kommerzielle Nutzung von Forschungsergebnissen hat sich auch Hammerschmid gemacht. Sie hatte zuletzt für ein einheitliches Bildungsressort vom Kindergarten bis zu den Hochschulen inklusive der Wissenschaft plädiert.

In ihrem Spin-Off-Konzept identifiziert Hammerschmid derzeit zwei Hauptprobleme: Einerseits fänden sich in den über Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium festgelegten Uni-Budgets keinerlei Anreize zur Forcierung von Unternehmensgründungen. Andererseits litten die Forschungsgruppen schon jetzt an zu wenig Personal und hoher Lehrbelastung - Know-how an Ausgründungen zu verlieren, sei daher nicht im Interesse der Unis.

Hammerschmid regt daher einen "Entrepreneurship-Bonus" von jährlich 100.000 Euro pro Uni an, wenn diese entsprechende verpflichtende Module in die Curricula der Bachelor-Studien einbauen. Außerdem soll es ein budgetäres Anreizsystem in den Leistungsvereinbarungen geben: Für jedes erfolgreiche Spin-Off aus Unis würden demnach 400.000 Euro für zwei Tenure-Track-Stellen für Wissenschafter fließen. Bei 20 erfolgreichen Spin-Offs würden diese beiden Maßnahmen jährlich rund zehn Mio. Euro kosten. Außerdem sollen die Mittel des Wissenschaftsfonds FWF verdoppelt werden.

Service: www.ffg.at/spin-off

Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung