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Thurner: "Wir leben in revolutionären Zeiten" © AIT/APA-Fotoservice/Tesarek
Thurner: "Wir leben in revolutionären Zeiten" © AIT/APA-Fotoservice/Tesarek

APA

KI-Strategie - Österreich braucht Bildungsfokus, keine Skiroboter

03.04.2019

Die für heuer angekündigte KI- und Robotik-Strategie sollte in erster Linie eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den neuen Technologien ermöglichen. Digitalisierung habe nämlich "nichts mit Computern zu tun, es geht um die Leute", so der Komplexitätsforscher Stefan Thurner bei einem Symposium in Wien. Auf Skiroboter aus Österreich warte jedenfalls niemand, so der Tenor.

"Ich glaube, wir leben in revolutionären Zeiten. In solchen ist es extrem schwierig, Prioritäten zu setzen oder Strategien zu entwickeln", denn keiner wisse momentan, wohin die technologische Reise gehe, sagte Thurner im Rahmen der Veranstaltung des Austrian Institute of Technology (AIT) zu den Themen Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und Robotik. Damit ein Land wie Österreich diese Zukunftstechnologien mitgestalten kann, brauche es eine "Neuerfindung" des Bildungssystems, die das Lernen ein gutes Stück weg von der Vermittlung eng abgesteckter Kompetenzen rückt, sowie vielschichtige Möglichkeiten zum lebenslangen Weiterlernen.

Nicht jeder müsse zukünftig zum KI-Experten und Robotik-Architekten werden, im Endeffekt brauche es aber möglichst viele Menschen, die mathematisch-technischen Sprachen verstehen, die dafür notwendig sind. "Um diese Leute gibt es einen Krieg", sagte Thurner, der den Complexity Science Hub Vienna (CSH) leitet. Alleine am Google-Standort New York säßen rund 4.000 Menschen, die in dem Bereich potenziell etwas Wichtiges entwickeln können. Keine Regierung oder Regulationsbehörde der Welt könne da mithalten, sagte Thurner.

Gerade deshalb benötige man verbindliche, kluge Regeln für diese Themen - nicht zuletzt auch für den Umgang mit Daten -, waren sich die Experten einig. Gleichzeitig müsse man im Auge behalten, dass man es hier mit einem "sich rasch bewegenden Ziel" zu tun hat, sagte die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny.

Präsentation der Richtlinien am 9. April

Die EU sieht für Europa jedenfalls großes Potenzial in der Entwicklung "ethischer KI", sagte Irina Orssich von der EU-Kommission. Am kommenden Dienstag (9. April) wird die High-Level-Expertengruppe der Kommission ihre Richtlinien für "vertrauenswürdige KI" präsentieren. Mit dem Medien- und Technologiephilosoph Mark Coeckelbergh von der Universität Wien, der Wirtschaftswissenschafterin Sabine Köszegi von der Technischen Universität Wien und Vorsitzenden des Österreichischen Rats für Robotik und KI, Ursula Pachl, stellvertretende Generaldirektorin des Europäischen Verbraucherverbandes BEUC, sowie Klaus Höckner von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs sind auch vier Experten aus Österreich Teil dieser rund 50-köpfigen Gruppe.

Bei dem angekündigten Papier werde es sich nicht um ein Dokument handeln, das Grundwerte und Gesetze auflistet, sondern das auch eine konkrete Bewertungsliste umfassen wird, an der sich Unternehmen oder Wissenschafter orientieren sollen, so Orssich. In einer anschließenden "Pilotphase" will man überprüfen, wie gut sich diese praktisch anwenden lassen. Mit dem "Alleinstellungsmerkmal ethische KI" werde sich Europa jedenfalls am Weltmarkt positionieren können, zeigte sich Orssich überzeugt.

Aber auf nationaler Ebene gibt es bereits einige einschlägige Strategiepapiere, wie etwa in Deutschland, das hier bis zu drei Milliarden Euro investieren möchte. Viele weitere sind auf dem Weg. In Australien sei man etwa gut damit gefahren, nicht neue Schwerpunkte auf die grüne Wiese zu stellen, erklärte Iven Mareels, Direktor von IBM Australien. So habe man sich beispielsweise auf die Expertise im Bergbau oder Landwirtschaft konzentriert.

Trappl: Strategie "nicht übertragbar"

Eine solche Strategie ist nicht unbedingt übertragbar: Auf einen Skiroboter aus Österreich, der Weltcuprennen gewinnt, warte die Welt nicht unbedingt, sagte der Wiener Kybernetiker und KI-Pionier, Robert Trappl. Beispielsweise im Bereich der Musik oder im Instrumentbau könnten heimische Hightech-Entwicklungen aber durchaus reüssieren. Die Österreicher bräuchten jedenfalls mehr Informationen darüber, welches Potenzial selbstlernende Systeme und Robotik-Entwicklungen haben - abseits "furchterregender Artikel, die den Verlust der Hälfte der Arbeitsplätze prognostizieren", so Trappl.

Neben mehr Wissen sei jedoch auch mehr Geld nötig: Nehme Österreich im Rahmen seiner KI-Strategie nicht ungefähr 300 Millionen Euro in die Hand "brauche man gar nicht weiter reden", sagte der Datenwissenschafter Ross King vom AIT. Dass es sich bei all dem nur um einen Hype handle, sei jedenfalls auszuschließen. Schon jetzt wären deutlich mehr Ressourcen notwendig, um die aktuellen Fragen der heimischen Industrie oder der öffentlichen Hand zu beantworten, so King.

Service: Informationen zur High-Level-Expertengruppe der EU-Kommission: http://go.apa.at/an3aA5AW

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