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Referenzplan nimmt 1,5-Grad-Ziel der Pariser Abkommens als Zielvorgabe © APA (dpa)
Referenzplan nimmt 1,5-Grad-Ziel der Pariser Abkommens als Zielvorgabe © APA (dpa)

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Klimaplan für Österreich - Forschungsnetzwerk legt Umsetzungswege vor

09.09.2019

Die Diskussion um den künftigen Umgang mit der Klimaproblematik beherrscht den Wahlkampf, die Ausarbeitung eines Nationalen Klimaplan muss indes noch 2019 erfolgen. Zu diesem Zweck hat das Climate Change Center Austria (CCCA) den Referenzplan Ref-NEKP präsentiert. "Es ist nicht der Plan, vor dem man Angst haben muss, es ist der Klimawandel", merkte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb an.

Der österreichische Energie-und Klimaplan (NEKP), wie das Papier konkret heißt, muss bis Ende des Jahres der EU-Kommission übermittelt werden, wobei sich der erste Entwurf als ungenügend erwiesen habe, erläuterte Mathias Kirchner von der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien das Motiv für die Erstellung des Ref-NEKP. Er stand dem Projekt als wissenschaftlicher Koordinator zur Verfügung. "Wir wollen Informationen bereitstellen, welche Reduktionspfade möglich sind", den Weg müsse aber die Politik dann wählen. Eine erste Version wurde Anfang Juli im Nationalen Klimaschutzkomitee (NKK) eingereicht.

Ehrgeizige Ziele

Der Referenzplan positioniert sich dabei ehrgeiziger als das 2030-Ziel, bei dem die CO2-Emissionen in Österreich um 36 Prozent im Vergleich zu 2005 zu senken sind, sondern nimmt das 1,5-Grad-Ziel der Pariser Abkommens als Zielvorgabe. Für den Musterzielpfad wurde Österreich ein "Restbudget" von 1.000 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zugestanden.

Neun Rahmenmaßnahmen beinhaltet der alternative Klimaplan, inklusive der in der politischen Diskussion in Österreich eher unbeliebten CO2-Steuer bzw. CO2-Abgabe. Klima-Ökonom Karl Steininger konterte etwaigen Befürchtungen, dass sich die Steuerlast erhöhen könnte, mit dem Beispiel Schweden. Dort sei parallel mit der Einführung einer CO2-Steuer die Gesamtsteuerquote sogar gesenkt worden. Was das Sorgenkind Verkehr betrifft, da solle es laut dem Rek-NEKP zu Verkehr einer Aufwertung aktiver Mobilität wie dem Fahrradfahren kommen, wie auch eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge vonnöten sei.

"Man soll Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein", wandte sich Gottfried Kirchengast, Vertreter der Wissenschaft im Klimaschutzkomitee und Leiter des Wegener Center, an die politisch Verantwortlichen. Er lud die zur Nationalratwahl antretenden Parteien dazu ein, sich zu den neun Rahmenmaßnahmen zu positionieren, bis 20. September werde eine Rückmeldung erwartet. Die einzelnen Positionen werden dann am 25. September per Presseaussendung veröffentlicht werden, kündigte Kirchengast an.

GCF: eine "Aufgabe für die jetzige Regierung"

Neben der nationalen Aufgabe Klimaplan verwies Klima-Ökonom Steininger mit den Worten "Treibhausgase kennen keine Grenzen"auf die internationale Dimension beim Klimaschutz und damit auf den Green Climate Fund (GCF) der UNO. Der GCF soll Entwicklungsländern beim Aufbau einer klimafreundlichen Industrie helfen und Projekte zur Verlangsamung des Klimawandels finanzieren. In der letzten Septemberwoche werden die UN-Staaten in New York ihre weiteren Beiträge für den Fund nennen - und Österreich sei hier deutlicher Nachzügler, so Steininger und bezeichnete die Änderung dieses Umstandes als "Aufgabe für die jetzige Regierung".

Auch Klimaforscherin Kromp-Kolb wandte sich an die Politik: "Wir brauchen von den Parteien und Regierung klare, konkrete Maßnahmen und lesbare Ziele", auch die Medien sollen sich nicht mit Lippenbekenntnissen zufriedengeben. Der Klimawandel könnte indes noch weit radikaler ausfallen, "es gibt zunehmend Literatur, dass die Wissenschaft hier zu zurückhaltend ist", nähme man die Modellen und Daten als wissenschaftliche Grundlage. "Wir müssen dem eine Vision entgegensetzen", so Kromp-Kolb weiter und verwies auf die "Vision 2050": Ein Österreich mit mehr Lebensqualität, mehr Zuversicht und Lebensfreude sei machbar.

Service: CCCA - Referenz-Nationaler Klima- und Energieplan (Ref-NEKP): http://go.apa.at/8X8mqdES

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