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Mangelndes Bekenntnis zum Pariser Abkommen gefährdet die Zukunft Österreichs

20.09.2019

Von Karl W. Steininger, Professor für Volkswirtschaft, Universität Graz, Wegener Center für Klima und Globalen Wandel

Das Österreichische Parlament hat am Donnerstag mehrheitlich dagegen gestimmt, einen angemessenen Beitrag zum Green Climate Fund zu leisten, dem zentralen Finanzierungsinstrument des Pariser Klimaübereinkommens.

Allein die volkswirtschaftliche Rechnung der heutigen Mehrheitsentscheidung dürfte ein gewaltiges Minus ergeben. Denn ein angemessener Beitrag würde weit höheren wirtschaftlichen Folgeschäden vorbeugen. Steht Österreich nicht zum Pariser Abkommen, wird letzteres geschwächt, die globalen Emissionen fallen somit höher aus, und lösen zusätzliche Folgeschäden von dann mehr als 4-9 Mrd. Euro pro Jahr in Österreich aus. Denn die letztgenannte Summe steht uns bereits bei Einhaltung des Pariser Abkommens ins Haus (Steininger et al., 2016). Auch der Migrationsdruck wird dadurch nicht geringer - ganz im Gegenteil. Das IPCC geht - selbst bei Einhaltung des 2 Grad Ziels - von 280 Millionen Migrant_innen allein durch den Anstieg des Meeresspiegels aus. Ein solches Nicht-Bekenntnis schwächt aber wohl auch den Wirtschaftsstandort recht direkt: Österreich wird nur mehr als Trittbrettfahrer wahrgenommen ("wir tun selbst nichts, schieben es auf die anderen"), verliert seine internationale Reputation. Wenn Österreich am Exportmarkt reüssieren will, müsste es das Gegenteil davon tun, die Marke Österreich jedenfalls nicht gefährden. In allen Bereichen des Pariser Abkommens, von Energieeffizienz bis zu Erneuerbaren, aber auch in der Klimawandelanpassung hat Österreich großes Export-Potenzial, und gehen weltweit die Märkte gerade auf - man denke nur an den stark steigenden Bedarf an Hochwasserschutz in Südostasien.

Wenn Österreich mit Paris nicht mitgeht, baut unser Land keine Reputation für Zukunftsfähigkeit auf, bleiben unsere Firmen außen vor, schädigen wir die "Marke Österreich", und damit mittelfristig auch den Wirtschaftsstandort.

Selbst ganz ohne Solidaritätsargument, allein schon aus wirtschaftlichem Eigennutz würde sich ein angemessener Beitrag zum Green Climate Fund für Österreich mit vielfachen Erträgen rechnen.

Zum Pariser Abkommen zu stehen ist eine Richtungsentscheidung. Ein Ruf ist, wie wir wissen, schnell ruiniert, und das dann langfristig. Warum setzen wir unsere Zukunft leichtsinnig aufs Spiel?

Ist uns das zentrale Finanzierungsinstrument zu internationalem Klimaschutz und -anpassung wirklich nicht mehr wert als 30 Mio. Euro für die 4-Jahresperiode, und somit 7,5 Mio. Euro pro Jahr? Übrigens exakt gleich viel wie uns der Umbau des Vorstands der Casinos Austria gekostet hat? Unter den Industrieländern liegen wir damit (pro Kopf) um Größenordnungen (!) abgeschlagen am Ende.

Man kann dies wohl nur als Beweis lesen, dass in Österreich vielfach noch nicht erkannt wird, wie sehr sich die Klimakrise bereits zugespitzt hat.

Weitere Informationen:

Literatur:

Steininger, K.W., Bednar-Friedl, B., Formayer, H., König, M. (2016), Consistent economic cross-sectoral climate change impact scenario analysis: method and application to Austria, Climate Services 1: 39-52; doi: 10.1016/j.cliser.2016.02.003

Ergebnisse des Projekts COIN (Cost of Inaction): https://coin.ccca.ac.at/

Zum Autor:

Karl W. Steininger ist Vorsitzender der Nationalökonomischen Gesellschaft (der Vereinigung der Volkswirte Österreichs) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz. Nach dem Studium an der UC Berkeley arbeitet er u.a. an der Weltbank und in der OECD.

webpage: https://homepage.uni-graz.at/en/karl.steininger/home/

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