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Rudolf Krska entdeckte 2006 erstmalig sogenannte maskierte Toxine in Getreide © Daniel Hinterramskogler
Rudolf Krska entdeckte 2006 erstmalig sogenannte maskierte Toxine in Getreide © Daniel Hinterramskogler

Kooperationsmeldung

Integrierte Strategien zur Vermeidung von Mykotoxinen - entlang der Lebens- und Futtermittelkette in der EU und China

06.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit Ecoplus

Rudolf Krska studierte Technische Chemie, Habilitation 1999, Professur für Analytische Chemie 2008. Er war Mitbegründer und Miteigentümer der Firmen Biopure Referenzmaterialien (2001) und Quantas Analytics (2006) als Spin-offs der BOKU. Professuren und Forschungsleitungen führten ihn nach Kanada, Nordirland und China. 2006 erhielt er den Dr. Wolfgang Houska Award für die Arbeiten zum Nachweis und zur Reduktion von Mykotoxinen in Lebens- und Futtermitteln. 2006 entdeckte Krska erstmalig sogenannte maskierte Toxine in Getreide; 2019 führte er die erste Methode zur raschen Bestimmung von mehr als 1.400 Kontaminanten mittels Massenspektrometrie ein.

Warum sind Mykotoxine so gefährlich?

Rudolf Krska: Alle Mykotoxine schwächen das Immunsystem. Einige sind stark krebserregend (Aflatoxine). Weniger toxische Mykotoxine, die auch in Österreich vorkommen, führen zu Ernteverlusten und zur Futterverweigerung der Tiere, verringertem Wachstum bis hin zu östrogener Wirkung oder Leber- bzw. Nierenschädigung. Der wirtschaftliche Schaden in der Landwirtschaft beträgt mehrere Milliarden Euro jährlich weltweit.

Welche Technologien oder Mittel können Betriebe davor schützen?

Krska: Minimale Bodenbearbeitung, Fungizide und der Einsatz von schimmelpilzresistenten Sorten, aber auch Biokontrollorganismen, die dem Toxin-produzierenden Pilz am Feld Konkurrenz machen. Zudem sind Vorwarnsysteme in Entwicklung. Wir haben in My-ToolBox u. a. eine E-Plattform inklusive Vorwarnsystem für das Auftreten von Mykotoxinen in europäischen Nutzpflanzen etabliert: Es greift auf GPS- und Wetterdaten sowie Modelle, in denen Genotyp der Pflanze und Lebenszyklus von Schimmelpilzen berücksichtigt werden, zurück. Auf der Plattform befinden sich auch wichtige Informationen für Enduser, wie Landwirte und die Lebens- und Futtermittelindustrie, die dort neben aktuellen Richtlinien auch wertvolle Tipps zur Vermeidung von Mykotoxinen "from field to fork" erhalten.

Wer liefert die Daten für MyToolBox?

Krska: Die Daten liefern die Partner, wobei die Weitergabe von Daten aus China schwierig bis unmöglich ist. Wir haben unter anderem die Firma Barilla aus Parma an Bord, die uns wichtige Daten zur Lagerung von Getreide und Produktion von Pastaprodukten liefert. Wir erhalten auch Daten von Farmern aus Serbien und England sowie von unseren italienischen Partnern aus der Industrie und Forschung. Die Daten sollen von Landwirten aber auch von der Lebensmittelindustrie genutzt werden. Es handelt sich dabei sowohl um statische als auch dynamische Daten - etwa Real-Time-Daten von Sensoren eines Getreidesilos, die Temperatur und Kohlendioxid messen, um Schimmelpilzwachstum früh anzuzeigen.

Und wer nutzt sie?

Krska: Die Plattform kommt für Kunden erst Ende 2019 auf den Markt.

Wie können Unternehmen MyToolBox aktiv nutzen?

Krska: Die Unternehmen benötigen nur ein Smartphone für unsere MyToolBox E-Plattform, GPS-Zugang und eventuell Zugang zu einer Wetterstation - alles leicht zu organisieren.

Ein Schwerpunkt in der Zusammenarbeit liegt auf China. Wie kam es dazu?

Krska: Die Europäische Kommission forciert die Kooperation mit China in einigen Ausschreibungen, wie auch in jener, in der ich mit meinem Projekt erfolgreich war. Wir haben auch ein Decision Support System für Getreidelager in China entwickelt.

Wie ausgeprägt ist das Verständnis für die Gefahren durch Mykotoxine auf den weltweiten Märkten?

Krska: Während Pestizide alle kennen und fürchten, sind Mykotoxine trotz weit größerer Toxizität in der Öffentlichkeit kaum bis nicht bekannt. Die weltweiten Märkte sind höchst alarmiert, da die EU strenge Grenzwerte und auch keine Scheu davor hat, ein Containerschiff etwa mit kontaminierten Erdnüssen aus China von Rotterdam nach der Kontrolle wieder nach Hause zu schicken.

Was sind die Herausforderungen im "Food & Feed"-Bereich in naher Zukunft?

Krska: Die Digitalisierung wird weiter forciert werden und damit auch Rückführbarkeit und Transparenz. Es wird einen enormen Einfluss durch Klimawandelthemen geben - von geänderten Kontaminanten-Profilen bis hin zur Frage der nachhaltigen Bio-Produktion. Innovationen und Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind gefordert.

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