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WMO-Generalsekretär am Sonnblick © APA (Reiter)
WMO-Generalsekretär am Sonnblick © APA (Reiter)

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Klimawandel: Petteri Taalas forderte am Sonnblick "rasches Handeln"

26.09.2019

Der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Petteri Taalas, hat kürzlich das Sonnblick-Observatorium auf 3.106 Meter Seehöhe in Rauris (Pinzgau) besucht und dabei auf die aktuellen Herausforderungen des Klimawandels hingewiesen. Er appellierte an ein Umdenken im Bereich Industrie, Transport und Energieerzeugung, um die rasante Erwärmung noch verringern zu können.

Die stetig steigende CO2-Konzentration und das Tauen des Permafrosts durch die Klimaerwärmung stellt die Menschen zusehends vor Probleme. Am Sonnblick-Observatorium wird seit dem Jahr 1999 das klimawirksame Spurengas Kohlenstoffdioxid (CO2) durch das Umweltbundesamt gemessen. Wegen der exponierten Lage kann aus den Messungen am Hohen Sonnblick auf die großräumige Veränderung der CO2-Konzentration geschlossen werden.

Bisheriges Ergebnis: Die CO2-Konzentration stieg laut dem Betreiber des Observatoriums, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), seit Messbeginn von ca. 370 ppm (parts per million, Anm.) auf derzeit ca. 410 ppm. Bei der gegenwärtigen Entwicklung wird noch vor dem Jahr 2040 eine Konzentration von 450 ppm CO2 erreicht. Der Weltklimarat IPCC nennt die Marke von 450 ppm als jenen Wert, bis zu dem die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius wahrscheinlich noch vermeidbar ist.

"Ein rasches Handeln ist notwendig"

"Ein rasches Handeln ist notwendig", um das 1,5 Grad Celsius-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, waren sich WMO-Generalsekretär Taalas sowie ZAMG-Direktor Michael Staudinger und die Leiterin des Sonnblick-Observatoriums, Elke Ludewig, nach der heutigen Besichtigung der Forschungsstation im Gespräch mit Journalisten einig. Fossile Energieerzeugung und die Plastikproduktion könne zwar nicht von heute auf morgen gestoppt werden, ein kontinuierlicher Umstieg auf neue Ressourcen wie erneuerbare Energie müsse aber forciert werden. Auch jeder einzelne könne einen Beitrag leisten, indem er seinen Lebensstil ändere, so wenig Plastikprodukte wie möglich kaufe und beispielsweise nach dem Verkauf seines alten Autos auf ein elektrisch betriebenes Fahrzeug umsteige, veranschaulichte Taalas.

Angesprochen auf die "Fridays for Future"-Bewegung von Greta Thunberg meinte Taalas, man solle zwar nicht in Panik geraten, aber Druck auf die Umweltpolitik sei wichtig, um ein Umdenken und ein rasches Handeln zu bewirken. Ansonsten könnte sich die globale Durchschnittstemperatur in 200 Jahren um mehr als acht Grad Celsius erhöht haben - mit teils dramatischen Konsequenzen für die Bevölkerung wie Überschwemmungen, Hungersnöte und Trinkwassermangel. Er wies auf die Bedeutung der wissenschaftlichen Messungen am Sonnblick-Observatorium hin, eine der höchsten Wetterstationen weltweit, und die globale Vernetzung der Daten. Das Beobachten der Erdatmosphäre sei unumgänglich, um den Klimawandel aufzeigen zu können. "Die Grönland-Gletscher schmelzen schneller ab als noch vor einigen Jahren", die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei abnormal, gab er zu bedenken.

Seit Messungsbeginn vor 130 Jahren ist die Temperatur am Sonnblick "um zwei Grad Celsius gestiegen", schilderte Observatoriums-Mitarbeiter Hermann Scheer. "Wir sind Zeitzeugen. Wir sehen, wie die Temperaturen und die CO2-Konzentration kontinuierlich steigen", sagte Observatoriums-Leiterin Ludewig. "Die letzten drei Sommer sind am Sonnblick schneefrei gewesen." Im jährlichen Schnitt gehe ein Meter Länge und ein Meter Höhe des Gletschereises verloren. Vom Goldbergkees am Sonnblick würden in 30 Jahren nur mehr Reste übrig sein, das gleiche gelte für die Pasterze am Großglockner in 50 Jahren. Radikale Änderungen in Richtung klimaschonende Maßnahmen in Industrie und Verkehr könnten Positives bewirken. Auch ZAMG-Direktor Staudinger hegte die Hoffnung, dass die derzeitige Klimadiskussion "etwas bringt".

Gestein verliert an Festigkeit

Die ZAMG nimmt auch an einem europaweiten Permafrost-Projekt Teil und führt in mehreren Bohrlöchern am Sonnblick Messungen durch. Diese haben ergeben, dass das Gestein an Festigkeit verliert. Durch die Klimaerwärmung tauen obere Bodenschichten auf. Eine Folge sind Felsstürze, die in den letzten Jahren in den Alpen vermehrt beobachtet werden. Anfang der 2000er-Jahre drohte der Gipfel des Hohen Sonnblicks zu zerbrechen, er musste aufwendig saniert werden.

Bei Taalas Besuch am Sonnblick wurden auch Beispiele genannt, wie in der Vergangenheit große Herausforderungen durch gemeinsame Anstrengungen in Europa und weltweit gelöst werden konnten, wie der Schutz der Ozonschicht und der Kampf gegen den "Sauren Regen".

Das im Jahr 1886 gegründete Sonnblick-Observatorium gehört zu den weltweit wichtigsten Gipfelobservatorien. Jährlich laufen rund 40 nationale und internationale Forschungsprojekte. Die moderne Anlage leistet auch einen Beitrag zur Überwachung des Zustandes von Atmosphäre, Eis und Erdboden. Derzeit wird verstärkt im Bereich Erdsystemwissenschaften mit klimarelevanten und umweltspezifischen Fragestellungen geforscht.

Das Sonnblick-Observatorium leistet laut ZAMG einen bedeutenden Beitrag zu den wichtigen internationalen Messnetzwerken und Messprogrammen, die verstärkt von der Welt-Meteorologischen Organisation (WMO) koordiniert werden. Ein besonderer Fokus wird derzeit auf das WMO-Programm GAW (Global Atmosphere Watch) gelegt.

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