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Die Elektrifizierung von Rollern könnte einen großen Unterschied ausmachen © APA
Die Elektrifizierung von Rollern könnte einen großen Unterschied ausmachen © APA

Kooperationsmeldung

Per Technologiemosaik zu den Klimazielen

28.08.2020

Österreich hinkt den Klimaschutzzielen seit Jahren hinterher, die im Regierungsprogramm verankerte Klimaneutralität bis 2040 erscheint vor diesem Hintergrund ambitioniert. Dabei nur auf einzelne disruptive Technologien zu setzen, ist der Mobilitätsforscherin Katja Schechtner zu wenig. Ihr zufolge braucht es dafür ein dynamisch wachsendes Technologiemosaik, bei dem "jede Innovation zählt".

"Die Klimaziele zu erreichen ist theoretisch möglich, praktisch aber äußerst schwierig", sagte Schechtner im Gespräch mit der APA. Sie nimmt am Freitag im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche an einem Arbeitskreis zum Thema "Klimaneutralität 2040 - disruptive Innovationen für die CO2-Neutralität" teil. 2019 wurden in Österreich laut Umweltbundesamt 80,4 Mio. Tonnen an Treibhausgasen emittiert und damit zum dritten Mal in Folge die Klimaschutzziele verfehlt.

Auf dem richtigen Weg?

Trotzdem sei Österreich insgesamt auf keinem schlechten Weg, und man müsse fairerweise immer den globalen Kontext betrachten, so Schechtner: "Zehn Prozent des globalen CO2-Ausstoßes kommt allein aus der Modeindustrie." Und hier liege die Krux begraben: "Wir könnten ja sehr einfach klimaneutral werden bis 2040, wenn das unser einziges Ziel wäre. Aber parallel dazu die Wirtschaft am Laufen zu halten, das ist das Problem."

Verbesserte Technologien könnten das ihre dazu beitragen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Dabei stört es die Fachfrau, die sowohl Expertisen für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris erstellt als auch am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA forscht, dass immer nur von radikalen Innovationen die Rede sei. "Jede kleine Veränderung und Technologie ist ein kleiner Baustein, aber wichtig", ist Schechtner überzeugt.

DNA-Tracking von Schiffstreibstoffen

Im Moment beschäftigt sie sich etwa mit den Potenzialen des synthetischen DNA-Trackings von Schiffstreibstoffen. Die Schifffahrt ist für ungefähr drei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Durch die Verbrennung von relativ günstigem Schweröl als hauptsächlichem Treibstoff werden auch große Mengen an Schadstoffen wie Schwefeldioxid ausgestoßen. Die erst seit kurzem in Kraft befindliche freiwillige Selbstverpflichtung der Schifffahrtsindustrie, schwefelarmen, aber teureren Schiffsdiesel zu verwenden, wird nicht immer eingehalten und ist schwer nachzuvollziehen.

Über die Analyse von bestimmten Komponenten im Treibstoff ("Synthetic DNA") und in Verbindung mit der Blockchain-Technologie könne man die Herkunft von Treibstoffen nun aber zweifelsfrei bestimmen und umweltschädliche Praktiken bei der Betankung nachweisen. Diese technisch gewährleistete Transparenz würde bei einem großflächigen Einsatz Betrug und unlauterem Wettbewerb einen Riegel vorschieben und könne so helfen, die Luftverschmutzung zu verringern. Die technische Machbarkeit und erste konkrete Anwendungen seien jedenfalls bereits gegeben, so Schechtner.

Roller mit großem Potenzial

An Land wiederum könnte global gesehen zum Beispiel schon eine groß angelegte Elektrifizierung von Rollern, die vor allem im globalen Süden enorme Anteile am Gesamtverkehr erreichen, einen bedeutenden Unterschied ausmachen. Allein in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams, stellen laut einem Bericht des Internationalen Transport Forums (ITF) der OECD leichte, zwei- oder dreirädrige Fahrzeuge 94 Prozent der gesamten Fahrzeugflotte.

In der urbanen Logistik sei auch das CO2-einsparende Potenzial von Drohnen nicht zu unterschätzen, die zahlreiche Fahrten von Lieferfahrzeugen und Lkws obsolet machen könnten. Bis Lieferdrohnen den Alltag prägen, müssten laut der Expertin aber noch viele technische und rechtliche Fragen geklärt werden - nicht zuletzt, ob die Fluggeräte überhaupt von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Von der Vergabe eines Punktekontos für den individuellen CO2-Fußabdruck von Bürgern, über die bessere Lenkung von Menschenströmen zur Erhöhung der Auslastung und Effizienz der öffentlichen Verkehrsmittel, bis zur Nutzung von Solarkraft für Industriewärmeprozesse - die Liste an einzelnen Maßnahmen für den Klimaschutz ließe sich beliebig fortsetzen, so die Expertin, die vor ihrer internationalen Karriere unter anderem am Austrian Institute of Technology (AIT) eine Forschungsgruppe im Bereich Mobilität aufgebaut und geleitet hatte.

Am Ende könnten aber einzelne Technologien immer nur als Teil eines Technologiemosaiks verstanden werden, das sich mit der Gesellschaft mitändert, auch 200 Jahre nach dem Jahr 2040. "Keine Wundertechnologie wird uns einfach und ohne Verhaltensänderung retten", betont Schechtner: "Lebensstil verspeist Technologie zum Frühstück."

Service: http://go.apa.at/OB7vQIHl

(Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit dem AIT - Austrian Institute of Technology)

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