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Gros der Emissionen stammt aus der Landwirtschaft © APA (Fohringer)
Gros der Emissionen stammt aus der Landwirtschaft © APA (Fohringer)

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Nicht lustig - Auch steigende Lachgasemissionen gefährden Klimaziele

07.10.2020

Die weltweiten Emissionen des sehr effektiven Treibhausgases Distickstoffmonoxid (Lachgas) befinden sich seit einiger Zeit im Steigen. Dafür verantwortlich ist u.a. der zunehmende Einsatz von Stickstoffdüngemitteln in der intensivierten Landwirtschaft. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung aus Österreich zeigt nun in einer Analyse, dass die aktuelle Lachgas-Entwicklung auch die Pariser Klimaziele gefährdet. Die Arbeit erschien im Fachblatt "Nature".

Mit der Konzentration des gegenüber dem bekanntesten Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) rund 300-fach Klima-wirksameren Lachgas (N2O) in der Atmosphäre gehe es seit rund 150 Jahre bergauf, schreiben die Wissenschafter, zu denen auch Wilfried Winiwarter vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien gehört, in ihrer Arbeit. Es ist hinter CO2 und Methan das drittwichtigste langlebige Treibhausgas. Den momentanen Gesamtanstieg beziffern die Forscher um Erstautor Hanqin Tian von der Auburn University (USA) mit ungefähr zwei Prozent pro Jahrzehnt.

20 Prozent mehr Lachgas in der Atmosphäre

Das Team aus 57 Wissenschaftern aus 14 Ländern zapfte für sein "globales N2O-Inventar" eine Vielzahl an Datenquellen an und analysierte diese. In die Berechnungen flossen Informationen über insgesamt 21 Quellen und Senken des Gases ein. Demnach findet sich nun rund 20 Prozent mehr Lachgas in der Atmosphäre als noch vor Beginn der Industrialisierung. Zwischen 2007 und 2016 kommen die Wissenschafter auf N2O-Emissionen von rund 17 Millionen Tonnen Stickstoff im Jahresschnitt. Dem gegenüber stehen rund 13,5 Mio. Tonnen, die über chemische Prozesse wieder aus der Atmosphäre verschwinden.

Für den Anstieg des resultierenden erklecklichen Anteils an in der Luft verbleibendem Lachgas seien vor allem menschgemachte Effekte verantwortlich, so das Fazit der Wissenschafter. Auf insgesamt um die 7,3 Mio. Tonnen aus sogenannten anthropogenen Quellen pro Jahr beziffern sie das Ausmaß. Dieser Wert habe sich in den vergangenen vier Jahrzehnten um rund 30 Prozent erhöht. Mit rund 3,8 Millionen Tonnen stammt den Berechnungen zufolge das Gros davon aus der Landwirtschaft. Verantwortlich dafür ist großteils das Ausbringen von Düngern auf Stickstoffbasis.

Für Tian wird "die wachsende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln für Tiere" die globalen Lachgasemissionen noch zusätzlich erhöhen. Es bestehe also "ein Konflikt zwischen der Art und Weise, wie wir die Menschen ernähren, und unserem Ziel, das Klima zu stabilisieren". Wie groß dieser ist, könne man mit der neuen Studie erstmals recht präzise sagen, so die Forscher: Gehe es mit den gegenwärtigen Emissionen ungebremst weiter, entspreche das eher einem prognostizierten Temperaturanstieg von drei Grad Celsius und nicht den im Pariser Abkommen angestrebten 1,5 Grad, heißt es in einer Aussendung des IIASA.

Hohe Emissionen in Asien, Afrika und Südamerika

Für die meisten Lachgasemissionen zeichnen demnach Ost- und Südasien, Afrika und Südamerika verantwortlich. Während das in China, Indien und den USA zu einem Gutteil auf Kunstdüngung zurückzuführen ist, liegt es in Afrika und Südamerika vor allem am Ausbringen von Jauche. Die höchsten Emissionsanstiege waren in den Schwellenländern Brasilien, China und Indien zu verzeichnen, wo sich Landwirtschaft und Viehzucht deutlich intensiviert haben.

Im positiven Sinne aus der Reihe tanze hier Europa: Dabei handle es sich um "die einzige Region in der Welt, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Lachgasemissionen erfolgreich reduziert hat. Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen und Luftverschmutzung in Industrie und Landwirtschaft und zur Optimierung der Effizienz des Düngemitteleinsatzes haben sich als wirksam erwiesen. Dennoch werden weitere Anstrengungen erforderlich sein, sowohl in Europa als auch weltweit", so Ko-Autor Winiwarter.

Service: https://dx.doi.org/10.1038/s41586-020-2780-0

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