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CO2-Steuer empfohlen © APA (dpa)
CO2-Steuer empfohlen © APA (dpa)

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Ökonomin Stagl: Klimakrise ist auch eine sozioökonomische Frage

25.09.2019

Die Wiener Ökonomin Sigrid Stagl plädiert im Lichte der Klimakrise nicht nur für technologische Innovationen, sondern auch für eine Reduzierung sozialer Ungleichheiten und ein Neudenken des Arbeitsmarktes. Sie fordert zudem eine ökosoziale Steuerreform, die fossile Brennstoffe teurer macht und den Faktor Arbeit entlastet.

"Die Klimakrise ist nicht nur eine technische und marktorientierte, sondern eine sozioökonomische Frage, in der auch Ungleichheit eine große Rolle spielt", sagte die Volkswirtin kürzlich im Presseklub Concordia. Global gesehen hätten die höheren Temperaturen in ärmeren Ländern auch zu noch geringeren Wirtschaftsleistungen geführt. Soziale Ungleichheiten verringerten zudem die Akzeptanz für umweltpolitische Maßnahmen.

Radikale Trendwende nötig

Österreich ist aus ihrer Sicht in der Klimapolitik eher Nachzügler als Vorreiter. Zwar sind laut Umweltbundesamt die Treibhausgasemissionen seit 1990 größtenteils stabil. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, bedarf es aber einer radikalen Trendwende.

Stagl fordert hier eine sozial-ökologische Steuerreform und empfiehlt eine CO2-Steuer von 50 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Schweden als weltweiter Spitzenreiter hat eine CO2-Steuer in der Höhe von 127 Euro pro Tonne. Bemessungsgrundlage sind Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen.

Im Gegenzug sollen Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge reduziert werden. Länder, die eine solche Kohlenstoffsteuer eingeführt hatten, zeigen sich der Ökonomin zufolge auch volkswirtschaftlich stabil.

Deutlich wird die Volkswirtin bei der Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe. Weltweit beliefen sich diese im Jahr 2017 auf 4,7 Bio. Dollar (etwa 6,3 Prozent des globalen BIP). Gewisse Maßnahmen mit geringem Aufwand, sogenannte "low hanging fruits", könnten bereits jetzt positive Auswirkungen auf das Klima leisten. Dazu gehören die Subventionierung der Isolierung von Häusern, eine höhere Kerosinsteuer oder etwa ein Verkaufsstopp von Waschmaschinen der Umweltklassen B und C.

Arbeitsmärkte neu denken

Um den Herausforderungen der Klimakrise zu begegnen, müssten auch Arbeitsmärkte neu gedacht werden. Würde sich etwa eine Verkürzung der Arbeitszeiten positiv auf die Umwelt auswirken? Eine definitive Antwort bleibt Stagl schuldig. Dies müsse erst empirisch erfasst werden. Eine damit verbundene Veränderung des Konsumverhaltens, würde stark von der Art der Verkürzung und dem entsprechenden Lohnausgleich abhängen, sagt die Expertin. So wirke sich etwa eine kürzere Arbeitswoche negativ auf das Klima aus, wenn das verlängerte Wochenende für einen Diskontflug genutzt wird. Plausibel erscheine hingegen eine kürzere Tagesarbeitszeit.

Stagl bezeichnet sich zudem als "agnostisch" gegenüber dem Wirtschaftswachstum als gesellschaftliche Maxime. Sie warnt vor einer zu starken Orientierung an Wachstumszahlen. Diese stellen für sie eher ein "Mittel zum Zweck" dar, um Ziele wie die Steigerung des Wohlbefindens, Reduzierung sozialer Ungleichheit oder die Einhaltung der 1,5 Grad Erderwärmung zu erreichen.

Stagl ist Ökonomin und Hochschullehrerin an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien). Sie ist Vorständin des Departments für Sozioökonomie und Leiterin des Instituts für Umweltökonomie.

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