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Chris Elliott über Food Integrity und Transparenz in der Nahrungsmittelkette © Daniel Hinterramskogler
Chris Elliott über Food Integrity und Transparenz in der Nahrungsmittelkette © Daniel Hinterramskogler

Kooperationsmeldung

Integre Lebensmittel - sollen ethisch einwandfrei sein

06.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit Ecoplus

Chris Elliott ist seit den 1980er Jahren ein Analyst von Lebensmitteln, um Arzneimittelreste und andere Verunreinigungen darin aufzuspüren sowie Fälschungen zu entlarven. Er entwickelte Methoden, wie man frühzeitig Bedrohungen durch schädliche Stoffe in den Lebensmittelversorgungsketten identifiziert und effektive Warnungen aussprechen kann. Nach dem Pferdefleischskandal 2013 in Europa, wo angebliche Rindfleischprodukte bis zu 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden, leitete er eine unabhängige Begutachtung des britischen Versorgungssystems. Derzeit koordiniert er ein EU-Flagship-Horizon-2020-Projekt über Ernährungssicherheit mit chinesischen Partnern. Er ist Professor an der Queen's University in Belfast (Nordirland) und Gastprofessor an der China Agriculture University in Peking und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Sie haben den Begriff "Lebensmittel-Integrität" (Food Integrity) eingeführt. Was umfasst er?

Chris Elliott: "Lebensmittel-Integrität" geht von der UN-Definition der "Lebensmittel-Sicherheit" aus und ergänzt das Ganze mit wichtigen Aspekten. Der Begriff definiert die Art und Weise, wie wir in Zukunft nahrhaftes Essen herstellen sollten: Auf nachhaltige Art und Weise, indem wir unseren Planeten respektieren, unsere Umwelt und alle Menschen, die bei der Herstellung beteiligt sind. All unsere Nahrungsmittel sollten ethisch einwandfrei produziert werden.

Was genau ist der Unterschied zur herkömmlichen Lebensmittel-Sicherheit?

Elliott: Bei der UN-Definition zur Lebensmittel-Sicherheit wird keine Nachhaltigkeit erwähnt, kein Umwelteinfluss der Nahrungsmittel-Produktion, keine Ethik, auch nicht das Wohl der Menschen, die in der Kette der Nahrungsmittelbereitstellung arbeiten, keine Authentizität der Lebensmittel. Die Lebensmittel-Integrität umfasst also viele zusätzliche Aspekte für eine optimale Nahrungsmittelversorgung.

Was erforschen Sie in dem Zusammenhang?

Elliott: Es gab in der Vergangenheit einiges an Aktivitäten in einzelnen Bereichen, aber keine Aktionen, diese Anstrengungen zu kombinieren und zusammenzuführen. Wir versuchen nun einen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln.

Welche Methoden verwenden Sie dazu?

Elliott: Die unterschiedlichsten! Wir versuchen gerade unsere gesamten Forschungsprogramme hier an der Queens University in Irland zu überdenken und für die gesamte Insel einen Weg zu finden, von der Nahrungsmittelsicherheit mehr in Richtung der umfangreicheren Nahrungsmittelintegrität zu kommen. Es ist ein unglaubliches Ziel, die Produktivität zu steigern und die Sache profitabler zu machen, während gleichzeitig eine Kohlenstoff-neutrale Nahrungsmittelkette etabliert werden soll. Das kann ein Einziger kaum erreichen, und für uns alle gemeinsam ist es eine große Herausforderung, der wir nun gegenüberstehen. Für viele Jahre haben wir multidisziplinär gearbeitet, nun wird es richtig super-multidisziplinär. Leute aus komplett unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen arbeiten jetzt zusammen, mit all ihren unterschiedlichen Meinungen, was die passende Lösung wäre. Wir versuchen nun die ganze Expertise und das Wissen zu aktivieren und gemeinsam diese großen Ziele zu erreichen.

Wer ist aller an Ihrer Arbeit beteiligt?

Elliott: Leute aus allen Sparten der Naturwissenschaften und quer durch die Sozialwissenschaften.

Wie sieht die Zusammenarbeit der Forschung mit der Politik dabei aus?

Elliott: Wir sehen uns an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik. Wir wollen letztere unterstützen, ihre Entscheidungen auf der Basis solider Wissenschaft zu treffen.

Wie wichtig ist Transparenz in der Nahrungsmittelkette?

Elliott: Sie ist absolut entscheidend. Wir müssen wissen, woher die Inhaltsstoffe kommen, wie sie produziert wurden, wo sie weiterverarbeitet wurden, wir müssen die jeweiligen ethischen Standards kennen, die landwirtschaftlichen Methoden, die verwendet wurden, all dies muss überwacht werden im Sinne der Integrität.

Können die Konsumenten durch ihre Kaufgewohnheiten beeinflussen, wie integer ihre Produkte sind?

Elliott: Ich werde oft gefragt, ob das mehr kostet, all diese hohen Standards einzuverlangen. Wir wissen es schlichtweg nicht. Wir glauben aber, dass am Schluss die Leute ihre Kaufentscheidungen nicht nur nach den Kosten treffen. Sie werden danach entscheiden, wie ethisch die Produkte hergestellt wurden, wie groß der Einfluss auf den Planeten ist, und deshalb denken wir auch darüber nach, wie wir ein Kennzeichnungssystem gestalten können, das Integrität ausweist.

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