Politik & Wirtschaft

David Hughes vom Imperial College London, UK © Daniel Hinterramskogler
David Hughes vom Imperial College London, UK © Daniel Hinterramskogler

Kooperationsmeldung

Mehr tierisches Eiweiß - Mit weniger Ressourcenaufwand

06.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit Ecoplus

David Hughes studierte an den Universitäten Reading und Newcastle-upon-Tyne (Großbritannien) Agrarwissenschaften und Lebensmittel-Marketing. Er arbeitete mit Firmen aus der Fleisch- und Eierindustrie etwa in Australien, Neuseeland, Asien, Südamerika, der Karibik, den USA und Europa. Mit einem US-amerikanischen Partner baute er ein Frisch-Lebensmittel-Geschäft auf, das Supermärkte in den Vereinigten Staaten belieferte, um es auszubauen und schließlich seine Anteile zu verkaufen. Für Nahrungsmittelfirmen entwickelt er Marktstrategien und Regierungen unterstützt er in der Formulierung von Lebensmittelgesetzen. Hughes ist emeritierter Professor für Nahrungsmittel-Marketing des Imperial College in London und Gastprofessor an der Royal Agricultural University in Gloucestershire (GB).

Sie sprechen über die "nie dagewesenen" Herausforderungen, in Zukunft den Menschen auf der Welt Eiweißstoffe zur Verfügung zu stellen. Was sind diese?

David Hughes: In den kommenden 30 Jahren wird die Weltbevölkerung von 7,8 auf 10 Milliarden Menschen wachsen. Wir müssen uns einerseits fragen, ob wir genug Nahrungsmittel und ausreichende Eiweißstoff-Mengen für sie herstellen können. Andererseits steigen die Einkommen und immer mehr Menschen wollen deshalb höherwertige Lebensmittel mit mehr Eiweißgehalt konsumieren. Wir müssen also mehr Nahrungsmittel mit mehr Eiweißgehalt herstellen, und dabei dürfen wir unserer großen, fragilen Erde nicht schaden.

Ist das machbar?

Hughes: Aus meiner Sicht sollte die Menge kein Problem sein. Ob wir aber auch mehr Nahrungsmittel sanfter und mit weniger Ressourcenaufwand als bisher produzieren können, ist ganz klar eine Herausforderung. Eine große!

Sind die Probleme global überall die gleichen?

Hughes: Nein, wir leben diesbezüglich in einer zweigeteilten Welt. In den sogenannten entwickelten Ländern stagniert der Konsum tierischer Produkte oder geht sogar leicht zurück. In den sogenannten Schwellenländern steigen hingegen der Fleischkonsum und die Nachfrage scharf. Beides bringt spezielle Herausforderungen mit sich.

Welche?

Hughes: In den Industriestaaten verlangen wir nach immer besserer Qualität. Die weltweite Eiweißstoff-Industrie muss jetzt erst einmal herausfinden, was die Menschen darunter verstehen. Dies könnte bei Hühnerfleisch zum Beispiel jenes von langsamer heranwachsendem Geflügel sein, bei Schweinefleisch von Tieren mit Auslauf, bei Rindfleisch eines von Tieren, die mit Gras und nicht mit Silofutter ernährt wurden. Bei Fisch denke ich bei Qualitätssteigerungen an Wildfang statt Zucht, ohne dass man die Fischbestände schädigt.

Wie sieht es in den Schwellenländern mit dem Mehrbedarf aus?

Hughes: Die Menschen dort wollen mehr Fleisch auf dem Teller, aber es muss für sie auch ohne Einbußen leistbar sein. Es sollte weiterhin gut schmecken und bequem zuzubereiten sein, denn überall auf der Welt haben die Menschen immer weniger Zeit zum Kochen. Es sollte freilich auch gesund für die ganze Familie sein, umweltverträglich hergestellt, zuträglich für die lokale Wirtschaft und die Bauern, die es produzieren, und die Tiere sollten gesund gehalten werden. Dazu braucht es bedachte Entscheidungen. All dies global unter einen Hut zu bringen, ist herausfordernd.

Ist die Wissenschaft schon weit genug, Antworten zu geben, wie man das schaffen kann?

Hughes: Die Herausforderung für die Wissenschaft ist, alle ihre Werkzeuge, die sie entwickelt hat, zu verwenden.

Das Ganze muss bedacht geschehen, denn wir brauchen dazu die Erlaubnis der Konsumenten. Wir wollen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, wie bei der Einführung der Gentechnik. Damals wurden die Konsumenten nicht gefragt, und das hat dazu beigetragen, dass sie nicht positiv wahrgenommen wurde. Es ist eine Herausforderung für uns, der Gesellschaft zu erklären, was wir tun wollen, ohne bevormundend zu sein. Wir müssen den Menschen zeigen, wie sie von den Neuerungen profitieren können. Wir müssen uns also das Recht erst erarbeiten, dass wir die Methoden, die wir wissenschaftlich entwickelt haben, einsetzen dürfen.

Wie sieht es mit pflanzlichen Eiweißstoffen aus?

Hughes: Die Welt der Eiweißstoffe expandiert eindeutig, die Konsumenten interessieren sich mehr und mehr für pflanzliche Alternativen. Sie sind eine klare Konkurrenz für die Tierzüchter und Fleischindustrie. Aber auch Insekten werden vermehrt eine Rolle spielen.

Werden wir in Zukunft Heuschrecken und Ameisen essen?

Hughes: Nein, wir werden damit die Tiere füttern, die wir verzehren, zum Beispiel Hühner, Schweine und Fisch.

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