Politik & Wirtschaft

Michel Nielen leitet das EU Marie Curie Innovative Training Network "Foodsmartphone" © Daniel Hinterramskogler
Michel Nielen leitet das EU Marie Curie Innovative Training Network "Foodsmartphone" © Daniel Hinterramskogler

Kooperationsmeldung

Lebensmitteltests - per Smartphone

06.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit Ecoplus

Michael Nielen studierte an der Universität Leiden und der Freien Universität Amsterdam (Niederlande) Pharmazie und Analytische Chemie. Er arbeitete an der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO) und wechselte zeitweise von der akademischen Forschung in die chemische Industrie. Nielen komplettierte seine Expertise an Projektmanagement-, Marketing- und Wirtschaftskursen. Seit 2007 ist er Professor für Analytische Chemie an der Wageningen Universität. Seit Beginn des Jahres 2017 leitet er das EU Marie Curie Innovative Training Network "Foodsmartphone", bei dem die Forscher Smartphones als Geräte zur Vorort-Analyse der Nahrungsmittel-Qualität und -Sicherheit weiterentwickeln wollen.

Sie entwickeln "Food-Smartphones". Was ist das?

Michel Nielen: Zurzeit gewährleisten zentrale und regionale Nahrungsmittellabors die Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel. Für viele Menschen in der Nahrungsmittelkette wäre es aber wichtig und interessant, selber Lebensmittelanalysen durchzuführen, und zwar jederzeit und überall. Die Hersteller könnten zum Beispiel ihre Produkte nach Resten von Antibiotika und Pestiziden kontrollieren, und die Kunden könnten prüfen, ob allergieauslösende Stoffe darin sind. Derzeit ist man als Allergiker auf die Beschreibungen an den Etiketten angewiesen - dort heißt es in der Regel: Das Produkt "kann" diesen und jenen Stoff enthalten. Man ist sich dessen also nie sicher. Viele Menschen sind deshalb in ihrer Auswahl an Nahrungsmitteln sehr beschränkt, und wären sehr daran interessiert, selbst nach Allergenen zu testen. Statt komplizierte Laborausrüstung zu verwenden, könnte man dies mit einem Gerät tun, mit dem viele Leute schon sehr vertraut sind: dem Smartphone.

Dazu bräuchten die Telefone aber externe Sensoren, die man anschließt, oder?

Nielen: Die meisten nötigen Instrumente hat ein Smartphone schon heute: Zum Beispiel eine Kamera, einen Computer und eine Funkschnittstelle. Die heutigen Smartphones sind viel leistungsfähiger als die PCs vor zehn Jahren. Das meiste haben sie schon eingebaut, in einigen Fällen wird man ein "Add-on"- oder "Clip-on"-Gerät brauchen, um adäquate Messbedingungen zu erreichen. Wenn man zum Beispiel konstantes Umgebungslicht benötigt, kann dies einfach eine zusammenfaltbare Kartonbox sein. Will man nicht optische, sondern elektrische oder elektrochemische Messungen durchführen, müsste man eine Elektrode in die Ladebuchse oder den Audioausgang stecken oder per drahtloser Verbindung anschließen.

Könnte man damit auch geringste Spuren etwa von Erdnüssen nachweisen, wogegen manche Leute allergisch sind?

Nielen: Ja, ich glaube, das wäre mit einem Streifen-Test möglich, wie man es von Schwangerschafts-Nachweiskits aus der Drogerie kennt. Jede Frau kann so einen Teststreifen verwenden und ablesen, das ist also eine einfach durchführbare Methode. Wir haben zurzeit Prototypen von Allergen-Teststreifen, die Resultate innerhalb von Sekunden liefern. Es gibt zwar schon kommerzielle Allergentests, aber die brauchen allesamt mehr als zehn Minuten, bis sie Resultate liefern. Wenn man im Restaurant seine Speise serviert bekommt und nach Allergenen untersucht, will man nicht so lange warten, da wird das Essen ja kalt. Mit dem Teststreifen sollte das innerhalb weniger Sekunden funktionieren. Dann macht man ein Foto davon und bekommt das Ergebnis ausgewiesen. Bei so einem Nahrungsmitteltest kann man auch etwas tun, was eine Frau bei einem Schwangerschaftstest mit Sicherheit vermutlich will: Alle Interessierten automatisch über die Messergebnisse informieren.

Was kann man direkt mit einem Smartphone prüfen?

Nielen: Momentan ist das bei den Hauptbestandteilen der Nahrungsmittel möglich, also man kann den Fett-Zucker- und Eiweißanteil messen. Das funktioniert recht verlässlich über die Infrarotlichtspektren. Für alles, was nur in geringen Mengen in den Lebensmitteln enthalten ist, braucht man zurzeit externe Apparaturen wie besagten Streifentest.

Werden die Food-Smartphones größere Lebensmittellabors ersetzen?

Nielen: Manche Routinetests in den regionalen und zentralen Labors werden dadurch obsolet. Sie werden durch hochqualitative Untersuchungen mit den Smartphones direkt vor Ort ersetzt. Die Experten können sich dadurch auf die wirklich interessanten Situationen konzentrieren und zum Beispiel bei verdächtigen Proben genauer nachhaken.

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